Johannes Arculanus (Herculanus, Giovanni Arcolano, d'Arcoli) aus Verona, soll zuerst (1412-1427) in Bologna, sodann in Padua und Ferrara gelehrt haben († 1460 oder nach anderer Angabe 1484). Er schrieb Expositio in primam fen quarti canonis Avicennae (Ferrar. 1488, Lugd. 1518, Venet. 1560, 1580, Patav. 1684) und Practica medica s. Expositio in nonum librum Almansoris (Venet. 1483 u. ö., noch 1560, Basil. 1540). Letztere Schrift stellt zwar formell nur einen Kommentar dar, welcher sich von anderen durch die weit geringere Weitschweifigkeit und Zitatensucht vorteilhaft unterscheidet, enthält aber nicht wenige selbständige Anschauungen über die spezielle Pathologie und Therapie. Treffend ist z. B. die Symptomatologie des Säuferwahnsinns geschildert, in den chirurgischen Abschnitten, welche durch Abbildungen von Instrumenten verständlicher gemacht werden, finden sich manche interessante Stellen, die den Fortschritt in der Technik beweisen (z. B. Beseitigung von Wasser aus dem Gehörgang mittels einer Art von Spritze, Füllen hohler Zähne mit Goldfolie, Anwendung von Kathetern aus biegsamem Material bei verschiedenen Harnleiden).

Christophorus Barzizius (de Barziziis, Cristoforo Barziza) „novello Ippocrate”, „Monarca della Professione”, Professor in Padua (1434 bis mindestens 1440), hinterließ Introductorium sive janua ad omne practicum medicinae (Pap. 1494, Aug. Vindel. 1518), eine allgemeine Pathologie und Therapie, de febrium cognitione et cura liber (Pap. 1494, Lugd. 1517).

Johannes Mattheus de Ferrariis (Ferrarius) de Gradi oder Gradibus (Giamatteo Ferrari da Grado), † 1472, wirkte mit großem Erfolge als Professor der Medizin in Pavia, als Leibarzt am Hofe des Francesco Sforza und als angesehener, von den vornehmsten Persönlichkeiten in Anspruch genommener Praktiker. Schriften: Practica vel commentarius textualis cum ampliationibus et additionibus materiarum in nonum Rhazis ad Almansorem (Pars I Pap. 1471, 1497, Lugd. 1519, 1527, Venet. 1520, 1560; Pars I et II Pap. 1497; Pars III Mediol. 1471), Expositiones super vigesimam secundam fen tertiae canonis Avicennae (Mediol. 1494), Consiliorum secundum viam Avicennae ordinatorum utile repertorium (Venet. 1514, 1521, Lugd. 1535). Practica und Consilia (für die Zeitgeschichte nicht ohne Interesse) enthalten nicht wenige selbständige Beobachtungen und von eigenem Urteil geleitete Angaben, z. B. diätetische Regeln für Studierende und Reisende, Fälle von Schreibkrampf, Gesichtslähmung, Speichelfluß, Haemoptoe bei Dysmenorrhoe, Sterilität infolge von Lageveränderung des Uterus, Empfehlung eines Pessarium in der Behandlung des Uterusprolapses, eines Bruchbandes (brachale) mit flacher und quadratischer Pelotte zur Behandlung der Hernien u. a. m. Bemerkenswert ist die starke Berücksichtigung der Anatomie (in der Practica in Form von Einleitungen zur Pathologie der einzelnen Organe). Eine Auswahl der Consilia in auszugsweiser französischer Uebersetzung in H. M. Ferrari, Une chaire de médicine an XV siècle, Paris 1899, p. 185-241.

Marcus Gatenaria (Marco Gatenaria, Gattinaria, Gattinara), † 1496, aus Vercelli, übte in Mailand und Pavia (zuletzt daselbst Professor) die Praxis aus. In seiner noch starr arabistischen, im wesentlichen kompilatorischen und kommentatorischen Schrift de curis aegritudinum particularium sive expositio in nonum Almansoris (Lugd. 1504 u. ö., Pap. 1509, Bonon. 1517, Venet. 1521 u. ö., Basil. 1537, Paris 1540, 1549, Francof. 1575, 1604), welche lange Zeit sehr beliebt war, kommen manche gute Beobachtungen und auch wichtige chirurgische Bemerkungen vor (z. B. Empfehlung eines eisernen Bruchbandes, Exstirpation des prolabierten Uterus beim Versagen anderer Mittel). Im 47. Kapitel findet sich nebst entsprechendem Holzschnitt die Beschreibung einer Klistierspritze (nach Avicenna); die Spritze besteht aus einer Tierblase, an welche eine Kanüle angebunden ist, die der Länge nach in zwei Räume durch eine Scheidewand geteilt ist, einen oberen, geräumigen, mit einer Oeffnung am freien Ende, durch welche hindurch die Einspritzung in den oberen Mastdarm gemacht wurde, und einen unteren kleineren Raum mit einer zweiten Oeffnung nach hinten, nahe der Befestigung an der Blase, durch welche die im Mastdarm befindliche oder in denselben eingespritzte Luft austreten soll.

