Wien.

Galeazzo de St. Sophia dürfte 1398 von Padua nach Wien berufen worden sein (in den Fakultätsakten von 1399-1405 nachweisbar), wo er als einer der bedeutendsten Lehrer, Schriftsteller (sein Werk de simplicibus entstand auf Wiener Boden) und als Leibarzt der Herzöge Albrecht IV. und V. von Oesterreich wirkte.

Schriftsteller des 15. Jahrhunderts.

Italien.

Hugo Senensis, H. de Sena (Ugo Benzi, Benzo, Bencius, Bentius, † zu Ferrara wahrscheinlich um 1439) aus Siena, lehrte in Pavia, Piacenza, Florenz, Bologna, Parma, Padua, Perugia und machte sich bei den Zeitgenossen einen großen Namen als Philosoph sowohl wie als Arzt. Außer Kommentaren zu Hippokrates, Galen und Avicenna (In primum canonis Avicennae fen primam, Venet. 1523, Super quarta fen primi Avicennae expositio, Venet. 1485, 1517 u. ö., Super aphorismos Hipp. et super comment. Galeni, Ferrar. 1493, Venet. 1498 u. ö., In tres libros microtechni Galeni expositio, Venet. 1498, 1523) hinterließ er Consilia (Perutilia consilia ad diversas egritudines, Bonon. 1482, Venet. 1518, 1523), welche durch ihre kasuistischen Mitteilungen (z. B. periodischen Wahnsinn, Spermatorrhöe, Magenschwindel, Nasenrachenpolyp, Tränenfistel, Epilepsie) von Interesse sind. Opera omnia, Venet. 1518.

Antonius Cermisonius (A. Cermisone, Cermesone) aus Padua, Professor in Pavia und in seiner Vaterstadt († 1441), verfaßte Consilia medica contra omnes fere aegritudines a capite usque ad pedes (Venet. 1496 u. ö., zumeist z. B. in der Ausgabe Venet. 1514, mit einer Schrift des Franc. Caballus über den Theriak, den Consilien des Montagnana angehängt). In den „Consilia” überwiegen die Rezeptformeln, doch finden sich auch manche gute Beobachtungen und zweckmäßige therapeutische Vorschläge darin, z. B. Fuß- und Handbäder als ableitende Mittel; Bäder, Vesikatore, Brechmittel, Terpentin gegen Ischias.

Antonius Gainerius (Antonio Guainerio, † um 1445), eine Zeitlang Professor in Pavia und Chieri, Leibarzt mehrerer Fürsten (Ludwig von Savoyen, Amadeus VIII., Filippo Visconti), verfaßte unter anderem einen Kommentar zum 9. Buche des Rhazes (In nonum Almensoris commentaria etc., Venet. 1497, 1498) und eine Practica (Papiae 1481 u. ö., Venet. 1508), auch unter dem Titel Opus praeclarum ad praxim non mediocriter necessarium (Lugd. 1534), welche aus 12 Abschnitten besteht: de egritudinibus capitis, de pleuresi, de passionibus stomachi, de fluxibus, de egritudinibus matricis, de egritudinibus juncturarum, de calculosa passione (Erwähnung der Bougie cap. 15 foramini virgae candelam subtilem ceream vel virgulam stanneam aut argenteam immitte), de peste, de venenis, de febribus, de balneis, Antidotarium. Aus dem Inhalt sind besonders jene Mitteilungen, die sich auf die Pathologie des Nervensystems (z. B. Aphasie, Epilepsie, Manie) und auf die Gynäkologie beziehen, bemerkenswert. Wenn Guaineri abergläubische Prozeduren als Hilfsmittel bei der Geburt aufzählt, so scheint er mehr der Zeitrichtung als eigener Ueberzeugung Rechnung zu tragen.

