Bemerkenswert ist der Konservativismus der Kinderspiele. Das Altertum hatte nicht nur Puppen, es kannte auch Steckenpferde, auf denen die jungen Griechen und Römer ganz wie unsere Kinder ritten (Horaz Sat. II, 3. 248, Plutarch, Agesilaos 25 etc.). Ferner spielten sie mit Kreiseln, die wie heute durch Peitschenhiebe in Bewegung gesetzt wurden (Persius, Sat. III, 51). Auch Brummkreisel waren bekannt. Ferner schaukelte sich damals das junge Volk wie heute, spielte auch Blindekuh (Poll. IX, 123), König und Soldaten (Herodot I, 114), Plumpsack oder Der Fuchs geht ’rum (Poll. IX, 115), ferner mit Reifen und Ball. Auch das Anschlagspiel war bekannt (Poll. IX, 117), das Raten auf Grad oder Ungrad und ein Spiel, bei dem einer sich in Gegenwart mehrerer Mitspieler die Augen zuhalten mußte und sich schlagen ließ. Erriet er den Richtigen, dann kam der, der geschlagen hatte, an die Reihe, erriet er ihn nicht, dann mußte er sich solange von den Anwesenden schlagen lassen, bis er den richtigen Namen nannte. Alle diese Spiele haben natürlich im Griechischen und Lateinischen ihre eigenen Namen. Das letztgenannte heißt in gewissen Gegenden Schinkenklopfen.
Wie unsere Kinder törichterweise mit dem Schwarzen Mann, dem Daumenschneider und andern Schreckfiguren geängstigt werden, so die der Alten mit Gespenstern namens Mormo, Lamia, Gello usw. Bezeichnenderweise hieß es noch lange nach 212 v. Chr. bei unartigen Kindern: »Warte, Hannibal kommt!«
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Wer heute über die Baupolizei schimpft – und welcher Hausbesitzer täte das nicht mit dem größten Recht! – mag sich trösten. Auch in Athen gab es diese Behörde schon. Sie hatte dafür zu sorgen, daß altersschwache Bauten nicht einstürzten, daß Neubauten den erlassenen Vorschriften gemäß errichtet wurden usw. (Plato, Legg. VI, p. 763; Aristoteles Polit. VI, 5).
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Wettersäulen, wie wir sie da und dort an Plätzen finden, gab es auch schon vor mehr als 2000 Jahren. Schon der alte Astronom und Hydrauliker Meton stellte kurz vor dem Peloponnesischen Kriege in Athen eine astronomische Säule auf, an der eine von ihm erfundene Art Sonnenuhr angebracht war nebst Registern für Sonnen- und Sternen-Auf- und Niedergang. Diese Wettersäule, die auch die Windrichtung angab, und zwar durch Windfahnen ähnlich wie heute, stand ursprünglich auf der Pnyx, später am Kolonos Agoraios (Aelian, var. hist. X, 7; Diodor XII, 36 etc.).
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Im alten Konstantinopel gab es auch bereits öffentliche Bedürfnisanstalten. Der Häretiker Arius starb in einer solchen im Jahre 336. (Athanasius, de morte Arii c. 2 sq. Sokrates h. e. I. 38.)[10]
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