Liebig erzählt von sich selbst, daß er als Schüler keine Erfolge hatte. Bürger wurde als zwölfjähriges Bürschchen von der Stadtschule zu Aschersleben geschwenkt, der große Dichter Shelley erlebte auf der Schule zu Eton ein gleiches Schicksal und nochmals auf der Universität zu Oxford. Auch Edgar Poe wurde relegiert. Schiller ging bekanntlich von der Karlsschule durch, der Turnvater Jahn aber entfloh dem Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin.
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Van Erpecum, ein Schüler an der Höheren Schule in Batavia, machte die Beobachtung – es dürfte 1902 gewesen sein –, daß in einem bis zum Rande mit Wasser und darin herumschwimmenden Eisstückchen gefülltem Gefäß das Wasser nicht überfloß, als das Eis schmolz. Daraus folgerte er das »Gesetz der permanenten Oberfläche«, das er mit Hilfe seines Lehrers in den Sitzungsberichten der Kgl. Niederländischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte.[114]
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Wie die genialsten Gedanken und Beobachtungen in den Naturwissenschaften und der Technik von Dilettanten bzw. Outsiders stammen, also von Männern, die nicht der gelehrten Zunft angehörten und häufig das Gebiet nur im Nebenfach bestellten, sahen wir eben. Ja, wir trafen auch in späteren Jahrhunderten eine Reihe von Männern, die auf vielen Gebieten geniale Bahnbrecher wurden, wie das in der Renaissance so häufig war. Ebenso verhält es sich auch in den Geisteswissenschaften. Auch hier ist der Beweis nicht schwer zu erbringen.
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William Jones (1746–1794) war es, der sich zuerst eine eindringende Kenntnis des Sanskrit erwarb und in wesentlich richtigen und geschmackvollen Übersetzungen erprobte. Er führte Cakuntala so gut wie die Gesetze des Manu und Teile der Rigveda in die europäische Literatur ein. Natürlich war er nicht Philologe oder Orientalist von Fach, sondern Oberrichter in Fort William in Bengalen.[115]
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Der erste, der Sanskrit und seine Literatur in wahrhaft philologischem Sinne behandelte – schreibt Benfey – und dadurch einen sicheren Grund für eine Sanskritphilologie legte, war Henry Thomas Colebrooke (1765–1837). Auch er war Jurist, nämlich Richter in Mirzapoor in Indien, dann politischer Resident am Hofe von Berar.[116]
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