Die ersten Versuche zur Umwandlung der Elektrizität in Töne machte 1837 Page (1812–1868). Er war seines Zeichens Agent und Patentanwalt in Washington. Ph. Reis (1834–1874) trat 1850 als Lehrling in ein Farbwarengeschäft zu Frankfurt a. M. ein und studierte privatim seit 1853 Mathematik und Naturwissenschaften. Um das Jahr 1860 konstruierte der erst 24jährige Autodidakt das erste Telephon, an dem er seit 1857 gearbeitet hatte. Das erste praktisch verwendbare Telephon aber konstruierte der Taubstummenlehrer Graham Bell, geb. 1847 in Boston, im Jahre 1876. Also kein einziger Physiker, sondern ausschließlich »Dilettanten«, von denen noch dazu kein einziger das 30. Lebensjahr erreicht hatte, waren die Erfinder dieses außerordentlichen Verkehrsmittels.[110]
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Die beiden Weltfirmen Siemens & Halske in Berlin und Karl Zeiß in Jena sind aus bescheidenen mechanischen Werkstätten hervorgegangen und verdanken ihre Blüte dem Eintritt von Männern, die außerhalb der Zunft standen. Dort des Artillerieoffiziers Werner Siemens (1816–1892), dessen Erfindungen und Verbesserungen, besonders auf dem Gebiet des Telegraphenwesens, außerordentlich zahlreich sind; hier des Universitätsdozenten Ernst Abbe. Karl Zeiß (1816–1888) selbst besaß keine Universitätsbildung, sondern hatte vor der Prima das Gymnasium verlassen, um dann in mechanischen und Maschinenwerkstätten zu lernen.[111]
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Der Erfinder des Zweirades, Karl von Drais (1784–1851), war von Beruf nicht etwa Mechaniker, sondern badischer Forstmeister. Er war auch der erste, der eine Schreibmaschine, und zwar auf stenographischer Grundlage, konstruierte.[112]
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Charles Darwin (1809–1892), über dessen Leistungen sich wohl jedes Wort erübrigt, war in der Schule des Dr. Buttler in Shrewsbury ein so schlechter Schüler, daß sein Vater ihn mit 16 Jahren herausnahm und Medizin studieren ließ. Da er auch da nichts leistete, widmete er sich nach zwei Jahren in Cambridge der Theologie, in der er nach drei Jahren das Baccalaureusexamen bestand. Nebenher interessierte er sich für Mineralien, Pflanzen, Muscheln, Insekten, aber auch für Münzen und Siegel, die er sammelte. Auch Geologie, Botanik und besonders Zoologie zog er in den Bereich seines Interesses, ohne aber den Vorsatz, Geistlicher zu werden, um dieser Liebhabereien willen, zu denen noch leidenschaftliche Liebe zur Jagd kam, aufzugeben. Nach seinem eigenen Geständnis »würde er sich damals für verrückt gehalten haben, wenn er in den ersten Tagen nach Eröffnung der Rebhuhnjagd zugunsten von Geologie oder einer anderen Wissenschaft auf die Jagd hätte verzichten wollen«. Als für die fünfjährige Weltumseglung des englischen Kriegsschiffes »Beagle« ein Naturforscher gesucht wurde, empfahl Professor Henslow Darwin. Da aber dessen Vater kein rechtes Vertrauen zur Ernsthaftigkeit des Jünglings hatte, schrieb er ab, und nur dem Zufall ist es zu danken, daß aus der Reise doch etwas wurde. Tatsächlich trat er sie (1831) an, ohne in irgendeiner der vier Wissenschaften, auf welche er während der Reise hauptsächlich sein Augenmerk zu richten hatte: Zoologie, Botanik, Geologie und Paläontologie, ein abgerundetes Schulwissen zu besitzen. Dafür besaß er allerdings den freien, durch keine Lehrmeinungen beeinträchtigten Blick für die Erscheinungen der Umgebung, ein Gewinn, der fürstlichen Lohn trug. So hat der in der ersten Hälfte der Zwanziger stehende Forscher, der schon vor der Reise die Flimmerlarven der Moostierchen und das Keimen der Pollenschläuche entdeckt hatte, auf ihr die Theorie der Entstehung der Korallenriffe, ja, seine Deszendenztheorie aufgestellt. Der große Forscher und edle Mensch hat niemals ein öffentliches Lehramt bekleidet.[113]
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Darwin mag uns daran erinnern, daß außer den bereits oben genannten noch eine Reihe von schlechten Schülern mit ihren Erfolgen im späteren Leben ganz zufrieden sein konnten. Bekanntlich war J. J. Rousseau ein solcher Ausreißer, der nach einer jämmerlichen Schulbildung seinem Meister, einem Kupferstecher in Genf, 16jährig durchging, später Bedienter wurde, sich auch eine Zeitlang einem Hochstapler anschloß und sich als schon berühmter Mann vom Notenabschreiben nährte.
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