Reife, abgefallene Nüsse treiben, wenn sie längere Zeit unbeachtet bleiben, leicht Keime. Häufig sah ich Haufen Nüsse, die mit jungen Schößlingen bedeckt waren, auf freier Erde liegen, es bedurfte nur einer Auspflanzung und der Entwicklung der anspruchslosen Pflanze stand nichts im Wege. Regel ist, daß jeder Baum 30 Fuß Spielraum erhält, aufeinandergedrängt entwickeln die Palmen sich schwerer, wenigstens ist der Ertrag kein guter. Jung und grün gepflückt ist die äußere Schale der Nuß noch verhältnißmäßig weich und inwendig ganz mit farbloser, wohlschmeckender Milch gefüllt.

Diese, wohlschmeckend, kühl und angenehm, stillt zwar den Durst, doch darf man nicht zu viel und zu häufig davon trinken, da sich dann leicht Unterleibsbeschwerden einstellen. Das innere, zarte Fleisch der Nuß, der in der Bildung begriffene Kern, ist für Mensch und Thier nicht minder angenehm.

Zur Zeit der Fruchtbildung, wenn die Faserhülle noch weich und dünn ist, machen sich mit Vorliebe die Ratten daran, die die Bäume, namentlich die etwas geneigten, selbst die höchsten, erklimmen und die Nüsse anschneiden und der angerichtete Schaden ist ganz beträchtlich. Gegen diese Nagethiere vermag der Pflanzer die Früchte nur dadurch einigermassen zu schützen, daß er seine Bäume mit Blechstreifen, über welche die Ratten schlecht hinwegkommen, benagelt, auch gefallene Nüsse möglichst schnell aufsammelt, da die scharfen Zähne der Ratten selbst die zähe Faserhülle und die äußerst harte Schale der Nuß durchzufressen vermögen. Ein Laie, der in den Besitz einer beinahe reifen Nuß gelangt ist, wird schwerlich solche leicht öffnen können, da das Durchschneiden der zähen Faserhülle selbst mit einem scharfen Messer kaum möglich ist.

Der Eingeborne bedient sich dazu eines 2-3 Fuß langen Stockes, den er an beiden Enden zugespitzt hat; dann stößt er das eine Ende in die Erde, faßt die Nuß mit beiden Händen und schlägt damit gegen die Spitze des Stockes, sodaß dieser tief in die äußere Hülle eindringt. Alsdann bricht er, mit der linken Hand den Stock festhaltend, mit der anderen die Schale auf indem er die Nuß kräftig zur Seite biegt; wenige Schläge genügen, und die Nuß ist von der zähen Hülle befreit. Um nun auch die harte innere Schale zu öffnen, schlägt man mit einem Stein oder Messer oder einer anderen Nuß dagegen, dann springt an der getroffenen Stelle die spröde Schale leicht auf, Kern und Milch wird frei.

Soll die fasrige Hülle zu Matten oder Tauwerk verwendet werden, so wird solche für längere Zeit in einen Frischwassertümpel gelegt; die Fasern lösen sich dann auf und lassen sich, gereinigt, leicht auseinander ziehen. Gewöhnlich spinnen die Eingeborenen daraus den Cajar, einen zweidrilligen Faden, aber auch starkes, zähes Tauwerk, jener dient ihnen namentlich dazu, ihre Hütten zu befestigen, die mit Cajar gebunden, selbst vom wirbelnden Orkan nicht leicht niedergefegt werden können. Zuletzt sei noch die harte Kernschale erwähnt, diese, an und für sich nicht weiter verwendbar, wird zur Feuerung benutzt. Sie entwickelt, da sie leicht brennbar ist, eine ganz beträchtliche Hitze.

Lehrreich ist es, zu beobachten, wie gewandt der Samoaner selbst die höchsten Palmen zu erklimmen vermag und die hochhängenden Früchte dieses Baumes zu erlangen versteht. Ein Hinaufklettern ist es freilich eigentlich nicht, eher ein Vorwärtsschieben des Körpers mit Händen und Füßen. Dabei weiß der Eingeborne sich auf eine einfache Weise zu helfen. Der Stamm der Palme, obgleich ziemlich glatt, hat doch eine beträchtliche Zahl leicht vorstehender Ringe, die ehemaligen Blätteransätze, diese geben dem Kletternden dann einen gewünschten Halt, wenn er sich mit dem erwähnten Cajar die Knöchel der Füße so verbindet, daß vielleicht sechs Zoll Abstand bleibt. Wird die Fußsohle gegen den Stamm gedrückt, so findet dieses kurze Tau an den vorspringenden Ringen Halt; mit den Händen immer höher greifend, schiebt sich der Körper bis zur schwankenden Höhe hinauf.

Der hohe Werth der Kokospalme, den auch der Europäer sehr zu schätzen weiß, läßt sich aus dem Gesagten entnehmen; kein größerer Schade kann daher dem Eingebornen zugefügt werden, als wenn man seine Palmen vernichtet, was leider die Samoaner unter sich bei ihren häufigen Parteikämpfen nicht unterlassen. Der siegende Theil schlägt, wenn er Zeit findet, die Anpflanzungen der Besiegten nieder und fügt dadurch dem Unterliegenden einen unersetzlichen Verlust zu.

Auffallend schnell hat der Samoaner sich dem Christenthume zugeneigt, da er sehr empfänglich für das Neue und mit schnellem Auffassungsvermögen ausgestattet ist. Das evangelische und katholische Bekenntniß zählt zahlreiche Anhänger, man kann sagen, dem Namen nach sind die meisten Bewohner der Samoagruppe Christen.

Um so leichter hat der Eingeborne die göttliche Lehre angenommen, als er in ein Labyrinth von Göttern und Götzen gerathen war, aus dem ihm selbst seine reiche Phantasie durch Umstürzen alter und Aufstellung neuer Götter schwer einen Ausweg schuf. Im Allgemeinen war die Anschauung der Allbeseelung der Naturwelt und der Menschen in ihm lebendig.

Etwas eigenartig liegen die politischen Verhältnisse auf Samoa. Das tapfere Volk, in Stämme und Parteien getheilt, schwingt trotz seiner monarchischen Staatsverfassung immer aufs Neue die Fackel des Bruderkrieges, schnell ist es zum Kampf bereit, schnell auch wieder zur Versöhnung, die es durch großartige Feste feiert. Den Frieden aber, der eigentlich nur ein Waffenstillstand ist, können geringfügige Vorfälle leicht wieder stören.