Solche Zustände mußten sich auch in der Literatur deutlich widerspiegeln, in den überhand nehmenden Rezeptsammlungen, die, bar jeder wissenschaftlichen Kritik, nur der Mode huldigten, der Routine dienten, aber durch den Schein der praktischen Nützlichkeit zum mindesten bei der denkfaulen Menge Ansehen erwarben; manche dieser Opera strebten sogar nach Dichterruhm, indem sie den banalen Inhalt, im Sinne eines bizarren Zeitgeschmacks, in metrische Formen brachten[14]. Eine Minderzahl von Aerzten unterzog sich allerdings der Mühe, die Arzneimittel naturwissenschaftlich zu untersuchen, die einfachen Stoffe auf ihren wahren Wert zu prüfen, in das Chaos einer regellosen Terminologie Ordnung zu bringen, für die Bereitungsweise und Dosierung feste Normen aufzustellen, also tatsächlich die Heilmittellehre zu verbessern; die meisten Autoren dagegen vermehrten, von Gewinnsucht oder falschem Ehrgeiz angestachelt, nur die Zahl der Komposita, der Antidota, der seltsamen Panaceen, die sie mit poetischen Namen ausstatteten; sie verdienen kaum mit Recht Pharmakologen genannt zu werden, doch wurden ihre Rezepte durch den Strom der Literatur über Jahrhunderte hinausgetragen und zum großen Teil in das Arsenal der Medizin für die Dauer einverleibt, wie z. B. das schmerzstillende Antidot des Philon von Tarsos, das Opium enthaltende „Philonium“ oder der „Theriak“ des neronischen Leibarztes Andromachos, ein aus mehr als 60 Stoffen zusammengesetztes Universalgegengift, welches in mannigfachen Modifikationen bis an die Schwelle der Neuzeit seinen Platz behauptete.

Abgesehen von der im Auftrage des Pompejus vorgenommenen Uebersetzung der „Gedenkblätter“ des Mithradates durch Lenaeus und den Schriften der römischen Dilettanten: Publius Nigidius Figulus (Operum reliquiae ed. Swoboda, Wien 1889), Aemilius Macer (Gedichte über Gifte und Heilkräuter, Theriaka nach dem Muster des Nikandros), C. Valgius Rufus (eine unvollendete Heilmittellehre, welche mit einer Vorrede an Augustus begann, worin derselbe um seinen Schutz gegen alle Leiden der Menschheit angegangen wurde) wären aus der pharmakologischen Literatur namentlich folgende Autoren hervorzuheben: Antonius Musa, der Leibarzt des Augustus. Von ihm finden sich Rezepte bei Späteren; (hingegen rühren die beiden unter seinem Namen laufenden Schriften De herba betonica und De bona valetudine — zusammen herausgegeben von Florian Caldani, Bassano 1800 — nicht von ihm her), Maenius Rufus (zur Zeit des Celsus, komponierte ein beliebtes Purgans), Philon von Tarsos (bei Celsus ist sein Kollyrium erwähnt), die beiden Römer Julius (oder Tullius) Bassus und Sextius Niger (dessen vorzügliches Werk über Materia medica, περὶ ὓλης, von Plinius hauptsächlich benützt wurde), Petronios Diodotos, Nikeratos (seine Schriften handelten unter anderem auch über die im Wasser lebenden, als Heilmittel dienenden Geschöpfe), Tiberius Claudius Quirina Menekrates aus Zeophleta (verfaßte neben sehr vielen anderen Schriften ein dem Claudius gewidmetes Buch über Heilmittel, worin die Gewichtsbestimmungen in Worten angegeben waren, um Verwechslungen vorzubeugen — betitelt αὐτοκράτωρ ὁλογράμματος ἀξιολόγων φαρμάκων); sein Emplastrum