Um zu dem schon erwähnten Palisami oder zu einer Reisspeise, selbst Hühnersuppe, die benöthigte weiße Milch zu erhalten, braucht die kleingeriebene Kernmasse nur in einem Stückchen Zeug oder in Ermangelung dessen in einer weichen, feingewobenen Matte ausgedrückt zu werden, der weiße, wohlschmeckende Saft fließt durch das Gewebe ab, der Rest dient den Hühnern und Schweinen als Nahrung, die sehr gierig nach solchem Futter sind; namentlich muß vor letzteren die auf Matten ausgelegte Kopra geschützt werden, denn mit besonderer Vorliebe eignen sich diese Thiere den wohlschmeckenden, ihnen so mundgerecht gelegten Vorrath an.
Die Kokospalme ist überhaupt der von der gütigen Natur für viele Volksstämme gespendete Universal-Baum; diese erhabene, majestätische Bauart, die vielfältig dem Menschen Nahrung, Kleidung und Obdach giebt, hat auch den zivilisirten Europäer nach Gegenden gezogen, die ein einsam freudloses Dasein bieten, wo er oft mit wilden, selbst kannibalischen Stämmen, schwere Kämpfe bestehen mußte, ehe ein Tauschhandel um die werthvolle Kokosnuß eingeleitet werden konnte.
Die Kokospalme wächst überall in den Tropen, auf Korallen, wo sonst kein Gras noch Strauch zu sehen ist, senkt sie ihre Wurzeln tief ins Gestein und saugt das für sie nöthige Wasser auf, auch auf Hügeln und Bergen, wo der Boden gut ist und genügend Feuchtigkeit halten kann, findet man sie bis zu 500 Fuß überm Meeresspiegel. Auf verwittertem Lavagrunde gedeiht der Baum am besten; ist genügend Raum zur Ausdehnung vorhanden, so erreicht der astlose, schlanke Stamm oft eine Höhe von 90 Fuß, über dem sich die mächtige frucht- und blätterreiche Krone stolz in den Lüften wiegt.
Auf den Plantagen geht man in einem Tempel, der scheinbar endlos sein grünes Dach über viel Tausend Säulen wölbt; man ist wie in einem hehren, mächtigen Dome, unter dessen Wölbung ein reiner, stiller Friede waltet, ein Etwas, das jedem die Majestät der schaffenden Natur vor Augen führt.
Die Blätter der Palme, bis zu 30 Fuß Länge reichend, dienen, ineinander geflochten und schichtweise aufeinander gelegt, dem Eingebornen zur Bedachung seiner Hütten, die meistens rund oder oval nur aus einer Anzahl in den Boden gesetzter Palmenstämme bestehen, in der Mitte ist ein höherer Stamm, der das schräge Dach zu unterstützen hat. Die Wandbekleidung sind aufrollbare Matten, die Nachts, wenn der mattenbelegte Raum als Schlafstätte benutzt wird, niedergelassen werden, höchstens giebt es ein abgetrenntes Heiligthum in jeder Hütte, das Schätze birgt und profanen Blicken nicht zugänglich ist, sonst ist bei Tage das Innere einer Hütte meist immer sichtbar.
Große Geschicklichkeit zeigen die Samoaner im Flechten der Matten, ihrer praktischen Fächer u. s. w. Auch hierfür giebt ihnen die Palme wieder das Material. Die feinen Blätter werden aufgerollt, eine zeitlang gut gewässert, und dann mit einem flachen Stein oder Holz geklopft. Dann verliert sich die Sprödigkeit und jedes Blatt, selbst zu feinen Streifchen leicht auftrennbar, giebt einen weichen, handlichen Stoff. Körbe zum Heimschleppen etwaiger Feldfrüchte oder Nüsse verfertigt sich der Samoaner erst an Ort und Stelle, ein Theil des gewaltigen Palmenblattes genügt dazu, und zwar reißt er die starke Mittelrippe des Blattes so auf, daß er zwei Theile erhält, flicht die schmalen Blättchen in einander, so daß beide Theile nun ein Ganzes bilden, biegt die geschmeidigen Rippen, befestigt sie und in wenig Minuten ist ein starker, fester Korb hergestellt.
Die zähen, biegsamen Rippen der schmalen, langen Blattstreifen werden auch nicht verworfen, sondern dienen, in Bündel gebunden, als Besen. In Ermangelung besserer habe ich mir häufig solche zum Schiffsgebrauch anfertigen lassen, die sich auch gut bewährten.
Die Blüthe der Palme tritt unterhalb der Blätterkrone in länglicher blattähnlicher Form am Stamme hervor, in ihr sammelt sich der süße Saft und zwar in solchen Massen, daß, wenn die Blüthe angeschnitten wird und man die Wunde nicht vernarben läßt, weit über die Dauer der Wachszeit hinaus der Saft fortwährend läuft. Solch ein Baum, dessen Blüthen zur Gewinnung dieses Saftes einmal angeschnitten sind, bringt in Folge davon keine Früchte, giebt aber den wohlschmeckenden, süßen Stoff „Toddy“, den jeder gerne trinkt; frisch ist er ein angenehm kühles Getränk, in Gährung übergegangen, was bald geschieht, wirkt er aber stark berauschend.
Der Palmenbaum wird durch die Entziehung des Saftes natürlich geschädigt, und wenn mit Nachlässigkeit verfahren wird, kann man sagen verblutet sich derselbe und stirbt langsam ab. Meistens werden immer dieselben Bäume zur Gewinnung des Toddy verwendet, da der Eingeborne den Werth der Palme ebenso wie der Europäer wohl zu schätzen weiß, auch ist das Toddystehlen, wozu der Samoaner große Neigung hat, arg verpönt und wird ein Europäer dadurch geschädigt, steht auf Toddy-Raub eine empfindliche Strafe.
Die junge Kokospalme bedarf eines fünfjährigen Wachsthums, ehe sie Früchte bringt, und auch dann muß der Boden gut sein; auf Korallengrund gepflanzt, entwickelt sie sich langsamer und braucht etwa sieben Jahre. Von dieser Zeit aber an trägt sie auch immerwährend Nüsse, obwohl man eigentlich bei den zwei Mal im Jahr eintretenden Haupternten den Ertrag des einzelnen Baumes auf durchschnittlich 100 Nüsse rechnen kann. Drei Nüsse werden gemeinhin auf ein Pfund Kopra gerechnet.