Fragment eines mittelniederdeutschen Arzneibuches (ca. 1300), H. Fischer, Pfeiffers Germania, 1878, XXXIII, S. 52-56.

Everhard von Wampen, aus Pommern, verfaßte 1325 am schwedischen Königshofe den Spegel der naturen (Spiegel der Natur), ein Lehrgedicht, welches eine populäre Darstellung der Humoralpathologie mit Berücksichtigung von Jahreszeit, Tierkreiszeichen, Planeten etc. und darauf gebauter Diätetik enthält, veröffentlicht von Erik Björkman in Upsala, Universitets Aarsskrift 1902.

Van den eddele ghestenten. C. Schröder, Jahrb. d. Ver. f. nd. Sprachf. 1876, S. 57-75.

Das [Utrechter] Mittelniederdeutsche Arzneibuch (ca. 1400). J. H. Gallee, Jahrb. d. Ver. f. nd. Sprachf. 1889, S. 105-149.

Das große Wolffenbütteler mittel-niederdeutsche Arzneibuch (Wolfenbüttel, Herzogl. Bibl. Ms. Aug. 23, 3. — 143 Bl. Perg. — 15. Jahrhundert), vgl. Regel (Jahrb. d. Ver. f. nd. Sprachf. 1878, S. 5-26).

Mittelniederländisch.

Jehan Yperman. Chirurgie ed. M. C. Broeckx, La chirurgie de maître J. Y., Anvers 1863 (Annales de l'Académie d'archéologie de Belgique, t. XX). Traktat über Medizin ed. M. C. Broeckx, Traité de méd. pratique de maître J. Y., Anvers 1867. Die mit anatomischen Figuren (z. B. Schädelnähte) und Abbildungen von Instrumenten versehene Chirurgie (welche ursprünglich lateinisch abgefaßt war) beruht auf gründlicher Literaturkenntnis[32] und vielen selbständigen Erfahrungen, welche den Verfasser als geschickten und kühnen Operateur zeigen. Das Werk beginnt mit einer frommen Einleitung, der Definition der Chirurgie und einer Anatomie des Kopfes nebst zugehörigen physiologisch-pathologischen Bemerkungen, sodann folgt eine chirurgische Hodegetik resp. Deontologie, worin außer den entsprechenden körperlichen und moralischen Eigenschaften, die Kenntnis der Grammatik, Logik, Rhetorik und Ethik verlangt wird. Aus dem weiteren Inhalt, der die Lehre von den Wunden im allgemeinen und von der Blutstillung, sodann die chirurgischen Affektionen in der Anordnung a capite a calcem behandelt (von den letzten Kapiteln, Krankheiten der unteren Extremitäten, ist nur der Anfang erhalten), wäre folgendes hervorzuheben. Die Wunden werden (in geeigneten Fällen) mit gerader Nadel und einem gewichsten Faden genäht, zur Beförderung des Eiterabflusses dient eine Wieke. Yperman unterscheidet arterielle und venöse Blutungen, bei größeren Blutungen kommen Styptika, die Kompression, das Cauterium, die Unterbindung und Umstechung (vielleicht auch die Torsion) der Gefäße zur Anwendung. Unter den Schädelverletzungen (ausführliche Schilderung der Trepanation) werden auch die Quetschungen des Schädeldaches ohne äußere Wunden beschrieben. Bei der Operation der Hasenscharte findet eine Anfrischung und eine Vereinigung mittelst der Knopfnaht und der umschlungenen Naht statt. Halb abgehauene Ohren werden mittelst Naht wieder befestigt. Eingehend sind die Verletzungen durch Geschosse (Pfeile) geschildert, resp. die Methode der Ausziehung; den Verletzten wurde auch ein besonderer Wundtrank gereicht. Balggeschwülste sind nach Freilegung zu exstirpieren oder mit einem stumpfen Haken herauszubefördern. Von Nasenkrankheiten werden Polypen, Nasenbluten, Ozäna, von den Krankheiten der Mundhöhle ranula, cancer, ulcera der Zunge, Mundfäule, Fissuren der Lippenschleimhaut, von Ohrleiden Fremdkörper, Ohreiterungen, Ohrwürmer besprochen. Reichhaltig ist der Abschnitt über die Verletzungen, Schußwunden, Abszesse, Drüsenschwellungen der Halsregion. Hierbei wird ein Fall erzählt, wo die Ernährung durch eine, tief in den Mund gesteckte silberne Röhre stattfand. Bezüglich der Heilung der Kröpfe und Skrofeln durch Königshand heißt es, daß die Skrofeln, wo sie heilbar sind, auch ohne diese Maßnahme heilen „ende vnderwilen ghenesen si niet”. Ausführlich werden die Hautleiden (Scabies, Warzen, Pocken und „maselen”, worunter außer den Morbillen noch eine ganze Reihe anderer Exantheme zusammengefaßt sind, Lepra ═ laserscap mit ihren verschiedenen Spezies) besprochen; unter den Kennzeichen des Aussatzes ist auch die Anästhesie der Haut, das Nichthaften von Wasser auf der Haut und die Blutprobe (drei Körner Salz, auf das Aderlaßblut gelegt, „schmelzen” bei Leprösen) erwähnt, die „Laserie” entstehe oft als „infexcie” durch häufigen Sexualverkehr mit Frauen, welche an der Krankheit leiden. Nach den Abschnitten über vergiftete Wunden, Bubonen, Fisteln, Erysipel, Abszesse, Verbrennungen folgt die Darstellung der Eingeweideverletzungen und Hernien. Behufs Reposition prolabierter Bauchorgane soll die Wunde erweitert werden, die Heilung der Hernien sei durch sechs Wochen lang fortgesetzte Rückenlage, besondere Diät, Pflaster etc. zu versuchen. Unter den Affektionen des Penis ist die Rede von guten und brandigen Geschwüren etc., wobei in der Therapie Pulver, Einspritzungen, Kauterisationen etc. eine wichtige Rolle spielen. Nabelbrüche sollen durch Umstechung radikal geheilt werden. Bei den Hämorrhoiden wird von chirurgischen Maßnahmen nichts angeführt; in der Therapie der Mastdarmfisteln kommen Salben oder das Abbinden zur Anwendung, Vorfall des Mastdarmes sei mit adstringierenden Mitteln zu behandeln. — Der Traktat über innere Medizin stellt ein mehr für Anfänger bestimmtes Kompendium dar (es liegt nur unvollständig vor) und berücksichtigt vorzugsweise die therapeutische Seite (Aderlaß, Purganzen, Bäder, Räucherungen, Einreibungen, Umschläge etc.); auch in diesem Werk bewährt sich Yperman als ein Arzt von selbständigem Urteil und reicher Eigenerfahrung[33].

Einen anonymen Traktat, der über Harnschau, Aderlaß und über den Gebrauch von Medikamenten handelt, gab kürzlich Geyl mit französischer Uebersetzung heraus, Un traité de médecine du XV. siècle. Janus XIV, 1909, p. 354 ff.

Mittelenglisch[34].

Ein mittelenglisches Medizinbuch, ed. Fritz Heinrich, Halle 1896.