diachylon, Bleiglättenpflaster mit Kräuterauszügen, hat sich, wenigstens dem Namen nach, bis heute erhalten; Xenokrates von Aphrodisias (schrieb über die Materia medica und über animalische Nahrung περὶ τῆς ἀπὸ τῶν ζώων τροφῆς, wovon der Abschnitt über eßbare Wassertiere [π. τ. ἀπὸ ὲνύδρων τροφῆς] noch vorhanden, vergl. Ideler, Physici et medici graeci minores, Lips. 1841, I, 121 ff.); neben manchen rationellen Rezepten hat er ganz besonders dazu beigetragen, den Glauben an die Wahrsagekunst, an Geheimmittel und an die wunderbare Heilkraft tierischer Stoffe zu verbreiten; so kamen in seinem Arzneischatz vor: Teile des Nilpferdes und Elefanten, Fledermausblut, ferner Teile des menschlichen Körpers, wie Fleisch, Gehirn, Leber, Knochen, Blut, Schweiß, Ohrenschmalz, Sperma, Harn und Fäces (zum Einreiben von Mund und Hals), Heras aus Kappadokien (schrieb ein Werk über Heilmittel νάρθηξ = Arzneikasten). Andromachos der Aeltere aus Kreta, berühmt durch seine Modifikation des Mithridations (Zusatz von Vipernfleisch), den Theriak, θηριακὴ δἰ ὲχιδνῶν ἡ καλουμένη γαλήνη = Windstille, in 174 elegischen Distichen beschrieben (Bussemaker, Poetarum de re physica et medica reliquiae, Paris 1851). Der Theriak genoß im späteren Altertum und Mittelalter nicht nur als Antidot im engeren Sinne, sondern auch als Mittel gegen Infektionskrankheiten das höchste Ansehen. Noch im 18. Jahrhundert wurde er unter allerhand Zeremonien bereitet. Sein Sohn Andromachos der Jüngere (von dem noch viele Rezepte überliefert sind, veröffentlichte Schriften über Heilmittel gegen innere, äußere und Augenkrankheiten); der Zeitgenosse des älteren Andromachos, Servilius Damokrates, ein zu seiner Zeit hoch berühmter, aber für komplizierte Rezepte allzu sehr eingenommener Arzt, von dessen, in Versen abgefaßten pharmakologischen Werken Fragmente auf uns gekommen sind (Damocratis Servilii carmina medicinalia ed. Harless, Bonn 1833). Asklepiades Pharmakion (wandte menschliche und tierische Exkremente mit Vorliebe an), Aglaias aus Byzantion (Mittel gegen den grauen Star in 13 Distichen); der Arzt und Botaniker Pamphilos (Verfasser eines alphabetisch angeordneten Kräuterbuches mit Synonymenliste), verschieden von dem früher lebenden gleichnamigen Salbenhändler Pamphilos, der sich durch den Verkauf eines Mittels gegen Mentagra in Rom große Reichtümer erworben hatte. Ailios Promotos (hinterließ mehrere zum Teil handschriftlich erhaltene Werke über Heilmittel und Gifte).

Zu den besseren Produkten zählen die Compositiones medicamentorum des Scribonius Largus, ein ärztliches Taschenbuch, welches 271 Rezepte, nach den Körperteilen vom Kopf bis zu den Füßen angeordnet, enthält und um das Jahr 47 n. Chr. mit einer Widmung an den Kaiser Claudius veröffentlicht wurde. Nebst der eigenen Erfahrung benützte der Verfasser sorgfältig die Vorarbeiten und entnahm diesen manches Gute, doch scheute er sich auch nicht abenteuerliche, abergläubische Volksmittel in den Rahmen seiner fleißigen Zusammenstellung aufzunehmen. Von Interesse ist es, daß Scribonius Largus als erster die Gewinnung des Opiums richtig beschrieb und bei heftigem Kopfschmerz die Applikation des Zitterrochens (elektrische Schläge!) empfiehlt.