Baverius de Baveriis aus Imola, Leibarzt Nicolaus V., noch um 1480 Professor in Bologna, verfaßte Consilia medicinalia sive de morb. curat. liber (Bonon. 1489, Pavia 1521, Argent. 1542, 1593), welche durch einzelne kasuistische Mitteilungen höchst bemerkenswert sind (z. B. Karies des Felsenbeins, Differentialdiagnose zwischen Katalepsie, Hysterie, Epilepsie und Synkope, Fall von Hemiplegie einer Gravida mit Wirbelsäulenverkrümmung, Fall von Lähmung mit Sprach- und Gedächtnisstörung, Magenschwindel, Behandlung der Chlorose mit Eisen).

Chirurgie.

Petrus de Argelata (Pietro d'Argellata, P. de la Cerlata, Largelata etc., † 1423). Professor in Bologna, einer der bedeutendsten Chirurgen im Anfang des 15. Jahrhunderts[22], verfaßte De chirurgia libri VI (Venet. 1480, 1492, 1497, 1499, 1513, 1520, 1531), worin die vorhergehende Literatur, von den Arabern besonders Avicenna, von den abendländischen Autoren namentlich Wilhelm von Saliceto, Lanfranchi und Guy de Chauliac, sorgfältig benützt ist, ohne daß es gelegentlich auch an selbständigen Beobachtungen fehlen würde. Pietro d'Argellata beschreibt die gebräuchlichsten Operationen, zeigt sich aber im ganzen zu größeren operativen Eingriffen wenig geneigt und bringt unter Anführung der Quellen eine Fülle von medikamentöser Therapie. Anerkennenswert ist die Kasuistik besonders im Abschnitt über Wundbehandlung und die Offenheit, mit der er die eigenen Mißgriffe eingesteht. Im 5. Buche Tract. XIX, cap. 1-8 wird die Gynäkologie und Geburtshilfe abgehandelt, bemerkenswert ist die Schnittführung in der Linea alba bei der Sectio caesarea post mortem, das Extraktionsverfahren mit Einhaken des Fingers in die Perforationsöffnung, die Selbstausführung der Embryotomie. Tract. XII cap. 3 (De custodia corporis mortui) enthält den Bericht über die von d'Argelata 1410 ausgeführte Einbalsamierung der Leiche des in Bologna verstorbenen Papstes Alexanders V.

Leonardus Bertapalia (Leonardo da Bertapaglia, Bertipalia, Bertopalia etc., † 1460), Professor in Padua verfaßte eine aus sieben Traktaten bestehende Chirurgia s. recollectae super quartum canonis Avicennae (Venet. 1490, 1497, später in der Coll. chir. Venet. 1499, 1519, 1546 publiziert). Das Werk ist von arabistischem Geist durchweht, außer Hippokrates und Galen werden fast nur arabische Schriftsteller zitiert, die Arzneibehandlung überwiegt weitaus die eigentlich chirurgische Therapie, und phantastische Annahmen prävalieren vielfach über die nüchterne Beobachtung. Der sechste Traktat De judiciis vulnerum significantium mortem per singula membra humana per aspectum et secundum duodecim signa celestia erörtert die Beziehungen der Chirurgie zur Astrologie (z. B. Verhalten der Wunden in den einzelnen Monaten, wenn die Sonne im Zeichen des Widders, des Stiers, der Zwillinge, des Krebses etc. steht). Der letzte Traktat, welcher in einen Hymnus (in 10 Hexametern) über die Wirkung der Scabiosa ausklingt, behandelt die Rezepttherapie und besitzt nur noch durch Angaben über zwei Leichensektionen (1429 und 1440), denen Bertapaglia beiwohnte, einige Bedeutung.

Frankreich.
Montpellier.