Abb. 30.
Gonokokken im Eiter bei akuter Gonorrhoe. Semmelförmige Doppelkokken im Körper von Eiterzellen (weißen Blutzellen).
Unbedingte Pflicht eines jeden, der einmal gonorrhoisch infiziert war, ist, daß er eine Ehe unter allen Umständen erst dann eingeht, wenn ärztlicherseits seine Heilung festgestellt und ihm daraufhin die Erlaubnis zum Heiraten gegeben worden ist.
3. Meningokokken und epidemische Genickstarre.
»Genickstarre« ist der volkstümliche Ausdruck für ein Krankheitsbild, dem eine entzündliche Erkrankung der Hirnhäute zugrunde liegt. Das namentlich für den Laien auffälligste Symptom einer solchen Erkrankung ist die Nackensteifigkeit, die sich schon gleich bei Beginn der Erkrankung zeigt und später bis zur Starre zu steigern pflegt. Hirnhautentzündungen können nun auf sehr verschiedene Weise zustande kommen und auch durch verschiedene bakterielle Krankheitserreger bedingt sein. Zum Beispiel kommt es nicht selten im Anschluß an Mittelohreiterungen zu einem Übergreifen der eitrigen Entzündung auf das Schädelinnere und die Hirnhäute, andererseits können eitrige Prozesse, die im Gehirn entstanden sind, auf die Hirnhäute übergreifen, endlich können bei penetrierenden Schädelwunden die Hirnhäute infiziert werden. Bei allen diesen entzündlichen Prozessen können die verschiedensten Bakterien als Entzündungs- und Eitererreger wirksam sein; in erster Linie kommen die Wundinfektionserreger, die Streptokokken und Staphylokokken in Betracht (s. u.).
Im engeren Sinne pflegt man als Genickstarre oder epidemische Genickstarre nur Krankheitsfälle zu bezeichnen, die durch einen besonderen, wohl charakterisierten Krankheitserreger verursacht werden, den sogenannten Meningokokkus, der zu den Hirnhäuten vom Nasenrachenraum aus auf dem Wege der Lymphbahn vordringt. Der Meningokokkus, der von Weichselbaum entdeckt wurde, ist ein dem Gonokokkus (s. o.) ziemlich ähnlicher Diplokokkus, der sich in dem eitrigen Exsudat in den Maschen der Hirnhäute, meist vorwiegend im Innern von Leukocyten vorfindet, von denen er aufgenommen wird (s. über Phagocytose oben im Kap. II).
Die Genickstarre tritt besonders oft epidemieartig, ja ausgesprochen epidemisch auf und befällt besonders jugendliche Individuen, Schulkinder, Soldaten. Die verschiedenen Epidemien sind in verschiedenem Grade bösartig und mit Recht sehr gefürchtet.
Die Übertragung der Keime vom Kranken auf den Gesunden erfolgt nach dem heutigen Stande unserer Kenntnisse wohl wesentlich durch den meningokokkenhaltigen Speichel. Zu ihrer Vermeidung sind also alle die Maßnahmen notwendig, die eine Verbreitung des ansteckenden Speichels hintanhalten, vor allem möglichste Isolierung aller Erkrankten und Desinfektion ihres Auswurfs und ihrer Wäsche.
In den letzten Jahren hat man günstige Erfolge bei der Behandlung der Genickstarre mit einem Heilserum (Meningokokkenserum) erzielt.