Scribonius Largus dankte seine sehr ausgebreitete Praxis vornehmlich dem Umstande, daß er auch die medikamentöse Behandlung, die er anknüpfend an Herophilos, gegen die orthodoxen Anhänger einer ausschließlich diätetischen Therapie verteidigte, mit hingebungsvollem Eifer pflegte. Durch den Einfluß eines mächtigen Gönners (des freigelassenen Julius Callistus) an den Hof gezogen, behandelte er auch Mitglieder der kaiserlichen Familie (z. B. Messalina) und begleitete den Claudius auf seinem Zuge nach Britannien. Diese Reise, sowie jede sonstige Gelegenheit benützte er, um seine Kenntnis der Arzneistoffe und seine Sammlung von Rezepten zu ergänzen; einzig auf dem Boden einer wenig kritischen Empirie stehend, raffte er nicht bloß aus der griechischen Literatur zahlreiche bewährt befundene Heilformeln zusammen, sondern erwarb noch außerdem von Aerzten, Dilettanten und Kurpfuschern manches berühmte Geheimmittel um schweres Geld, die uns überkommenen Compositiones (ed. G. Helmreich, Leipzig 1887, Teubner; deutsche Uebersetzung bis Kap. 79 mit Kommentar von Felix Rinne, Halle 1896, in Koberts Histor. Studien) enthalten daher neben rationellen Rezepten viele Volks- und Wundermittel (z. B. gegen Epilepsie, auch ein von einer römischen Dame gebrauchtes, gegen Kolik ein Mittel, das von einer afrikanischen Kurpfuscherin stammte, abergläubische tierische Heilmittel, sogar die Leber eines getöteten Gladiators!). Manchmal regt sich in ihm wohl die bessere Einsicht und ärztliche Kritik, aber nur selten; Erklärungen für die Wirkung der Arzneimittel finden sich nirgends und für den ausbleibenden Erfolg seiner erprobten Kompositionen hat er die Entschuldigung bei der Hand, daß die Verschiedenheit der Körperbeschaffenheit, des Alters, der Zeit oder des Ortes einen nicht vorher zu bestimmenden Einfluß äußern könne. Immerhin weht besonders durch die Vorrede des Werkchens ein sympathisch berührender Zug von Gewissenhaftigkeit, womit sich die beredte Klage über den geistigen und sittlichen Verfall der zeitgenössischen Kollegen verbindet. Schön sind namentlich die Worte, die er dem ärztlichen Beruf widmet: „Idcirco ne hostibus quidem malum medicamentum dabit, qui sacramento medicinae legitime est obligatus; sed persequetur eos, cum res postulaverit, ut miles et civis bonus omni modo, quia medicina non fortuna neque personis homines aestimat, verum aequaliter omnibus implorantibus auxilia sua succursuram se pollicetur nullique umquam nocituram profitetur.

Wissenschaftlicher Geist ist nur bei einem der zahlreichen Pharmakologen dieses Zeitalters zu erkennen, bei Pedanios Dioskurides, welcher von der ersten reiferen Jugendzeit an, dem Gegenstand unablässiges Interesse entgegenbrachte und nicht allein aus guten Vorarbeiten, sondern auch aus der eigenen Anschauung schöpfte. Dioskurides aus Anazarba in Kilikien diente zur Zeit Neros im römischen Heere als Arzt und benützte die beim Besuche der verschiedensten Gegenden erworbenen botanisch-pharmakologischen Kenntnisse für seine kurz vor 77 oder 78 n. Chr. in fünf Büchern verfaßte Arzneimittellehre (ὑλικά) — ein Werk, das durch Vollständigkeit, Kritik und Sorgfalt der Beschreibung unter allen übrigen einschlägigen Arbeiten unvergleichlich hervorragt und lange Zeit unübertroffen blieb. Dioskurides, frei vom Dilettantismus oder Dogmatismus der meisten Vorgänger, nur der exakten Tatsache vertrauend, erreichte in bewundernswerter Weise das vorgesteckte