Niels Henrik Abel schrieb seine ersten Abhandlungen mit 18 Jahren und starb mit 27 Jahren, nachdem er seinen Namen gegen den des großen Gauß gestellt hatte. William Thomson aber löste noch als Knabe an der Universität Glasgow eine Preisaufgabe über die Gestalt der Erde und behandelte in Cambridge mit 18 Jahren in einer grundlegenden Abhandlung die Analogie der Theorie der Wärmeleitung in festen Körpern mit der der elektromagnetischen Anziehung streng mathematisch.[91]

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Hier mag auch an die bekannte Tatsache erinnert werden, daß Pierre Fermat (1601–1665), ein so hervorragender Mathematiker, daß bis heute noch trotz eines Preises von 100000 M. es nicht gelingen wollte, seine berühmte Gleichung elementar zu lösen, Jurist war.

André Marie Ampère (1775–1836) wuchs auf einer kleinen Besitzung seiner Eltern bei Lyon auf. Hier war der Knabe viel auf sich selbst angewiesen und versuchte seinen Wissensdurst durch das Studium des großen Dictionnaire von D’Alembert und Diderot zu stillen, dessen 20 Bände er gründlich und ohne Auslassung durcharbeitete. Später – nach der Hinrichtung seines Vaters war er ein Jahr in geistige Apathie verfallen – regte ihn die Botanik und das Studium der lateinischen Dichter vor allem an. Um sich eine Lebensstellung zu schaffen, wurde Ampère 1796 Privatlehrer der Mathematik in Lyon und studierte in den Mußestunden die Chemie von Lavoisier. Dieser geniale Autodidakt wurde Lehrer der Physik an der Zentralschule zu Bourg im Jahre 1807, später Professor an der polytechnischen Schule zu Paris. Von 1800–1820, wo seine elektrischen Untersuchungen begannen, beschäftigte er sich viel mit mathematischen Arbeiten. Über ihn urteilt Maxwell (Lehrbuch der Elektrizität, Berlin 1883, II, S. 216): »Ampères Untersuchungen, durch die er die Gesetze der mechanischen Wirkungen elektrischer Ströme aufeinander begründete, gehören zu den glänzendsten Taten, die je in der Wissenschaft vollbracht worden sind. Theorie und Experiment scheinen in voller Macht und Ausbildung dem Hirn des ›Newton der Elektrizität‹ entsprungen zu sein. Seine Schrift (Théorie des Phénomènes etc.) ist in der Form vollendet, in der Präzision des Ausdrucks unerreichbar, und ihre Bilanze besteht in einer Formel, aus der man alle Phänomene, welche die Elektrizität bietet, abzuleiten vermag, und die in allen Zeiten als Kardinalformel der Elektrodynamik bestehen bleiben wird.«[92]

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Die Voltasche Säule wurde von Cruikshank (1745–1800), Arzt und Chemiker seines Zeichens, verbessert durch einen Trog, in den 60 aufeinandergelötete Plattenpaare von Zink und Silber eingelassen wurden. Die Zwischenräume zwischen den Plattenpaaren füllte er mit salzsaurem Ammoniak. Eine bedeutende Verbesserung brachte Wilkinson, ein Londoner Wundarzt, an, indem er diese Trogapparate in ihrer äußeren Einrichtung den heutigen Tauchbatterien annäherte. Weiter auf diese Details einzugehen ist zwecklos. Desto interessanter aber die Feststellung, daß zwei so wichtige Fortschritte elektrotechnischer Art von Nichtfachleuten herrühren.[93]

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Chladni (1756–1827), der Vater der Akustik, der unter anderem die nach ihm genannten berühmten Klangfiguren entdeckte, studierte auf den Wunsch seines Vaters Jura und erst nach dessen Tode Naturwissenschaften. Erst im Alter von 19 Jahren fing er an, Klavier zu spielen und erfand 1790 im Euphon ein neues Toninstrument, mit dem er als Virtuose Kunstreisen machte, von deren Ertrag er sich ein beträchtliches Vermögen ersparen konnte.[94]

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Thomas Johann Seebeck (1770–1831), der Entdecker des heute Thermoelektrizität genannten »Thermomagnetismus«, hatte Medizin studiert, lebte dann als Privatmann in Jena, Bayreuth und Nürnberg und wurde 1818 Mitglied der Berliner Akademie. Also auch er war kein Fachmann; so wenig wie Carnot, der Vater der neuen Wärmetheorie, insofern dieselbe mathematisch ist und man die Größenverhältnisse der Wirkungen betrachtet. Er war nach Absolvierung der polytechnischen Schule 1814 französischer Genieoffizier, trat 1819 als Leutnant in den Generalstab ein und wandte sich, da er nicht befördert wurde, dem Studium der Wärmeerscheinungen zu. Nachdem er 1828 seinen Abschied genommen hatte, starb er 1832 im Alter von 36 Jahren. Aus hinterlassenen Papieren geht hervor, daß er bereits den Satz von der Erhaltung der Kraft allgemein ausgesprochen hat, in der Form, »daß die bewegende Kraft in der Natur eine unveränderliche Größe ist, daß sie im eigentlichen Sinne des Wortes weder geschaffen noch zerstört wird«.[95]