[18] Es sei hier nur auf die von tiefster religiöser Inbrunst getragenen Hymnen Dies Irae und Stabat mater und auf die Anfänge des an den biblischen Stoffkreis gebundenen Dramas hingedeutet.

[19] Es waren vorzugsweise die Dominikaner, welche durch ihre auf Lehre und Schule gerichtete Tätigkeit eine tiefgreifende Durcharbeitung des gesamten Wissensstoffes anregten (der praktischen Medizin sind sie aber in der Regel fern geblieben); die Franziskaner sind ihnen hierin erst später gefolgt.

[20] Außerdem gibt es zahlreiche Ausgaben gewisser Gruppen seiner Schriften oder einzelner Schriften, von denen manche auch übersetzt worden sind (Deutsch, Französisch, Italienisch, Polnisch).

[21] Zu den naturwissenschaftlichen Schriften gehören Physicorum libri VIII (allgemeine Naturlehre, Lehre von den Kräften und der Bewegung) — de coelo et mundo libri IV (über die Bewegung der Himmelskörper) — de generatione et corruptione libri II (über die Verwandlung der Körper) — Meteorum libri IV (Meteorologie und physikalische Geographie) — de mineralibus libri V (allgemeine Eigenschaften der Mineralien, Beschreibung von 95 Edelsteinen, 7 Metallen, ferner Salz, Vitriol, Alaun, Arsenik, Schwefelkies, Nitrum, Tutia, Elektrum) — de anima libri III — de sensu et sensato — de memoria et reminiscentia — de somno et vigilia — de motibus animalium libri II — de juventute et senectute — de spiritu et respiratione libri II — de vita et morte — de nutrimento et nutribili — de natura locorum (Klimato- und kurze Kosmographie, reich an ethnologischen und physiologischen Bemerkungen) — de causis proprietatum elementorum (physikalische Geographie auf Grund der Vierelementenlehre) — de passionibus aëris (über meteorologische Vorgänge) — de vegetabilibus et plantis libri VII (Neuausgabe von Meyer und Jessen, Berlin 1867) — de motibus progressivis — de animalibus libri XXVI — Philosophia pauperum (Phil. naturalis, Summa naturalis, Isagoge in libros Aristotelis physicorum de coelo et mundo, de generatione et corruptione, meteorum et de anima; auszugsweise wiedergegebener Inbegriff der Naturanschauungen des Albertus in Anlehnung an Aristoteles, vielleicht von einem Schüler des Albertus herrührend). Psycho-physiologisches enthält auch die theologische Schrift Summa de creaturis. Unechte hierhergehörende Schriften sind vielleicht speculum astronomiae und de alchimia, sicher de virtutibus herbarum, lapidum et animalium quorundam (wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammendes Machwerk über die magischen Kräfte der Pflanzen, Edelsteine und Tiere), Mirabilia mundi, De secretis mulierum. Die letztgenannte unter dem Namen des Albertus laufende Schrift handelt von der Zeugung (astrologische Einflüsse), Menstruation, Fötusbildung, Geburt, Mißgeburten etc. und erfreute sich einer ganz besonderen Beliebtheit — was die zahlreichen Ausgaben (auch Kommentare), Uebersetzungen („der Frauenzimmer Heimlichkeit”) und Umarbeitungen, welche bis in das späte 18. Jahrhundert veranstaltet worden sind, beweisen; sie besitzt für die Geschichte der Geburtshilfe eine gewisse Bedeutung. Die im Laufe der Zeit zustandegekommenen, voneinander oft erheblich abweichenden Umarbeitungen und Erweiterungen basieren auf zwei verschiedenen Vorlagen, welche auf Henricus de Saxonia bezw. auf Thomas von Brabant zurückgehen sollen.

[22] Z. B. gehört hierher sein Glaube an die wunderbare Heilwirkung der Edelsteine (in der Schrift de mineralibus) u. a. Es ist aber nicht zu vergessen, daß es vorwiegend unterschobene Schriften sind (z. B. de virtutibus herbarum, mirabilia mundi u. a.), welche von Aberglauben strotzen. Leider haben gerade diese Schriften dazu beigetragen, daß Albertus in der Geschichte lange Zeit nur im verzerrten Bilde fortlebte. Bezüglich des Glaubens an die Heilkraft der Steine (vgl. S. 320) sei erwähnt, daß derselbe bereits im Anfang des 13. Jahrhunderts von einem deutschen Dichter, genannt „der Stricker”, in einem langen Spottgedicht bekämpft wurde. Als Gegenschrift zu diesem ist das unter Volmars Namen bekannte mittelhochdeutsche Gedicht über die Steine (ed. H. Lambel, Heilbronn 1877, mit dem St. Florianer Steinbuch) aufzufassen. Dem 13. Jahrhundert gehört auch das lateinische Steinbuch des Arnoldus Saxo an.

[23] Im II. Sentent. Opp. t. XV, 137a: Sciendum quod Augustino in his, quae sunt de fide et moribus, plus quam Philosophis credendum est, si dissentiunt. Sed si de medicina loqueretur, plus ego crederem Galeno vel Hippocrati, et si de naturis rerum loquatur, credo Aristoteli plus vel alii experto in rerum naturis. ... S. th. I, 14a: In theologia locus ab auctoritate est ab inspiratione Spiritus veritatis. ... In aliis scientiis locus ab auctoritate infirmus est et infirmior caeteris, quia perspicacitati humani ingenii, quae fallibilis est, innitur. In der Schrift de vegetabilibus (Opp. V, 430a, Ed. Jessen p. 339) verwirft Albertus an einer Stelle geradezu die Syllogistik und anerkennt, wo es sich um Einzeldinge handelt, nur die Erfahrung: Experimentum enim solum certificat in talibus, eo quod de tam particularibus naturis syllogismus haberi non potest.

[24] Zu den Enzyklopädien des 12. Jahrhunderts zählen der Elucidarius des Honorius Augustodunus und die Schrift des englischen Augustiners Alexander Neckam (1157-1227) de naturis rerum.

[25] Er wird als ein „familiaris” der königlichen Familie bezeichnet, hatte die berühmten Bücherschätze des Königs zu überwachen und zu mehren, für die Erziehung der königlichen Kinder allgemeine Vorschriften zu geben, welch letztere in der Schrift des Vincenz de eruditione filiorum regalium (ins Deutsche übers. von Chr. Fr. Schlosser, Frankfurt a. M. 1819) enthalten sind; ein Abschnitt darin betrifft die physische Erziehung.

[26] Bescheiden weist er für sich selbst jeden Anspruch auf Originalität zurück, zufrieden mit der Rolle des Kompilators: „Antiquum esse (scil. opus) auctoritate et materia, novum vero partium compilatione et aggregatione, se son per modum auctoris, sed excerptoris ubique procedere.”

[27] Lib. XI cap. 104: ... sed quoniam haec ipsa (scil. medicina) non tantum in operatione manuum, sed etiam in mentis speculatione consistit, videlicet quantum ad causarum considerationem, unde quasi media est inter practicam et theoricam....