Lieblich (sei das) Augenbett, Weh und Schwulst (sei) fort!

[13] Gallische Amulette sind in Gräbern gefunden worden.

[14] Tacitus berichtet in der Germania (cap. 7): ad matres, ad conjuges vulnera ferunt, nec illae numerare et exigere plagas pavent.

[15] Hebamme ahd. hebh-anna ═ hebende Ahnfrau, Großmutter, d. h. das mithelfende ältere Weib.

[16] Tacitus l. c. cap. 8 nennt als Beispiele solcher Frauen die Velaeda und Albruna.

[17] Noch im Mittelalter erzählte man von wilden Weibern, die im Besitze von Heilmitteln seien und Kunde davon an bevorzugte Menschen geben; so heißt es in der Gudrun 529 si heten in langer zîte dâ vor wol vernomen, daz Wate arzât waere von einem wilden wîbe.

[18] Der eigentliche Name für den germanischen Medizinmann wäre Lachner (Zauberer, Besprecher) gewesen, got. lêkeis, ahd. lâhhi, angels. laeca, engl. leech, nordgerman. laeknari; keltisches Lehnwort oder aus einer Wurzel stammend mit der keltischen Arztbezeichnung, irisch liaig, entsprechend einem gallischen lêg; der Name kommt von Lach, d. h. dem, mit roter (Mennig-) Farbe aufgetragenen, Mal, mit welchem der Medizinmann unter Besegnungs- und Besprechungsformeln die Stelle bezeichnete, wo der Krankheitsdämon im Körper sitzen sollte. — Die Bezeichnung Galler oder Galsterer kommt von dem „gellen” Laut, womit er die Dämonen verscheuchen sollte (beschreien, berufen ═ bezaubern, Vergalsterung ═ Verzauberung) oder von dem laut geschrieenen Zaubergesang („galster”). — „Lüppner” kommt von den Giftkräutern ═ Lüppe, mit denen der germanische Zauberer vorzugsweise tätig war.

[19] Abgesehen von der dämonistischen Krankheitsauffassung sind die germanischen Krankheitsnamen hauptsächlich von den sinnfälligen Hautveränderungen, subjektiven Schmerzempfindungen und augenscheinlichen Gebrechen und Funktionsstörungen hergenommen (z. B. Brand, Gicht, Sucht, Lähme).

[20] Z. B. Fingerwurm ═ Panaritium, Ohrwurm ═ Parotitis. Chronische, mit Abzehrung (Schwinden, Darre) verbundene Krankheiten oder Hautaffektionen wurden nach germanischem Glauben von mitessenden, elbischen Würmern, Maden, verursacht.

[21] Hierzu gehörte auch die Farbe der entleerten Würmer (elbischen Dämonen). Wie der germanische Wortschatz andeutet, scheint beim Kranken auf den allgemeinen Zustand, die Schmerzart, die Hautveränderungen, die etwaigen Formveränderungen kranker Glieder, Ausdruck der Augen, Farbe, Glanz und Stellung der Haare, Schleimhautfarbe, Blutgeruch und Blutgeschmack u. a. geachtet worden zu sein; vielleicht wurden auch gelegentlich Tastuntersuchungen vorgenommen.