Die Naturalwirtschaft hat in Deutschland erst zur Zeit der Kreuzzüge der Geldwirtschaft weichen müssen, daß sie völlig verschwand, ist aber erst wenige Jahrhunderte her. Da kann uns nun mit Bewunderung vor der uralten Kultur des Zweistromlandes die Tatsache erfüllen, daß bereits die dem vierten vorchristlichen Jahrtausend angehörigen altbabylonischen Texte der Nippur-Sammlung im K. O. Museum in Konstantinopel den Beweis liefern, daß man längst zur Geldwirtschaft übergegangen war. Allerdings war das Geld sehr teuer. Man zahlte gewöhnlich 33⅓% Zins.[13]
Eine Klage, die man zu Beginn unseres Jahrhunderts, als unsere jungen Männer mit Weltschmerz und runden Rücken herumliefen und Dekadenz tot-chik war, häufig hören konnte, findet sich schon beim Kirchenvater Cyprian. Nachdem er darüber gejammert hat, daß die Welt immer schlechter wird, fährt er fort: »Grauköpfe sehen wir unter den Knaben; die Haare fallen aus, bevor sie wachsen und das Leben hört nicht auf mit dem Greisenalter, sondern fängt mit ihm an.« (An Demetrianus c. 4.)[14]
Zweiter Abschnitt
Wissenschaft
Die Wissenschaft ist bekanntlich um ihrer selbst willen da. Das rechtfertigt es, wenn Dinge, deren Wert der Laie mit dem besten Willen nicht verstehen kann, mit heiligem Eifer untersucht werden. Es macht es geradezu zur Pflicht. Nicht nur heute, sondern seit je. Dem Gelehrten aber, der sich am meisten plagt, als wolle er ein Thema zu einer Dissertation oder Habilitationsschrift aufstöbern, dem gebührt die Palme der Unsterblichkeit, die wir ihm hiermit überreichen. Daneben mögen in diesem Kapitel einige Meinungen Platz finden, die wir nicht für klug oder richtig halten.
Doch beginnen wir mit einer Ehrenrettung!
Wer wird es wagen, der Kirche noch fernerhin den Vorwurf zu machen, sie sei eine Feindin der Wissenschaft, wenn man tief gerührt liest, was für köstliche Blüten ihrem Schoße entsproßten?
Was will das Forschen unserer Physiker und Chemiker bedeuten gegenüber Fragen, wie sie der große Scholastiker Petrus Lombardus († 1164) aufwirft? Ob ein Vorhersehen und Vorherbestimmen Gottes möglich gewesen wäre, wenn es keine Geschöpfe gegeben hätte? So lautet eine dieser Fragen, aus seinen vier Libri sententiarum, dem Hauptlehrbuch, nach dem die Theologie in den gelehrten Schulen vorgetragen wurde.
Zweifellos ist das Interesse daran brennend. Aber was bedeutet sie gegenüber der andern: Wo war Gott vor der Schöpfung?
Daß Seelenheil und kultureller Fortschritt unlöslich von der Beantwortung abhängig sind, fühlen wir, auch ohne daß es uns jemand sagte.