[7] Der Herausgeber Hermann Graf von Neuenar nennt den Theodorus Priscianus — Octavius Horatianus (Octavii Horatiani rer. medicar. libr. quatuor etc. Argent. 1532). Wellmann (Sammlung der Fragmente griechischer Aerzte, herausgegeben von Wellmann und Fredrich, Bd. I, Berlin 1901) hat gezeigt, daß verschiedene Abschnitte des Anonymus Parisiensis (teilweise ediert von Rob. Fuchs, Rhein. Mus. 1894/95 — wahrscheinlich von dem Eklektiker Herodotos herrührend) mit dem Traktat des Vindicianus übereinstimmen.

[8] Vgl. hierzu die Vorgänger in dieser Richtung Xenokrates (Bd. I, S. 323), Markellos (ibid. S. 336).

[9] Cuius scientiae beneficia vice mutua caritatis humanae cum omnibus infirmis, amicis, notis ignotisque, imo vero cum advenis magis et pauperculis communicare debetis, quia et deo acceptior et homini laudabilior misericordia, quae aegro hospiti ac peregrino egenoque defertur.

[10] Das Latein des Caelius Aurelianus ist ein höchst schwülstiges, zum Romanismus neigendes, auch seine griechischen Kenntnisse (Etymologie medizinischer Technizismen) sind voll von Irrtümern, wahrscheinlich waren beide Sprachen nicht seine Muttersprachen.

[11] Er selbst drückt sich darüber z. B. folgendermaßen aus: Soranus vero cujus haec sunt quae latinizanda suscepimus. ... Soranus autem cujus verissimas apprehensiones latino sermone describere laboramus. Es ist übrigens hervorzuheben, daß im Mittelalter immer wieder der Name des Soranos (nicht der des Caelius Aurelianus) auftaucht und mit Schriften in Verbindung gebracht wurde, die ihm gar nicht angehörten.

[12] Von der lateinischen Uebersetzung der gynäkologischen Schrift des Soranos ist noch ein Fragment erhalten, das dem zehnten Kapitel entspricht und zeigt, daß Caelius Aurelianus wörtlich übersetzt, aber abkürzt.

[13] Im Anschluß an die beiden Fragmente veröffentlichte Val. Rose l. c. die beiden pseudosoranischen Schriften Quaestiones medicinales (lateinische Bearbeitung der pseudogalenischen ὅροι ἰατρικοί vgl. Bd. I, S. 367, durch einen Gegner der Methodiker) und de pulsibus. Die quaestiones medicinales sind nach Art der responsionum libri des Caelius Aurelianus gearbeitet und enthalten in Fragen und Antworten die Erklärung zahlreicher medizinischer Termini, allgemeine Pathologie, Fieberlehre, Pulslehre (sehr kompliziert), Semiotik, allgemeine Chirurgie. Eingeleitet wird das Ganze (wörtlich übereinstimmend mit dem einschlägigen Texte in der pseudosoranischen Schrift in artem medicam isagoge) durch eine recht interessante Hodegetik und Deontologie. Es heißt daselbst bezüglich der Zeit, wann mit dem medizinischen Unterricht begonnen werden soll: sit ergo aetate quidem illa ex qua maxime a pueris homines transeunt ad juvenem, qui est in annis XV. haec enim aetas apta est ad sumendam sanctam artem medicinae. Gewünscht werden vom Jünger zum ärztlichen Berufe passende körperliche und moralische Eigenschaften und eine Vorbildung, die sich auf Rhetorik, Geometrie und Astronomie erstrecken solle. Die Deontologie fängt mit den schönen Worten an: Perspiciamus autem qualem oporteat esse medicum. Sit ergo moribus clemens et modestus cum debita honestate, nec desit ei sanctitas, nec sit superbus, sed pauperes et divites, servos et liberos pariter curet. Una enim est apud eos medicina. Die Schrift de pulsibus wird durch recht interessante Bemerkungen über das Verhalten am Krankenbette (Fragen an den Patienten etc.) und über das Pulsfühlen eingeleitet (comprehensa itaque manu quattuor aut tribus digitis conversis ad arteriam, eorum capitibus in aliquantum premere debebis immobilem custodiens manum, ut etiam vires ordinemque omnemque motus differentiam pulsus comprehendere possis). — Die Form von „Fragen und Antworten” hatte schon Soranos bei der Darstellung gynäkologischer Dinge gewählt.

[14] Hier sei darauf aufmerksam gemacht, daß Empyem in der antiken Pathologie im weiteren Sinne nicht bloß die Eiteransammlung in der Brust, sondern Eiteransammlung im Körperinnern überhaupt bedeutete. Die am Beginne des einschlägigen Kapitels De vomicis sive internis collectionibus, quas Graeci ἐμπυήματα vocant (De morb. chron. V, cap. 10) stehende Definition lautet: Haec enim sunt quae in occultis nata collectiones nuncupantur, ut in splanchnis, ac membrana quae latera cingit, vel in pulmone, aut discrimine thoracis ac ventris, quod Graeci diaphragma vocant, item stomacho vel ventre, jecore, liene, intestinis, renibus, vesica aut mictuali via, vel matrice aut peritonaeo.

[15] De acut. Lib. II, cap. 30-40. Dort finden sich die mannigfachen Theorien der alten Aerzte über den Morb. cardiacus zusammengetragen. Für die Methodiker hatte die Frage, ob Herz oder „Magenmund” Sitz der Affektion, wenig Bedeutung, weil die Behandlung des allgemeinen Zustandes den therapeutischen Angriffspunkt bildete. Hervorhebenswert ist die Empfehlung von Nährklysmen als letztes Mittel. At si omnis spes fuerit absumpta erit per clysterem cibus injiciendus (l. c. cap. 37).

[16] Unter den Vorschriften für die Zubereitung der Milch (Einkochen zu einer gallertartigen Masse) ist namentlich jene bemerkenswert, welche den Zusatz von gebrannten Flußmuscheln während des Einkochens empfiehlt. Um den etwaigen Widerwillen der Patienten zu bekämpfen, verabreichte man das Präparat (vorher in Schnee) eingekühlt.