»Mit der Hand.« Nur, damit Hochwürden zufrieden war.
»Sag, hast du auch mit einem Hund dich abgegeben?« usw. usw.
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Man kann sehr freie Ansichten haben und wird doch voller Empörung sich von dieser systematischen Jugendverderbnis abwenden. Gesellt sich dazu aber die Scheinheiligkeit und Prüderie der schwarzen Rotte, dann kann der ehrliche Mann nur bedauern, sich voll Ekel abwenden zu müssen, statt mit einem kräftigen Fußtritt die ganze Gesellschaft an die Luft zu setzen.
Aber was nützt die Keuschheit in Worten, wenn die in Werken fehlt! Wenn es auch sehr zu beklagen ist, daß in dieser Hinsicht nicht so viel geschieht, wie zur Reinhaltung der Literatur, so ist doch schon der Anfang zu begrüßen. Die Keuschheitsgürtel werden nämlich wieder modern! Das beweist nachstehende Geschichte. Heil allen Tugendhaften! Halleluja!
Der Apotheker Parat wurde im Februar 1910 in Paris zum Gegenstand des Interesses der ganzen Welt, weil sich herausstellte, daß er aus Eifersucht seine Frau in Ketten legte und durch Keuschheitsgürtel ihre Treue sich sicherte. Würde es sich hier um die wahnsinnige Handlung eines einzelnen handeln, dann könnten wir sie so wenig unter die Kultur-Kuriosa aufnehmen, wie die Prozesse in Madrid im Jahre 1892 und in Paris 1899 aus dem gleichen Grunde. In beiden wurden die Männer bestraft, weil ein gewaltsamer Zwang vorlag. Es handelt sich hier aber keineswegs um Unica, vielmehr sind noch heute Keuschheitsgürtel bei uns in Gebrauch. Es existiert sogar eine Industrie, die solche »Edozone« erzeugt. Dem Pariser Korrespondenten des Berliner Tageblattes fielen zwei solcher Geschäftsanzeigen in die Hände, aus den Jahren 1879 und 1885, die eine aus Paris, die andere aus einem Orte im Departement Aveyron. In ihnen werden Keuschheitsgürtel je nach der Ausführung im Preise von 120–380 Frs. angeboten. Die Verfasser der Prospekte waren zweifellos geschichtlich unterrichtete Persönlichkeiten. Der eine rechtfertigt sein Angebot wie folgt: »Man wird sagen, ein verrücktes Unternehmen: aber wer ist verrückter, der Mann, der die Zwangsjacke erfunden hat, oder der Wahnsinnige, dem sie angelegt werden muß?«
Dr. Cabanès, der bekannte Sammler von geschichtlichen Kuriositäten, erzählt, daß es in Paris Fabrikanten gibt, die diese merkwürdigen Instrumente auf Bestellung anfertigen und Ehemänner und Liebhaber, die sie für teures Geld kaufen und natürlich ihren Freundinnen anlegen. Das schönste Exemplar, das Cabanès gesehen hat, war ein Gürtel mit kostbarem Goldbeschlag und ziseliertem Schloß und wurde zum Preise von 500 Frs. von einer Demimondaine der Rue de Penthicore einem Sammler zum Kaufe angeboten.[157]
Siebenter Abschnitt
Frömmigkeit
Alle frühmittelalterlichen Heiligen zeichneten sich schon in früher Jugend durch hohe Begabung aus, so daß sie an Sitten und Erfahrung Greisen glichen. Juvenis senex, greisenhafter Jüngling, war, anders wie heute, höchstes Lob und daher stehende Redensart. Dieser Abgeklärtheit entsprach auch der Tatendrang, der dem hl. Bernward von Hildesheim wiederholt den Ehrentitel einer »mater ecclesiae«, dem Sankt Johann sogar den einer »virgo egregius«, einer ausgezeichneten Jungfrau einträgt. Auf einem Gebiet aber kannten Erfindungsreichtum und Energie der frommen Männer keine Grenzen: auf dem der Sonderbarkeiten. Quaeque extrema semper appetiit (Was es nun Sonderbares gab, erstrebte er immer), heißt es von Angilram[158], und das trifft den Nagel auf den Kopf. Es waren wirklich auch für ihre Zeitgenossen sonderbare Heilige, und doch ist die Art ihres Wirkens, da es in fast gleicher Weise stets wiederkehrt, so charakteristisch, ja sogar typisch, daß es wohl mit in erster Linie dazu führte, ihnen Heiligenqualitäten zu verleihen, lag ihm doch das tiefernste Bestreben zugrunde, durch Überwindung der Welt den Himmel zu erobern. Diese Eroberung, im strategischen Plane bei allen gleich, wird taktisch verschieden in Angriff genommen.