Das Kauen der Kavawurzel ist, wie erwähnt, im Allgemeinen gebräuchlich, doch bürgert sich, wenigstens wo ein häufigerer Verkehr mit Europäern stattfindet, mehr und mehr die Methode ein, diese Wurzel zwischen Steine zu zerklopfen und das unappetitliche Zerkauen mit den Zähnen unterbleibt. Die Zubereitung des Trankes bleibt sonst dieselbe.

Wie bei den meisten Naturvölkern, so herrscht auch bei den Samoanern keine strenge Sittlichkeit, doch darf als Beweis die Veranstaltung des Festes angesehen werden, welches zu Ehren der unbescholtenen Jungfrauen gefeiert wird. Bei diesem folgt Alt und Jung dem Zuge, an dessen Spitze die jungen Mädchen im reichsten Blumenschmuck einherschreiten. So allgemein ist diese Sitte, daß das Fest in jedem großen Dorfe begangen wird. Die Anwesenheit der Europäer ist bei solcher großen Festlichkeit sehr erwünscht, sind sie vorhanden, so wird ihnen der Ehrensitz an der Seite der Jungfrauen zutheil.

In gleicher Weise wie bei den geschilderten Picknicks wird auch hierbei, nur im großartigeren Maßstab, ein opulentes Mahl im grünen Grase unter den Wipfeln rauschender Palmen abgehalten, dem Gesang und Tanz folgt ein Schauspiel in dieser herrlichen, pittoresken Gegend und Umgebung, wie solches eindrucksvoller und natürlicher von den frohsinnigen Kindern eines gesegneten Fleckchen Erde nicht vorgeführt werden kann.

Reinlichkeit des Körpers ist eine Tugend des samoanischen Volkes, hervorgerufen durch die Anschauung, daß dadurch allerlei Krankheiten fern gehalten werden, zu jeder Tageszeit in den kühleren Stunden findet man an den Ufern der aus den Bergen kommenden Flüße und Bäche badende Mädchen und Frauen; ja dies ist so zu einem Bedürfnisse geworden, daß selbst Kranke sich zu den erfrischenden Wassern schleppen.

Um Haut und Körper geschmeidig zu erhalten, reiben namentlich Frauen und Mädchen sich mit Kokosnußöl ein, welches dem Braun der Hautfarbe etwas Glänzendes giebt; gleichwohl geht auch ein scharfer Geruch von ihnen aus, der ein empfindliches Riechorgan beleidigen kann; auch eine aneinandergereihte haselnußgroße Frucht, mit Vorliebe neben Muscheln und Blumenranken als Schmuck getragen, vermehrt den scharfen Geruch des Oels, die Gegenwart eines weiblichen Wesens macht sich sofort dadurch bemerkbar.

Bei beiden Geschlechtern ist das Kopfhaar auffallend stark, andere Haare am Körper, selbst oft der sprießende spärliche Bart des Mannes, werden durch Ausreißen entfernt und wo sie sich dennoch zeigen, solche mit scharfen Glasscherben oder Muscheln abrasirt. Während die Männer sich nach und nach den ganzen Unterkörper tätowiren, haben die Frauen nur einzelne Punkte auf der Brust, und ich muß sagen, erstere müssen bei dem schmerzhaften Verfahren recht starke, wenig empfindliche Nerven besitzen, denn eine Anzahl dicht aneinandergereihter Nadeln, die bis auf eine gewisse Länge in die Haut eindringen, werden, befestigt an einem Holzstück, mit leichten Schlägen eines kleinen Holzhammers eingetrieben und auf diese Weise die einfache Zeichnung ausgeführt.

Das Kopfhaar der Samoaner ist stark und schwarz; findet man bei den Männern rothes, so ist dies künstlich erzeugt und beweist einen gewissen Grad von Eitelkeit. Schlanke Jünglinge, selbst Männer, erscheinen häufig am frühen Morgen mit einer eigenartig weißen Perücke geschmückt, bis über die Schläfe hinaus ist der ganze Kopf in eine starre, weiße Kalkmasse eingehüllt, was den Trägern solcher Kopfbedeckung ein eigenthümliches Aussehen giebt. Dabei sind sie auch noch darauf bedacht, ihre Frisur vor Verletzungen und Unordnung zu schützen.

Die Folge ist, daß unter beständiger Einwirkung von Kalk, der hier leicht aus gebrannten Korallensteinen zu gewinnen ist, das Haar allmählich bleicht und schließlich roth wird, neuer Nachwuchs muß natürlich immer auf gleiche Weise behandelt werden und die Eitelkeit legt dadurch dem sonst trägen und zur Arbeit wenig geneigten Samoaner doch gewisse Beschränkungen auf. Uebrigens ist ein Unterschied in der Sprache wie in der Bekleidung vorhanden. Während nämlich die Taimua, d. h. die Vornehmen, sich einer besonderen Sprache bedienen, im Gegensatz zu der der Faipule, d. h. des gemeinen Volkes, so ist es nur den Häuptlingen und den Mitgliedern einer Königsfamilie gestattet, weiße Lava-Lava, d. h. Lendenschurze zu tragen.

Als um das Jahr 1830 die ersten Europäer sich hier festgesetzt und allmählich der Handel an Ausdehnung gewann, war die Ausfuhr nach Europa vornehmlich Kokosnußöl, welches die Eingebornen in größerer Menge bereiteten, davon ist man aber längst abgekommen und führt die viel billigere Kopra unter Ausnutzung ihrer reichhaltigen Stoffe, die bei der ursprünglichen Oelgewinnung vergeudet wurden, lieber in Mengen aus.

Die Oelbereitung geschah, wie früher so auch heute noch, auf folgende Weise: die reife Kokosnuß wird aufgespalten und von der äußeren fasrigen Hülle befreit, so daß der ölhaltige Kern nur noch von der harten festen Schale umgeben bleibt, der Kern wird dann durch Hin- und Herscheuern auf einem wie eine Säge ausgezackten Stück Bandeisen oder hartem, schmalen Holz klein gerieben und die gewonnene Maße dann in eine Mulde oder alten Kanoe geschüttet. Dann wird sie mit Seewasser übergossen und dem Gährungsprozesse überlassen. Das Oel sammelt sich überm Wasser und kann leicht abgeschöpft werden. Es ist sehr säurehaltig, wird deshalb leicht ranzig und eignet sich schlecht zum Gebrauch, der widrige Geruch hat auch etwas unangenehm Belästigendes an sich.