[10] Eine Landgrenze vollständig zu sperren gilt als nahezu unmöglich – selbst bei der Anwendung der strengsten Maßnahmen. – Der Ausbau der Eisenbahnen, die Europa mit dem Orient verbinden, wird unsere Seuchen-Prophylaxe daher erschweren.
[11] Merkwürdigerweise hat sich zusammen mit dem Ausdruck: »die Luft verpesten« auch in weiten Kreisen ein Irrtum erhalten, der den unklaren und falschen mittelalterlichen Vorstellungen vom Wesen und der Entstehung von Seuchen entspricht und selbst in den Kreisen der Journalisten bedauerlicherweise noch lebendig ist: Als am Ende des Jahres 1908 die furchtbare Erdbebenkatastrophe Messina vernichtet hatte, brachten die Tageszeitungen wiederholt die Meldung, man befürchte, die verwesenden Leichen könnten zur Entstehung von Seuchen Anlaß geben. Ja, ein sehr verbreitetes Blatt ließ sich sogar telegraphieren, man beabsichtige, durch ein Bombardement der Trümmerstätte dem Ausbruch der Pest vorzubeugen. Dies Bombardement ist mit Recht unterblieben, denn die italienischen Behörden wußten über Seuchenentstehung besser Bescheid als jener Korrespondent. Sie wußten, daß eine Pestepidemie durchaus nur im Anschluß an Pestfälle – bei Menschen oder Tieren – entstehen kann. Da nun vor dem Erdbeben sicher kein Pestfall in Messina vorhanden war, konnte sich auch aus den Leichen kein solcher »entwickeln«, denn die Pesterreger entwickeln sich ebensowenig durch »Urzeugung« wie andere Bakterien. (Vgl. die Einleitung zu diesem Bändchen.)
[12] In Band 47 dieser Sammlung findet sich eine Behandlung der Tuberkulose von Schumburg. Ich beschränke mich deshalb hier auf eine ganz kurze Besprechung der wichtigsten Punkte.
[13] Für die hier und da verteidigte Ansicht, daß auch die »Krebskrankheit« durch eine belebte Krankheitsursache, ein pathogenes Kleinlebewesen, hervorgerufen werde, fehlt bisher jeder Beweis. Alle bisher entdeckten »Krebserreger« haben der Kritik nicht standhalten können.
Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin.
Einführung in die Physiologie der Einzelligen (Protozoen).
Von Dr. S. v. Prowazek. Zoolog. Assistent am Seemanns-Krankenhaus und Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg. Mit 51 Abbild. [IV u. 172 S.] gr. 8. 1910. In Leinw. geb. M 6.–.
In dem Buch wird der Versuch gemacht, die wichtigsten, in vielen heterogenen Zeitschriften medizinischen und biologischen Inhalts zerstreuten Tatsachen, die sich auf die Physiologie der Protozoen, die jetzt gerade im Vordergrunde des medizinischen und biologischen Interesses stehen, beziehen, in übersichtlicher Weise zu sammeln und unter einheitlichen Gesichtspunkten darzustellen. Leider wurde bis jetzt die Physiologie der Einzelligen mit wenigen Ausnahmen selten von einheitlichen Gesichtspunkten bearbeitet, und so mußte sich die Darstellung manches Kapitels nur mit Anregungen für eine weitere Bearbeitung in diesem Sinne begnügen. Es ist aber in diesem Buche gleichzeitig der Versuch gemacht worden, die neuesten Ergebnisse der Morphologie der Protozoen mit der Physiologie in Einklang zu bringen und die letzten Gestaltprinzipien der Einzelligen – ihre Morphe – unter den Gesichtswinkel einer physiologischen Betrachtungsart zu stellen. In diesem Sinne stellt manches Kapitel dieser Schrift ein Programm für eine physiologische Promorphologie der Einzelligen, die nicht die einfachst organisierten Zellen, sondern die höchst differenzierten einzelligen Organismen sind. Natürlicherweise mußten wiederholt die Probleme des neueren Vitalismus gestreift werden – doch ist diese Stellungnahme mehr subjektiver Natur, und es soll in diesem Sinne überhaupt nicht das letzte Wort gesprochen werden. In erster Linie soll aber das Buch nur eine Einführung in eine Protistenphysiologie sein, ein Nachschlagebuch, das für den Mediziner und den Biologen die wichtigsten Tatsachen aus dem Gebiete der Protistenphysiologie in kurzer Form mit den entsprechenden Literaturnachweisen bringt. Die Hauptkapitel sind aber derart abgefaßt worden, daß der der Protozoenbiologie Fernerstehende sich über die wichtigsten Probleme der Kern- und Protoplasmaphysiologie, über Befruchtung, Vermehrung, Ernährung und die verschiedenen Tropismen der Protozoen orientieren kann.
Planktonkunde.