Johannes Michael (Giovanni Michele) Savonarola[20], wahrscheinlich 1390 bis 1462, Professor in Padua, später in Ferrara, Physicus ordinis equestris hyerosolomitanus (Johanniter-Ritterorden), verfaßte außer den Schriften Practica canonica de febribus etc. (Venet. 1498 u. ö., Lugd. 1560), de arte conficiendi aquam vitae simplicem et compositam (Hagenov. 1532, Basil. 1597), in medicinam practicam introductio (Argent. 1553), de balneis omnibus Italiae sicque orbis (Venet. 1592), de pulsibus, urinis et egestionibus (Venet. 1497, 1552) u. a. nach dem Muster von Avicennas Kanon eine, das Gesamtgebiet der Medizin betreffende Practica de aegritudinibus a capite ad pedes (Papiae 1486, Venet. 1497, 1498, 1502, 1518, 1547, 1559, 1561). Das Werk zerfällt in sechs Traktate. Traktat I handelt über das Verhalten des Arztes am Krankenbette, die Erhebung der Anamnese und die Krankenuntersuchung (Inspektion des ganzen Körpers, des Harns, Blutes, Schleims, des Stuhles, des Erbrochenen u. s. w., Prüfung der Körperfunktionen), worauf dann die Zeichen der wichtigsten Symptomenkomplexe (Zeichen des hitzigen Symptomenkomplexes der Cholera rubea, der Verstopfung, der Tympanitis, der Anschoppung, der Verstopfung in den Gefäßen, der feuchten und hitzigen, der warmen und trockenen, der kalten und feuchten, der kalten und trockenen Komplexion), die Fieberarten, die Diätetik und medikamentöse Therapie (mit Rücksicht auf die Zeit der Verabreichung, Dosis, Indikation, Kontraindikation), endlich die Prognostik und ärztliche Politik erörtert werden. Traktat II handelt über die sex res non naturales. Traktat III handelt über die Krankenküche. Traktat IV betrifft die Pharmakodynamik. Traktat V zählt die Arzneimittel aus den drei Reichen und die Arzneiformen auf. Traktat VI enthält in 22 Abschnitten die spezielle Pathologie und Therapie. Jeder Abschnitt wird mit einer anatomisch-physiologischen Einleitung eröffnet, darauf folgt die Aetiologie, Symptomatologie, die Indikationsstellung, die Therapie, den Beschluß machen verschiedene Streitfragen „Dubia” und einschlägige hippokratische Aphorismen. Neben der inneren Medizin ist auch die Chirurgie berücksichtigt (Erwähnung eines Spiegels zur Erweiterung der Nase bei operativen Eingriffen, der direkten Laryngoskopie [Sichtbarwerden der geschwollenen Epiglottis nach starkem Hinunterdrücken der Zunge], Beschreibung eines Instrumentes nach Art des Syringotoms, mechanische Behandlung der Wirbelsäulenverkrümmung u. a.), desgleichen die Geburtshilfe; hinsichtlich letzterer ist hervorzuheben, daß unter den Ursachen der schweren Geburt auch der schmalen Hüften (mulieres, quae non sint in suis anchis bene amplae) gedacht und der Hebamme empfohlen wird, sich nach dem Verlauf etwa früher stattgehabter Geburten zu erkundigen. Außer einer Schwangerschaftsdiätetik gibt S. auch eine Wochenbettsdiätetik an. Aus einer Stelle geht hervor, daß damals der Arzt schon etwas mehr als früher mit der praktischen Geburtshilfe zu tun hatte, allerdings vorerst nur in schweren Fällen und bei den „dominae magnae” (pro pauperculis non multum laborat medicus).

Johannes de Concoregio (Gioanni da Concoreggio), geboren um 1380 in Mailand, lehrte in Bologna (1433), Pavia, Florenz und seit 1439 in seiner Vaterstadt; er hinterließ ein echt arabistisches, jeder Selbständigkeit entbehrendes Werk über die gesamte Medizin, welches eigentlich eine Sammlung mehrerer seiner Schriften darstellt unter dem Titel: Practica nova medicinae. Lucidarium et flos florum medicinae nuncupata. Summula ejusdem de curis febrium etc. (Papiae 1485, Venet. 1515, 1521, 1587).

Bartholomaeus (Bartolommeo) Montagnana[21], Professor in Padua, † um 1460. Seine lange Zeit sehr geschätzten Consilia (Rothomag. 1476, Venet. 1497, 1499, 1514, 1564, Lugd. 1524, 1525, 1568, Francof. 1604, Norimb. 1652), an Zahl 305, bilden eine medizinische Kasuistik, welche nach folgenden Gesichtspunkten geordnet ist: Diät, Krankheiten des Gehirns, der Nerven, der Augen, des Ohres, der Nase, des Mundes, der Kehle, der Lungen, des Herzens, der Brustdrüsen, des Magens, der Leber, der Milz, der Därme, des Afters, der Nieren, der Blase, der männlichen, der weiblichen Geschlechtsorgane, Krankheiten der Wirbelsäule und der Extremitäten, Dyskrasien, Fieber, Hautkrankheiten, Lepra. Im Abschnitt von der Lepra ist die knollige Form nicht mehr beschrieben. Im Anhang zu den Konsilien sind noch einige kleinere Schriften des Montagnana enthalten: Tractatus tres de balneis Patavinis, Tractatus de modo componendi medicinas et de dosi earum, Antidotarium.