Das Altertum kannte auch den im Deutschen Lift genannten Personen- und Güter-Aufzug. Professor Boni, Direktor der Ausgrabungen am Forum Romanum, hat den Nachweis erbracht, daß man bereits im alten Rom zur Zeit Julius Cäsars den Aufzug benutzte. Man fand am Forum eine Reihe von Nischen, die zweifellos dazu dienten, richtige Lifts unterzubringen, in denen schwere Lasten, wie Gladiatoren und wilde Tiere, aus den unterirdischen Gängen zur Oberfläche befördert wurden. An einen großen unterirdischen Gang sind vier kleinere Quergänge angegliedert, ein jeder dieser Quergänge enthält drei Kammern für das Hebewerk und drei Schächte für die Lifts. In den zwölf Kammern – so wird in La Casa berichtet – sieht man heute noch die großen schweren Würfelblöcke aus Tuffstein, die zum Hebewerk gehörten, und aus der Abnutzung kann man genau erkennen, wie hoch die Lifts liefen und wie stark sie benutzt wurden. Da jeder Aufzug imstande war, fünf bis sechs Menschen zu heben, so konnten gleichzeitig mehr als sechzig Menschen zur Oberfläche des Forums gehoben werden. Übrigens ging der Gebrauch der Aufzüge, wie es scheint, bereits in der Kaiserzeit wieder verloren. Mehr als anderthalb Jahrtausende mußten vergehen, bis der erste Aufzug – und zwar in Jena – wieder eingerichtet wurde. Aber erst seit wenigen Dezennien hat er allgemeine Verbreitung gefunden.
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Zünfte sind ja gewiß nicht mehr modern, aber daß sie ins alte Rom zurückreichen, hat doch erst Mommsen in seiner Schrift »De collegiis et sodaliciis Romanorum« nachgewiesen.
Wer aber hält nicht die Mitteilung, das Altertum habe geraucht, für einen schlechten Witz? Und doch unterliegt es nicht dem allergeringsten Zweifel. Bereits in vorgeschichtlichen Gallo-römischen Gräbern, in Neufville-le-Pollet und in Seine-inférieure in Frankreich, ferner in Schottland, Irland und anderwärts fand man Pfeifenköpfe aus gebranntem Ton, Eisen und Bronce. Ferner in Massen am Hadrianswall, in holländischen Grabhügeln, römische aber noch in der Schweiz, im Berner Jura und natürlich in Rom selbst. Plinius berichtet uns darüber von den Barbaren. Daß die Skythen Hanf rauchten, steht fest, während wir das Material, das sonst verwandt wurde, nicht kennen.[11]
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Daß die Römer in den »tironischen Noten« eine Art Stenographie hatten, ist hinlänglich bekannt. Cicero benutzte diese Kurzschrift nicht nur zur Aufzeichnung seiner Reden, sondern auch für seine Korrespondenz. Aber die Erfindung reicht weit höher in die Vergangenheit hinauf. Ennius kannte bereits 1100 Zeichen, Seneca aber vermehrte den überkommenen Schatz auf etwa 5000 Zeichen und Siegel, so ein ungeheures Material liefernd, das sich zum Teil das Mittelalter hindurch erhielt. Wie nun Louis Prosper und Eugène Guénin in einem »Geschichte der Stenographie im Altertum und im Mittelalter« genannten Werke (Paris 1909) feststellen konnten, ist die Stenographie sogar vorrömischer Herkunft. Sie weist eine so große Ähnlichkeit mit der altägyptischen Kursivschrift, dem sogenannten Demotischen, auf, daß sie unzweifelhaft von diesen vereinfachten Hieroglyphen herstammt. Das Prinzip ist auch das gleiche: ein beschränktes Alphabet, verbunden mit einer Silbenschrift, die durch Ideogramme ergänzt wird. Das Demotische kam auf dem Umweg über Griechenland nach Rom, um dort zur Stenographie zu werden.
Daß die Stenographie erst 1786 von Samuel Taylor wieder erfunden, von Gabelsberger 1817 vervollkommnet, dürfte allgemein bekannt sein. Jedenfalls genügten auch schon die alten Stenographen den an sie gestellten Anforderungen, denn Martial singt (XIV, 208):
»Mögen die Worte auch eilen, die Hand ist schneller als jene Ehe die Zunge ihr Werk, hat es die Rechte vollbracht.«
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Mancher wird geneigt sein, wenigstens Börsenkrachs für eine neuere Erscheinung zu halten. Das ist aber durchaus nicht richtig. Schon das ptolemäische Ägypten hat einen regelrechten Kupferkrach aufzuweisen. Während das Verhältnis des Silberwertes zu dem des Goldes von 1: 15½ vor vier Jahrtausenden und länger schon annähernd bestand und erst bei der großen Silberentwertung der letzten Jahrzehnte wesentlich gestört wurde, ist das beim Kupfer ganz anders. Im Anfang der Ptolemäerzeit war das Wertverhältnis von Silber und Kupfer wie 120: 1. Wenige Jahrzehnte später war der Wert des Kupfers auf ein Drittel bzw. ein Viertel des früheren gesunken, nachdem schon vorher sich im Großverkehr ein Agio für Silber gezeigt hatte.[12]