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Die von George Green 1828 gefundene Potentialfunktion wurde überhaupt nicht beachtet, ebenso die Arbeiten Hamiltons über dasselbe Thema nur wenig. Erst als Gauß 1840 die von ihm kurz Potential genannte Funktion bearbeitete, fand sie allgemeine Verbreitung und Anerkennung.[39]
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Faradays Bemerkungen über die Influenz fanden keine ungeteilt günstige Aufnahme und die meisten Physiker, zumal die deutschen, waren mit seiner Gegnerschaft gegen die actio in distans durchaus nicht einverstanden. Man hielt seine Ideen von einer vermittelten Fernwirkung für Gebilde einer ausschweifenden Phantasie oder verkehrt geleiteter Philosophie.[40]
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Euler führte 1762 Licht, Wärme und Elektrizität auf eine allgemeine Ursache, den Äther, zurück. Damit kam er, trotz mancher Mängel der Hypothese, dem Gesetz der Umwandlung der Kräfte sehr nahe und verdient unsere höchste Bewunderung dafür, daß er vor mehr als einem Jahrhundert nicht nur auf eine gemeinsame Wurzel aller Kräfte hinwies, sondern daß es ihm auch gelang, wenigstens teilweise die Erscheinungen aus ihr abzuleiten. Da er jedoch mit Newtons Autorität kollidierte, wußten seine Zeitgenossen sein Verdienst nicht zu schätzen. Bezeichnend ist, daß Priestley in seiner zu London 1772 erschienenen Geschichte der Optik in bezug auf den großen Mathematiker es ablehnt, »den Leser mit bloßen Hypothesen aufzuhalten«.[41]
Graf Rumford (1753–1814) hatte durch Beobachtungen beim Kanonenbohren in den Werkstätten des Militärzeughauses zu München und daran anschließende Versuche festgestellt, daß durch Reiben zweier Körper aneinander unbestimmte, vielleicht unbegrenzte Mengen von Wärme erzeugt werden könnten. Daraus folgerte er, daß man unmöglich diese Wärme selbst als einen Stoff annehmen könne – dies nach der gültigen Phlogistontheorie geschah –, sondern was durch Bewegung immer unerschöpflich erzeugt werden könne, selbst nur Bewegung sei. Daher müsse man alle Wärmeerscheinungen als Bewegungserscheinungen auffassen.
Humphry Davy (1778–1829) prüfte Rumfords Versuche nach und erzeugte Wärme sogar durch Reibung von Eisstücken, wobei sich herausstellte, daß das sich bildende Wasser eine höhere Temperatur erhielt, als die Lufttemperatur gerade betrug. Das war eine glänzende Bestätigung von Rumfords Versuchen. Er stellte eine Vibrationstheorie auf und erklärte alle Erscheinungen der Wärme durch die Annahme, daß in einem festen Körper die Teilchen in beständig schwingender Bewegung sind. Auch Thomas Young, der Wiedererwecker der Undulationstheorie des Lichtes, bekannte sich zur Vibrationstheorie und gelangte zur Überzeugung, daß Licht und Wärme aus ganz gleichartigen Schwingungen bestehen, die sich nur dadurch unterscheiden, daß die Wärmeschwingungen langsamer sind, als die des Lichtes. Trotzdem fühlten sich die Physiker nicht veranlaßt, diesen Behauptungen Youngs eine größere Beachtung zu schenken, als seinen Bemühungen um die Reform der Optik. Die meisten Physiker kehrten, wiewohl sie merkten, daß sich die genannten Versuche mit der Annahme eines Wärmestoffes schwer vereinigen ließen, doch zu ihm zurück. Man betrachtete die Erzeugung der Wärme durch Reibung nur als einen nicht geklärten dunklen Punkt an dem sonst reinen Himmel der herrschenden Theorie, und bemühte sich mit gutem Erfolg, diesen dunklen Punkt ganz zu übersehen.[42]