Ziel, durch genaue Schilderung der Arzneikörper aller drei Reiche, durch scharfe Fixierung der Terminologie, durch verläßliche Angaben über Zubereitung, Aufbewahrung, Echtheitsprüfung, Anwendung, Dosierung und Wirkung, die Heilmittellehre zu vereinfachen, die Polypharmazie in die richtigen Grenzen zu bannen. Der Nachdruck ist begreiflicherweise auf die vegetabilischen Heilkörper gelegt; in einem besonderen Kapitel wird jede einzelne Pflanze in toto beschrieben. Name, Synonyma, Standort gehen den pharmakologischen und pharmakodynamischen Angaben voran, und wie vortrefflich die Botanik von Dioskurides dargestellt ist, geht daraus hervor, daß trotz der großen Schwierigkeit die Mehrzahl der beschriebenen Pflanzen in neuerer Zeit identifiziert werden konnte. Hervorzuheben ist es auch, daß er alle in Arabien einheimischen Heilpflanzen kennt, und daß man in seinem Werke zuerst auf die chemische Zubereitung der (nur äußerlich angewendeten) metallischen Mittel stößt. Bei solchen Vorzügen — im ganzen hat er sich in Anbetracht des Zeitgeistes auch vom Aberglauben möglichst fern gehalten — ist es nicht zu verwundern, daß Dioskurides bis in die Neuzeit die Führerrolle einnahm und noch heute im Orient die Bedeutung eines Orakels besitzt.

Statt Dioskurides findet sich in der Literatur auch die Lesart Dioskorides, statt Pedanios auch Pedakios; als Beiname kommt Anazarbeus, aber auch Tarseus vor, letzterer weil Anazarba in der Nähe von Tarsos gelegen war. Dort, wo eine höhere Lehranstalt für Philosophie bestand, machte er wohl seine ersten Studien, die sodann wahrscheinlich in Alexandreia fortgesetzt wurden. Einer bestimmten Aerzteschule schloß sich D. nicht an, wie er denn in seiner Arzneimittellehre die Wirkung zwar von den vier Elementarqualitäten abhängig macht, aber ohne auf die Spitzfindigkeiten der Dogmatiker einzugehen und die Krankheiten nur in der Minderzahl mit bestimmten Namen bezeichnet. Dioskurides veröffentlichte sein Werk vor dem Erscheinen der Naturgeschichte des Plinius; zwischen beiden findet sich manche Uebereinstimmung, weil Plinius sich auf Sextius Niger stützte und dieser aus der, von Dioskurides als Hauptquelle herangezogenen, Schrift des Rhizotomen Krateuas schöpfte. Außer Krateuas ist auch der Herophileer Andreas als wichtigster Vorläufer zu betrachten, die ausgezeichnete Pflanzengeschichte des Theophrastos scheint der Anazarbeer dagegen sehr zum Nachteil des botanischen Teiles seiner Arzneimittellehre nicht gekannt zu haben. Die Reisen als Militärarzt hat Dioskurides nach eigener Versicherung zur Beobachtung lebender Pflanzen und anderer Heilmittel fleißig benützt, jedoch spricht er nur an einer Stelle von einer eigenen Beobachtung in den vestinischen Bergen (Abruzzen). Die Schrift περὶ ὕλης ῖατρικης hat folgenden Inhalt: Vorrede, worin er über die bisherige Bearbeitung des Gegenstands spricht, deren Fehler auseinandersetzt und seinen Plan skizziert; 1. Buch: von den Gewürzen, Oelen, Salben, Bäumen, sowie von den davon herstammenden Säften, Harzen und Früchten; 2. Buch: über die Tiere, Honig, Milch, Fett, von den Getreidearten, Gemüsen und scharfen Kräutern; 3. und 4. Buch: von den Wurzeln, Pflanzensäften, Kräutern und Samen; 5. Buch: vom Weinstock, den Weinen und Mineralien. — Im ganzen sind etwa 600 Pflanzen behandelt. Dioskurides ordnete den Stoff nicht, wie die Vorgänger, alphabetisch, sondern er stellte die Pflanzen nach den äußeren Merkmalen oder nach der