Zu den harmlosen, durch Staphylokokken verursachten Krankheiten gehört der sogenannte Furunkel, eine in Eiterung ausgehende Entzündung eines Haarbalgs, die meist unter geeigneter Behandlung, in leichtesten Fällen auch ohne solche, zur Heilung kommt, ohne dem Erkrankten Schlimmeres als kleine Unannehmlichkeiten bereitet zu haben. Ausgebreitete Furunkulose, die durch Infektion benachbarter Haarbälge entstehen kann, kann immerhin schon äußerst lästig werden. Wichtiger ist zu wissen, daß in seltenen Fällen von einem ursprünglich anscheinend harmlosen Furunkel ein Einbruch der pathogenen Keime in kleine Blutgefäße erfolgen und eine Allgemeininfektion hervorrufen kann, die der Laie gewöhnlich als Blutvergiftung bezeichnet. Bekanntlich ist dies ein das Leben in höchstem Maße bedrohender Zustand. Es sollte deshalb jeder wissen, daß Furunkel unter allen Umständen ärztlicher Behandlung bedürfen, ganz besonders bei älteren Leuten. Besonders große und gefährliche Furunkel, die sich vorwiegend gerade bei älteren Individuen, manchmal aber auch bei jüngeren, entwickeln, bezeichnet man oft als Karbunkel.
Die Staphylokokken können in seltenen Fällen die Ursache schwerer, ja tödlicher Wochenbettinfektionen werden, sehr häufig verursachen sie dann nach dem Eindringen in die Blutbahn Herzklappenerkrankungen. Gerade auf den ergriffenen Herzklappen finden sich in diesen Fällen dann ganz kolossale Mengen der gefährlichen Mikroben, und es kommt gewöhnlich von dort aus zu einer Einschwemmung der Kokken mit dem Blutstrom in die verschiedensten Organe; überall, wo sie hingelangen, werden sie die Ursache von Eiterungen und damit von mehr oder weniger schweren Störungen der Organfunktion.
Abb. 26.
Staphylokokken; Ausstrichpräparat von einer Reinkultur auf Nähragar; weintraubenförmige Anordnung der Kokken.
Staphylokokken sind auch die Ursache einer sehr gefürchteten Krankheit des jugendlichen Alters, nämlich der akuten Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung), die glücklicherweise nur selten auftritt und auch nicht immer den schlimmsten Ausgang nimmt.
Charakteristisch für den Staphylokokkus ist nicht sowohl seine Gestalt – es handelt sich um ein sehr kleines, unbewegliches Kugelbakterium – als vielmehr die Anordnung der Individuen, die sowohl im erkrankten Körper als auch in Kulturen zu kleinen und größeren Häufchen vereinigt sind, die oft in ganz ausgesprochener Weise weintraubenartige Verbände bilden. Die Kulturen sind durch Bildung von schönen Farbstoffen ausgezeichnet, die bei verschiedenen Unterarten verschieden sind; die wichtigsten Unterarten sind nach dieser Farbstoffbildung als »weiße« und »goldgelbe« Staphylokokken bezeichnet.
Abb. 27.
16 Stunden alte Kolonien von Staphylokokken auf der Nähragarplatte; a natürliche Größe, b etwa 15fach vergrößert. Oberflächliche Kolonien groß, kreisrund, tiefe Kolonien klein, wetzsteinförmig.
Ein Heilserum gegen Staphylokokkeninfektion besitzen wir noch nicht; in neuerer Zeit hat man sich – besonders in England – vielfach bemüht, gerade gegen diesen Mikroorganismus eine »spezifische Therapie« anzuwenden, die nach dem Prinzip der aktiven Immunisation in der Einverleibung kleinster Mengen abgetöteter Reinkulturen (von den englischen Ärzten als »Vaccines« bezeichnet) besteht.