Abb. 28.
Streptokokken; Ausstrichpräparat von einer Reinkultur in Nährboullion.

Gegen die Infektion mit Staphylokokken läßt sich ein allgemeines Schutzmittel nicht angeben. Es versteht sich von selbst, daß derjenige, der an einem Furunkel leidet, die Übertragung der mit dem eitrigen Sekret ausgeschiedenen Staphylokokken auf die Nachbarschaft durch größte Reinlichkeit, unter Umständen durch Schutzverbände vermeiden muß. Im übrigen bedarf jede nicht völlig harmlose Staphylokokkeninfektion der Behandlung durch den erfahrenen Arzt, der allein über die Größe der Gefahr und über die Mittel zu ihrer Bekämpfung urteilen kann. Von der größten Bedeutung für die Eindämmung der Staphylokokkenerkrankungen des Menschen ist die Tatsache, daß Operationswunden heutzutage, dank den Methoden der modernen Chirurgie, vor dem Eindringen der Keime geschützt bleiben.

Streptokokken.

Größere Schädlinge noch als die Staphylokokken sind die Streptokokken oder Kettenkokken, so genannt wegen ihrer großen Neigung, in künstlichen Kulturen und im Gewebe des Körpers sich zu kettenförmigen Verbänden anzuordnen (vgl. [Abb. 28] u. [29]).

In erster Linie ist der Streptokokkus ein Wundinfektionserreger, und zwar der schlimmsten einer, sei es, daß er in kleine Verletzungen der Haut, sei es, daß er in die Wunde der Gebärmutter, sei es, daß er in die Operationswunde, die der Chirurg gesetzt hat, eindringt.

Abb. 29.
Streptokokken im Eiter; Kokkenketten im Körper von weißen Blutzellen eingeschlossen.

Sind Streptokokken in eine kleine oberflächliche Hautwunde gelangt, so tritt eine Entzündung der Wunde ein, die Keime wandern häufig mit dem Lymphestrom in den Lymphbahnen weiter und gelangen in die zugehörigen Lymphdrüsen (z. B. die Axeldrüsen bei Entzündungen an der Hand), die nun ebenfalls entzündet werden, anschwellen, druckempfindlich werden, in schweren Fällen auch vereitern können. Besonders ernst wird der Krankheitszustand, wenn die Kokken in die Blutbahn einbrechen, wozu gerade die Streptokokken große Neigung haben. Es entsteht dann das schwere Symptomenbild der »Blutvergiftung«, die mit hohem Fieber unter sehr verschiedenen Erscheinungen verläuft und nicht selten zum Tode führt.

Dies ist der glücklicherweise seltenste Ausgang der Streptokokkeninfektion einer kleinen Hautwunde. In den meisten Fällen bleibt es bei lokalen Entzündungsprozessen in der Nähe der Wunde oder wenigstens bei einer mehr oder weniger ausgedehnten Erkrankung der zugehörigen Lymphbahnen. Eine solche Entzündung von Lymphbahnen, und zwar speziell von ganz oberflächlich gelegenen Lymphbahnen, ist die sogenannte »Wundrose« (der »Rotlauf«, mit dem griechischen Namen als »Erysipel« bezeichnet), die zunächst nur die nächste Umgebung einer kleinen infizierten Wunde befällt: bei Erysipel findet man massenhafte Streptokokken in den entzündeten oberflächlichen Lymphgefäßen. In der Mehrzahl der Fälle läuft unter geeigneter Behandlung die »Rose« gut ab; nur selten schreitet sie dieser zum Trotz immer weiter fort und kann dann freilich auch das Leben bedrohen.

Ein ganz anderes Bild entsteht, wenn die Streptokokkeninfektion die tieferen Weichteile befällt und zu einer sogenannten »Phlegmone« oder Zellgewebsentzündung führt. In diesen Fällen sind massenhafte Keime in die tiefen Lymphwege und Gewebe eingedrungen, es kommt zu ausgedehnter eiteriger Infiltration und meist auch zu ausgedehntem Gewebszerfall (»Abszedierung«). Betrifft die Zerstörung funktionell wichtige Gewebsteile – z. B. wichtige Muskeln – so kann hier auch nach der Abheilung des akuten Prozesses unter Bildung einer Narbe eine dauernde Schädigung zurückbleiben.