Die Kriege sind, als noch Lanzen, Keulen und Schlachtbeile mehr im Gebrauch waren, wohl nie sehr blutig gewesen, da Mann gegen Mann gefochten wurde und schon bei einem geringen Verluste die schwächere Partei das Feld räumte, die erbeuteten Köpfe der gefallenen Krieger nahm der Sieger als Trophäe mit und legte sie seinem Oberhäuptling oder dem Könige zu Füßen.
Von dieser scheußlichen Gewohnheit, den Todten und Verwundeten die Köpfe abzuschneiden, lassen die Samoaner auch heute noch nicht, zum mindesten wird, wenn keine Zeit vorhanden ist, die Schändung vorzunehmen, schnell ein Ohr abgeschnitten, dann hat nämlich der Kopf für einen anderen keinen Werth mehr. Missionare und strenge Gesetze sind machtlos dagegen; von der Gewohnheit ihrer Vorfahren, solche Trophäen heimzubringen, wollen sie durchaus nicht lassen.
Besser wurde die Lage auf Samoa auch nicht nach der Ansiedelung der Europäer, und haben die Deutschen als die ersten auch großen Einfluß gewonnen, so hat doch die Nebenbuhlerschaft der Engländer und Amerikaner das Parteiwesen nur verschlimmert. Die Einfuhr von Waffen, namentlich des Winchester Gewehrs, haben den begabten Samoaner, der Landbesitz und große Mengen Kopra für die Erlangung solcher Waffe hergab, zu einem nicht zu verachtenden Gegner gemacht.
Ja der Haß der Fremden gegen die Deutschen, welche den werthvollsten Theil der Insel Upolu in ihren Besitz gebracht hatten, ging so weit, daß sie trotz ihrer geringen Anzahl offen Partei gegen unsere Landsleute nahmen und die Samoaner gegen ihre einstigen Freunde aufstachelten, wodurch deutsches Eigenthum schwere Schädigung erlitt.
Es ist genugsam bekannt, wie thatkräftig die Regierungen eingreifen mußten, um die blutigen Fehden einzuschränken, die blinder Haß und Neid entfacht hatte. Da der deutsche Reichstag im Jahre 1878 den Plan des eisernen Kanzlers, die Samoa-Inseln an Deutschland zu bringen, zunichte machte, als diese noch herrenlos und durch politische Wirren geschwächt waren, hat uns später viel Blut und Leben gekostet; damals war es eine geringe Summe, um welche es sich handelte, hätte man sie bewilligt, die Perle des Großen Ozeans wäre deutsch gewesen!
Unsere aufblühenden Kolonien, die kaum ein Jahrzehnt in deutschem Besitz sind, haben gezeigt, daß der Deutsche auch in seinem eigenen außereuropäischen Besitzthum der rechte Mann der That sein kann, also nicht bloß versteht, anderen Nationen die leicht erworbenen Länder zu bebauen und zur Größe und zum Wohlstand zu verhelfen. Wahrlich genug deutsche Kraft und Einsicht ist anderen Völkern zu gut gekommen, so daß es fürwahr an der Zeit war, dem erstarkten deutschen Volksbewußtsein weitere Kreise zu ziehen, wie es der Begründer des neuen Reiches als ernste Nothwendigkeit erkannte; hemmen läßt sich der gewaltige Trieb einer aufflammenden Volkskraft wohl, aber niederhalten, in andere Bahnen lenken, niemals! Wie später die deutschen Pioniere in Afrika alles daransetzten, für ihr deutsches Vaterland das zu schützen, was das Schwert erkämpft hatte, so würde damals ein gut bebautes, reiches Land schnell unter den Fittichen des deutschen Aars den Frieden und das Volk die Ruhe nach langem Hader und blutigen Kämpfen gefunden haben.
Dagegen wurde den drei betheiligten Mächten Deutschland, England, Amerika die Oberhoheit zugesprochen, dem kleinen Volke aber die Selbständigkeit gelassen. Ohne Zweifel ging das Bestreben dahin, auf diese Weise dem Volke den Frieden zu geben aber die Eifersucht der Fremden vereitelte die gute Absicht. Vor allem gönnten die Engländer und Amerikaner, so geringen Antheil sie auch an Samoa hatten, den Deutschen nicht die Früchte ihrer Mühen, und was im hohen Rathe der Mächte eine Möglichkeit schien, Land und Volk den Frieden zu geben, vereitelte auf Samoa selbst die Eifersucht der Ansiedler. Willkommen war jeder Anlaß, dem vorherrschenden deutschen Einflusse den Boden zu entziehen und dessen Ansehen zu schädigen.
Fürsten und Volk der Samoaner lauschten den Einflüsterungen übelgesinnter Eingewanderter, welche den Zwiespalt der Parteien schlau benutzten und die Fackel des Aufruhrs und der Widersetzlichkeit entflammten. Daß die Deutschen endlich dieses Treibens müde wurden und 1885 auf Mulinuu, dem Gebiete des übel berathenen und feindlich gesinnten Königs Maliatoa, die deutsche Reichsflagge hißten, war ein Akt zwingender Nothwendigkeit. Standen auch 2000 Krieger um Apia bereit, die Flagge niederzureißen und die erklärte Schutzherrschaft aufzuheben, so wurden diese doch durch die Geschütze der deutschen Kriegsschiffe und die beträchtliche Zahl der bewaffneten Deutschen von einem Angriffe zurückgehalten.
Wie jubelten wir alle der stolzen Flagge zu! Ein großer Festtag war es, als, geschützt durch Wall und Graben, durch die Waffen der deutschen Matrosen das Reichspanier sich hoch am schlanken Maste entfaltete. Jener 6. Januar 1885 schien endlich das Sehnen der Deutschen auf Samoa erfüllt zu haben.
Es kam wirklich nach Hissung der Flagge ein kurzer Zeitabschnitt, wo Ruhe und Friede auf der Insel Upolu einzukehren schien; das thatkräftige Einschreiten der deutschen Beamten, der einheitliche Wille, der den Verhältnissen voll gewachsen war, sowie die entfaltete Macht, die den Eingebornen Achtung einflößte, schien bessere Verhältnisse herbeizuführen. Aber anders war es im Völkerrathe beschlossen. Kurz war die Freude aller Deutschen, kurz der Traum von Ruhe und Frieden. Muthlosigkeit, bittere Enttäuschung erfüllte alle, aussichtslos war der weitere Kampf, die Freudigkeit am Ringen um den Preis so hohen Gutes war dahin, als die deutsche Flagge niederging.