Inhaltsverzeichnis
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1. | Abschnitt: Modernes und Merkwürdiges im Altertum | |
2. | Abschnitt: Wissenschaft | |
3. | Abschnitt: Autoritäten, gelehrte Zunft und Fortschritt | |
4. | Abschnitt: Die »Dilettanten« und Outsider | |
5. | Abschnitt: Von Universität und Schule | |
6. | Abschnitt: Zensur und Prüderie | |
7. | Abschnitt: Frömmigkeit | |
8. | Abschnitt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt | |
9. | Abschnitt: Klerus und Sittlichkeit | |
10. | Abschnitt: Ehe | |
11. | Abschnitt: Rechtspflege | |
12. | Abschnitt: Von allerlei Sitten und Zeremoniell | |
| Anmerkungen | ||
Erster Abschnitt
Modernes und Merkwürdiges im Altertum
Das Interesse, das gerade diesem Kapitel der Kultur-Kuriosa entgegengebracht wurde, rechtfertigt eine Fortsetzung. So seien auch hier zwanglos Tatsachen aneinandergereiht.
Die italienische archäologische Kommission hat bei Ausgrabungen im Königspalast zu Phaistos (Kreta) einen Fund gemacht, der Gutenbergs geniale Erfindung in graueste Vorzeit – etwa Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends – zurückverfolgen läßt. Man fand eine große Terrakottascheibe, die auf beiden Seiten eine Inschrift in Hieroglyphen enthält. Und zwar wurde diese zweihundertundvierzig Zeilen lange Inschrift auf die noch ungebrannte Scheibe mit beweglichen Lettern gedruckt.[1]
Die Römer waren der Erfindung der Buchdruckerkunst außerordentlich nahe. Nicht nur, daß wir aus Quintilian wissen (I, 1. 25), daß Kinder mit beweglichen Lettern spielten, um so leicht buchstabieren zu lernen, Cicero (de natura deorum II, 37) macht die Bemerkung, daß es gerade so undenkbar sei, die Welt sei aus einer zufälligen Verbindung der Atome entstanden, wie die Annahme, aus einem Haufen auf die Erde geschütteter Metallbuchstaben könnten die Annalen des Ennius werden. Also kannte man sogar Metallbuchstaben! Es ist daher viel verwunderlicher, daß die Römer keinen Buchdruck hatten, als es das Gegenteil sein würde.
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Die technischen und chemischen Kenntnisse der ältesten Griechen und deren Vorgänger waren ebenfalls weit bedeutender, als man bisher geahnt hat. Man fand bei den Ausgrabungen des deutschen archäologischen Instituts in Pylos Gegenstände aus Pate vitreuse, schönes blaues Kaliglas und Fayence. Also war die Glasfabrikation den Trägern der mykenischen Kultur bereits um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends bekannt. Ferner besaß man bewundernswerte Kenntnisse in der Farbenbereitung, konnte farbiges Kali- und Natronglas herstellen, wußte Kupfer mit Zinn und Blei in ganz bestimmtem Verhältnis zu legieren, wie man das Kupfer chemisch rein darzustellen vermochte. Ferner konnte man versilbern. In einem Grabe um 2500 v. Chr. fand man eine mit Silberfolie teilweise bedeckte Tonvase.