Wirkungsart zusammen. Um die Identifizierung der Gewächse hat sich die Forschung schon im Altertum, dann namentlich seit der Renaissance bemüht, in neuerer Zeit ist die Bestimmung der von D. beschriebenen Pflanzen unter anderem von Tournefort, Sibthorp, Koch, K. Sprengel, C. Fraas unternommen worden. — Von reicher praktischer Erfahrung zeugen die Anweisungen zur Prüfung der Drogen (auf Echtheit und Güte), zur Bereitung der zusammengesetzten Mittel (Beschreibung des Verfahrens und der anzuwendenden Apparate), und sorgfältig werden die Gewichte und Mengen, besonders der stark wirkenden Arzneisubstanzen angegeben. Die Synonyma der Pflanzennamen, welche entweder von Völkern (z. B. den Aegyptern) oder von einzelnen Personen herstammen, sind wenigstens zum Teil eine spätere Hinzufügung. — Die beiden wertvollsten Handschriften des Dioskurides sind der Cod. Constantinopolitanus und Neapolitanus, sie befinden sich in der Wiener Hofbibliothek. Der erstere ist eine kostbar ausgestattete, für Julia Anicia, die Tochter des Kaisers Flavius Anicius Olybrius, angefertigte Pergamenthandschrift aus dem Ende des 5. Jahrhunderts, enthält die Beschreibung der Pflanzen in alphabetischer Reihenfolge (was Dioskurides selbst verpönt hatte!). Neben dem vielfach gekürzten und umgearbeiteten Text besitzt sie Pflanzenabbildungen, die dem illustrierten Krateuas entnommen sind. Von dem Werke des Dioskurides wurden bereits im frühen Mittelalter lateinische Uebersetzungen, bezw. Ueberarbeitungen veranstaltet; unter den Kommentaren (mit lateinischer Uebersetzung) ragt derjenige von Matthiolus, Venet. 1554, hervor; die letzte Ausgabe (griechisch-lateinisch) ist die von C. Sprengel (Leipzig 1829-30). Die deutsche Uebersetzung „Des Pedanios Dioskurides Arzneimittellehre“ von J. Berendes (Stuttgart 1902) ist mit vortrefflichen Erklärungen versehen. — Unter dem Namen des Dioskurides gehen noch mehrere Schriften, von denen die beiden als 6. und 7. Buch dem Hauptwerk hinzugefügten περὶ δηλητηρίων φαρμάκων und περὶ ἰοβόλων καὶ περὶ λυσσῶντος κυνός (beide übersetzt von Berendes, Apothekerzeitung 1905) sicher unterschoben, die zwei Bücher περὶ εὐποριστῶν ἁπλῶν τε καὶ συνθέτων φαρμάκων (von den leicht zu beschaffenden einfachen und zusammengesetzten Arzneien) möglicherweise echt sind.

Die Pneumatiker und Eklektiker.

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Die dogmatischen Sekten, welche aus der alexandrinischen Medizin hervorgegangen waren, bestanden auch in Rom weiter fort, doch fristeten sie nur ein Schattendasein neben dem sieggekrönten Methodismus und der alten, doch stets neu verjüngbaren Empirie. Unter dem Wuste der schablonenhaften Polypragmasie drohte nicht allein die Spekulation über die Krankheitsvorgänge, sondern das medizinische Denken überhaupt, zu versiegen, und weder von der einseitigen Humoral- noch von der extremen widerspruchsvollen Solidarpathologie war, bei dem Mangel exakter Forschungsmethoden, eine befriedigende Weiterbildung der Theorie zu erhoffen.

In ganz ähnlicher Lage hatte sich nach Erlahmung der Platonik und Peripatetik die Philosophie befunden, bis sich das hellenistische Epigonentum durch Skeptizismus und Atomismus hindurch zum synkretistischen Stoizismus emporschwang, der, auf der breiten Grundlage der Vergangenheit ruhend, zwar vorwiegend der praktischen Lebenskunst zugewandt blieb, aber auch die stagnierende Erkenntnistheorie und Metaphysik wieder in Fluß brachte.