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Michael Faraday wurde 1791 als Sohn eines Hufschmiedes geboren. Im Alter von 13 Jahren trat er bei einem Buchhändler und Buchbinder ein, um dort acht Jahre zu bleiben. In seinen Mußestunden las er Mrs. Marcets Gespräche über Chemie und aus der Encyklopädia Britannica die Abhandlungen über Elektrizität und bemühte sich auch, die dort angegebenen Versuche zu wiederholen. 1810 und 1811 erlaubte ihm sein Meister, an einigen Abenden populäre Vorlesungen eines Herrn Tatum über Physik zu besuchen. 1812 hörte er die vier letzten Vorlesungen Humphrey Davys. Auf Grund seiner Ausarbeitung der gehörten Vorlesungen, die er an Davy sandte, erhielt dieser Autodidakt 1813 die Stelle eines Assistenten am Laboratorium der Royal Institution, trat dann mit Davy eine größere Reise an und hielt 1816 seine erste Vorlesung. 1824 wurde er, nicht ohne vorheriges Widerstreben Davys, zum Mitglied der Royal Society gewählt, und nun folgten die Ehren schnell.
Faraday war einer der bedeutendsten Naturforscher aller Zeiten, dessen Entdeckungen zahllos sind. Er hatte auch schon die klare Einsicht in die Einheit aller Naturkräfte, welche die moderne Physik erst nach längerer Zeit und nach vielen Kämpfen sich erworben hat. Die Idee der gegenseitigen Umwandlungsfähigkeit der Naturkräfte war bei seinen bedeutendsten Entdeckungen der leitende Gedanke.[96]
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George Green (1793–1841), der 1828 die Potentialfunktion zur Bestimmung physikalischer Kräfte zuerst einführte, war Sohn eines Bäckers und Müllers und setzte anfangs das Gewerbe seines Vaters fort, um später in Cambridge zu studieren.[97]
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Siméon Denis Poisson (1781–1840) wurde in der Jugend zu einem verwandten Chirurgen in die Lehre geschickt, da der Familienrat ihn der geistigen Anstrengungen eines Notariates nicht für gewachsen hielt. Hier war er gänzlich unbrauchbar. Als er 1798 in die polytechnische Schule eintrat, behauptete er immer den ersten Platz, wurde bereits 1800 Repetent und 1806 Professor. Er hat sich um die mathematische Mechanik große Verdienste erworben.[98]
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Julius Robert Mayer (1814–1878), der Entdecker des Gesetzes von der Erhaltung der Energie, aus dem er die Äquivalenz von Arbeit und Wärme folgerte und das mechanische Äquivalent der Wärme berechnete, war Arzt. Als Schiffsarzt machte ihn 1840 in Java die veränderte Farbe des Venenblutes darauf aufmerksam, daß zwischen dem Stoffverbrauch und der produzierten Wärme im menschlichen Körper ein direkter Zusammenhang bestehen müsse. Seiner Arbeit »Bemerkungen über die Kräfte der unbelebten Natur« versagte Poggendorff die Aufnahme in seine Annalen der Physik und Chemie, wie er auch keine der späteren Arbeiten Mayers abdruckte.
Also auch der Entdecker eines der größten physikalischen Gesetze war kein Fachmann, sondern ein junger Arzt.[99]