[27] Nach den Autoren des Talmuds besteht das Skelett aus 248 Knochen. Diese Zahl wurde vielleicht bei der Untersuchung einer 16-17jährigen Person gewonnen, deren Leiche dem Kochungsprozeß unterworfen worden war, wobei die noch nicht durch feste Verknöcherung verschmolzenen Teile auseinanderfielen. Es wird berichtet, daß sich die Schüler des R. Ismael (um 100 n. Chr.) die Leiche einer zum Tode verurteilten Prostituierten ausbaten und dieselbe kochten, um die überlieferten Angaben über die Zahl der Knochen nachzuprüfen. — Der Arzt Thodos konnte als Experte mit Sicherheit aussprechen, daß eine ihm vorgelegte Anzahl von Wirbeln nicht von demselben Menschen stammte. — Die im Talmud vorkommende Legende von dem Knöchelchen Luz, welches infolge seiner Härte der Verwesung widerstehe, wurde von leichtgläubigen Anatomen noch im 17. Jahrhundert für bare Münze genommen; bald schien der 7. Halswirbel oder das Steißbein, bald ein Nahtknochen des Schädels oder ein Sesambein der großen Zehe dem Wunderknöchelchen zu entsprechen.
[28] Manche der Beschreibungen sind vom Standpunkt der Tieranatomie überraschend gelungen, das gilt namentlich für die pathologischen Befunde.
[29] Man berief sich darauf, daß die ägyptischen Händler den Kühen und Schweinen vor dem Verkauf in die Fremde die Gebärmutter ausschnitten, damit die Rasse in anderen Ländern nicht fortgepflanzt werden konnte.
[30] Interessant ist die Erwähnung der Tracheotomie an einem Schafe. Man schnitt demselben ein fensterartiges Stück aus der Luftröhre aus und verschloß es mit einer Rohrhaut. Der Bericht stammt aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert und bezieht sich vielleicht auf alexandrinische Aerzte.
Die Medizin im Mittelalter.
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Zur Einführung.
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Den Jahrhunderten des Verfalls der antiken Medizin folgte ein Jahrtausend, welches nur bei tieferem Eindringen und höchstens auf einzelnen Gebieten einen schwachen Fortschritt der Heilwissenschaft erkennen läßt, im großen und ganzen aber den Anschein zähen Stillstands erweckt.
Zwar versiegte der Quell der griechischen Heilkunst niemals gänzlich, aber er wurde getrübt und vorübergehend sogar verschüttet.