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Das andere Genie, das sich mit diesem Thema befaßte, das uns in ungeahnter Weise einen Einblick in die Ökonomie des Weltalls eröffnet, und der auch das Glück hatte, Anerkennung zu finden, war ebenfalls kein Physiker, sondern der Besitzer einer Bierbrauerei: James Prescott Joule (1818–1889). Er begründete die mechanische Wärmetheorie auf experimentellem Wege und zwar in völliger Unabhängigkeit von Mayer.
Die Hauptabhandlung des 32jährigen erschien 1850, nachdem er bereits 1843 Gedanken geäußert hatte, die an Kühnheit den Mayerschen von 1845 fast gleichkamen. Übrigens war Joule auch der Begründer der Kinetischen Theorie der Gase.[100]
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Auch H. Helmholtz, der dritte Große auf diesem Felde, war, als er im Jahre 1847 seine Abhandlung »Über die Erhaltung der Kraft« veröffentlichte, in der er mathematisch das Gesetz bewies, nicht Physiker oder Mathematiker, sondern ein junger Arzt. Helmholtz, 1821 geboren, studierte Medizin, wurde 1843 Militärarzt in Potsdam, 1848 Lehrer der Anatomie an der Kunstakademie in Berlin und erst 1871 – nach verschiedenen anderen Stellen als Professor der Physiologie – Professor der Physik in Berlin.[101]
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Leclerc de Buffon (1707–1788) studierte Mathematik und Physik und war Intendant des Jardin royal des plantes in Paris. Wiewohl er also nicht Geologe von Fach war, ja auf geologischem Gebiete nur in beschränktem Maße als Beobachter und Forscher tätig war, bekämpfte er bereits die Annahme einer universellen Sintflut und erkannte u. a., daß ein Teil der in der Erde begrabenen Fossilien zu erloschenen Arten gehört. Auch lehrte er die Abplattung der Erde an den Polen und Erhöhung am Äquator. Zittel sagte von Buffon: »Ein Vergleich der Epoques de la nature (1778) mit den zum Teil kindischen Hypothesen seiner Vorgänger und Zeitgenossen zeigt am deutlichsten die geistige Überlegenheit des großen Naturforschers.« Die Grundgedanken dieses Outsiders haben sich als richtig bis heute bewährt.[102]
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Leopold von Buch (1774–1852) galt mit vollem Recht für den größten Geologen seiner Zeit. Weder er noch Alexander von Humboldt (1769–1859), dessen Auftreten durch die Anregung, die er auf weite Kreise ausübte und der in Deutschland der jungen Wissenschaft viele Freunde und Anhänger zuführte, wie das Buffon und Cuvier in Frankreich getan hatten, nicht hoch genug zu veranschlagen ist, haben je ein öffentliches Lehramt bekleidet. In völlig unabhängiger Lebensstellung widmeten sie sich ganz der Wissenschaft, darin ihrem großen englischen Kollegen Lyell (1797–1875) gleichend.
Die größten Geologen waren also entweder überhaupt nicht Fachleute im strengen Sinne oder doch nicht zünftige Gelehrte.[103]