[17] Nam literalis etiam lectio adhibenda est, quae sit aliqua falsitate culpata, quo interius mentem exerceant aegrotantes. Quapropter interrogationibus quoque erunt fatigandi ... tum sibi dimittendi, data lectione, quae non sit intellectu difficilis, ne plurimo labore vexentur. Haec enim si supra vires fuerint, non minus afficiunt quam corporis immodicae gestationes.... Tunc proficiente curatione erunt pro possibilitate meditationes adhibendae, vel disputationes.... Tunc post meditationem vel disputationem deducendus mox est atque perungendus leviter aegrotans et deambulatione levi movendus. Ei autem qui literas nescit immittendae quaestiones erunt, quae sint ejus artis propriae, ut rustico rusticationis, gubernatori navigationis: ac si ex omni parte iners fuerit curandus, erunt vulgaria quaedam quaestionibus tradenda vel calculorum ludus (De morb. chron. I, cap. 5, vgl. hierzu Bd. I, S. 316).
[18] Vgl. Bd. I, S. 388. Zu dem dort Gesagten sei noch eine Stelle aus dem römischen Geschichtschreiber Ammianus Marcellinus (um 330-400) angeführt, welche zeigt, daß man die Weiterverbreitung ansteckender Affektionen durch passende Maßregeln zu verhindern bemüht war. Es heißt dort nämlich: Hat man einen schwer erkrankten Freund, nach dessen Befinden sich ein Sklave erkundigt hat, so ist es gut, den mit Nachrichten zurückkehrenden Boten nicht in das Haus des Herrn einzulassen, bevor er in einer Badeanstalt ein Bad genommen hat. So verhütet man wohl am ehesten die eigene Erkrankung.
[19] Die Persönlichkeit des Verfassers ist historisch nicht bestimmt festgestellt, keinesfalls ist sie mit dem bei Soranos und Galenos erwähnten Arzte Moschion identisch. Das Werk spielte in der Geburtshilfe lange eine sehr bedeutende Rolle und hatte in der Literatur ein ganz eigenes Schicksal. Es wurde nämlich ins Griechische übertragen (in mehreren Handschriften erhalten) und, da man diese Uebersetzung für das Original hielt, später wieder ins Lateinische zurückübersetzt (ebenfalls in mehreren Handschriften). Vgl. Sorani gynaeciorum vetus translatio latina, in der Soranosausgabe von Val. Rose, Lips. 1882. Aeltere Ausgaben: Μοσχίωνος περὶ τῶν γυναικείων παθῶν, Basil. 1566, und griechisch-lateinisch ed. Dewez, Vienn. 1793. — Einige Handschriften besitzen Abbildungen des Uterus mit Eileitern und Ovarien, welche von Autoren der Renaissancezeit als Vorlage benützt worden zu sein scheinen. „Moschion” benützte auch das der Cleopatra zugeschriebene (wahrscheinlich aus dem 4.-5. Jahrhundert stammende) gynäkologische Werk γενέσια (abgedruckt in Spach, Harmania Gynaecior. Argent. 1597).
[20] Bemerkenswert ist es, daß aus Nordafrika eine ganze Reihe von Männern hervorging, welche sich in der römischen Literatur einen Namen machten, z. B. Fronto, Apulejus, Gargilius Martialis, die Kirchenväter Tertullian, Cyprian, Augustinus, der Rhetor Arnobius, Martianus Capella, die medizinischen Autoren „Apulejus”, Vindicianus, Caelius Aurelianus.
[21] Zu den hervorragenden Anhängern der neuplatonischen Schule zählten auch Aerzte.
[22] Damaskios, der letzte Lehrer der Philosophenschule von Athen, sprach sich folgendermaßen über Asklepiodotos aus: „Von Jugend auf galt er für den scharfsinnigsten und kenntnisreichsten seiner Altersgenossen, indem er unablässig nach allem forschte, was die Natur oder irgend eine Kunst Bewunderungswürdiges hervorbringt. So lernte er in kurzer Zeit alle Mischungen der Farbstoffe und alle zur Verschönerung der Gewänder angewandte Tünchen kennen, ebenso die tausendfachen Verschiedenheiten der Holzarten mit bald gewundenem, bald geradem Verlauf ihrer Fasern. Ferner beobachtete und erforschte er die Eigenschaften und Gestalten der Steine und Pflanzen, nicht nur der gewöhnlichen, sondern auch der seltensten, auf jede Weise. Den Handwerkern machte er viel zu schaffen, indem er sich fortwährend bei ihnen aufhielt und nach allem aufs genaueste fragte. Sehr hohen Wert legte er auch auf die Naturgeschichte der Pflanzen, noch höheren auf die der Tiere, indem er die einheimischen durch eigene Anschauung unterschied, über die fremden so viel als möglich Erkundigungen einzog und las, was die Alten darüber geschrieben.” An dieses Lob knüpfte Damaskios einige Worte, die vom Standpunkt der neuplatonischen Hyperspekulation einen leisen Tadel einschließen, tatsächlich aber dem Asklepiodotos zum höchsten Ruhme gereichen. Er soll nämlich trotz seines tiefen Verständnisses der platonischen Philosophie doch in „der höheren orphischen und chaldäischen Weisheit, die den gewöhnlichen Verstand übersteige”, zurückgeblieben sein und habe (auf ethischem Gebiete) die Theorie auf das Niedere und auf die Phänomene beschränkt, indem er, abweichend von den alten Spekulationen, alles auf die Natur der irdischen Dinge bezog und zurückführte.
[23] Ein verwerfendes Urteil hat Tertullian auch über die angeblichen Vivisektionen des Herophilos mit den Worten gefällt: Ille medicus aut lanius, qui sexcentos homines exsecuit, ut naturam scrutaretur, qui hominem odit, ut nosset, nescio an omnia ejus liquido explorarit, ipsa morte mutante quae vixerant, et morte non simplici, sed ipsa inter artificia exsectionis.
[24] Diese Art der naturphilosophischen Schriften der kirchlichen Autoren nahm ihren Ausgangspunkt von dem Hexaëmeron (Ueber die sechs Tage der Weltschöpfung), welches Basileios der Große (älterer Bruder des Gregorios von Nyssa) verfaßt hatte. In dem von glühender Phantasie, echtem Natursinn, aber auch starrem Buchstabenglauben erfüllten Werke (das später im Abendlande vom hl. Ambrosius lateinisch überarbeitet wurde) fehlte eine Betrachtung über den Menschen. Die Lücke füllten Gregorios von Nyssa und später Nemesios aus. Von Basileios wollen wir hier anführen, daß er in seinen Schriften auffallend viele medizinische Gleichnisse verwendete und sich über den Wert der Medizin äußerst anerkennend ausgesprochen hat. Wie hoch er den ärztlichen Beruf schätzte, geht aus den schönen Worten hervor: ἔστι μὲν καὶ πᾶσιν τοῖς τὴν ἰατρικὴν μετιοῦσι φιλανθρωπία τὸ ἐπιτήδευμα (Brief an den Arzt Eustathios).
[25] Et ideo attendite, quod prius seminatur homo, postea concipitur in vulva et ibi caro formatur, deinde post dies quadraginta septem creatur anima et corpori infunditur (Sermones ad fratres, Sermo 25).
[26] An einzelnen Stellen ist die Rede von Sektionen, welche Gelehrte an Tieren vornahmen, um den Bau der Organe oder Funktionsstörungen zu erforschen.