Von Kraft und Fettgehalt gar nichts verloren, wird nach Verlauf mehrerer Stunden der äußerst zarte Braten behutsam herausgenommen und auf frische Bananenblätter gelegt, dann reißt der Vertheiler mit den Händen das Schwein auf. Allen im Kreise umhersitzenden Theilnehmern am Mahle sind vorher Bananenblätter als Teller vorgelegt worden. Auf diese wirft mit vielem Geschick der eine oder andere Gehülfe des Mundschenks die von diesem mit den Händen in Stücke zerrissenen Fleischtheile, dabei jedesmal den bezeichnend, dem sein Antheil zugeworfen werden soll.

Nach unsern verfeinerten Begriffen ist solche Behandlung des Fleisches sowohl, wie auch der ganze Vorgang etwas unappetitlich, indes stößt man sich weniger daran, da vor den eigenen Augen alles mit peinlichster Sauberkeit vorgenommen wird, auch liegt ein gewisser Reiz darin, Unbekanntes und Eigenartiges kennen zu lernen. So viel ist gewiß, ein jeder läßt sich das zarte Fleisch eines so bereiteten Schweines, das nachträglich mit Salz gewürzt wird, vortrefflich schmecken, dazu die zarten Yamswurzeln und Bananen, duftende Ananas und Orangen als Nachtisch. So wird solches Essen ein lukullisches Mahl, das mit Bier, Whisky und Sodawasser heruntergespült wird.

Gewöhnlich aber haben die theilnehmenden Samoanerinnen noch etwas zur Ueberraschung vorbereitet: nämlich das beliebte, pikante Palisami. In junge Bananenblätter mehrfach eingehüllt, liegt eine weiche, weiße Masse, unsern Windbeuteln vergleichbar, die, von den zartesten Blüthenblättern des Kokosbaumes umgeben, einen scharfen, aber angenehmen Geschmack hat, erzeugt durch die feinen Blättchen, die mit gegessen werden. Das Ganze besteht aus ganz fein geriebenen Kokosnußkernen, durchsetzt mit der weißen Kokosmilch. Der eintretende Säureprozeß trägt viel zum Wohlgeschmack bei.

Die Fröhlichkeit wird dann durch die ungemein wohlklingenden Gesänge der blumengeschmückten Samoanerinnen eingeleitet. Einer Vorsängerin, die Melodien und Text angiebt, folgt der ganze Chor mit einer auffallenden Richtigkeit, die anmuthigen Bewegungen, das taktmäßige Wiegen des Oberkörpers nach dem Rhythmus, das Klatschen der Hände auf den Beinen, Armen, Schultern und Kopf geschieht mit solcher Präzision, daß nur ein angeborenes Talent solche Fertigkeit hervorbringen kann. Nicht minder interessant sind die Tänze; wie auf Kommando bewegen sich die Füße und Gliedmaßen, das Aufreihen und Schließen einer Kette oder Ringes geschieht mit unfehlbarer Sicherheit, dazu kommt der melodische Gesang, kurz, es ist ein Genuß, den Bewegungen der graziösen Gestalten zuzusehen.

Oft habe ich in den Hütten der Eingebornen, wo gerne Gastfreundschaft geübt wird, bei kredenztem Kavatrunk Tanz und Spiel zusehen können und über die Sorglosigkeit der Eingebornen Betrachtungen anzustellen Gelegenheit gehabt, mit welcher die gütige Natur dieses glückliche Volk ausgestattet hat, das durch schöne Gestalt und heiteren Sinn ganz besonders bevorzugt ward.

Bei solchen Vergnügungen sowohl, wie bei einem Besuch in der schmucklosen Hütte des Eingebornen, wird der Nationaltrunk herumgereicht und ist dieser in folgender Weise zubereitet: die grüne Kavawurzel, sonst giftig, wird vollständig an der Sonne getrocknet, bis sie gelb und die Fasern spröde geworden sind, wodurch sie ihre schädlichen Eigenschaften vollständig verliert. Die eigentliche und bei den Samoanern beliebte Zubereitung nun ist: es kauen die jungen Mädchen nach vorgenommener Reinigung des Mundes Theile dieser Wurzel mit ihrem vorzüglichen Gebiß klein, rollen solche in Kügelchen und legen diese in die Kavaschale, eine aus dem Holze des Brotfruchtbaumes künstlich geschnitzte und auf kurzen Füßen ruhende Mulde. Dann werden die Wasserbehälter, vollständige, möglichst große Kokosnüße, die so lange in Seewasser gelegen haben oder mit solchem angefüllt gewesen sind, bis der schmackhafte Kern in derselben sich aufgelöst hat und durch die kleinen Keimlöcher entfernt ist, herbeigebracht, die nach Bedarf vorräthig in oder außerhalb der Hütte hängen und nach vorgenommener Reinigung der Hände wird von ihnen so viel Wasser in die Schale gegossen, als erforderlich erscheint.

Die den Kavatrank bereitende Frau rührt nun mit einem bereitgehaltenen Büschel feiner Fasern von der Banane das Ganze durcheinander, bis das Gebräu eine schmutzig-bräunlich-gelbe Färbung angenommen hat, dabei ist sie mit dem Büschel bemüht, auch das kleinste Fäserchen der aufgelösten Kavawurzel zu entfernen. Ist der Trank bereitet, was durch Händeklatschen den Anwesenden kundgethan wird, so bezeichnet der Hausherr den vornehmsten Gast durch Aufruf und eines der jungen Mädchen hält, sich erhebend, eine durch vielen Gebrauch schön polirte Kokosnußschale über den Kavabehälter und läßt sich den ausgeschwenkten und wieder eingetauchten Faserbüschel darin ausdrücken, oder richtiger, das oft über einen halben Liter fassende Gefäß mit dem Getränke volllaufen. In graziöser Bewegung schreitet das Mädchen dann auf den Bezeichneten zu und kredenzt, vor dem Sitzenden sich neigend, das Getränk.

Hierbei ist es Regel (soll in einer Nichtannahme keine Beleidigung des Wirthes gefunden werden), daß die Schale geleert oder doch daraus getrunken wird, den Rest kann man seitwärts oder über den Kopf hinweg ausschütten und dann das leere Gefäß dem wartenden Mädchen zurückgeben. So geht es in der Runde fort, oft wird auch die große Schale nach Bedarf mehrmals aufs Neue gefüllt. Gesang, an welchem auch die Männer sich betheiligen, hilft ein solches Trinkgelage verschönern.

Die Kavawurzel besitzt auch die Eigenschaft, einem kranken und ermatteten Körper Ruhe zu geben, sowie eine schmerzstillende Wirkung auszuüben, sie hat deshalb weite Verbreitung als Genußmittel auch bei den übrigen Südseeinsulanern gefunden.

In größeren Mengen genossen, wirkt der Kavatrank aber doch berauschend, und bei vollständig klarem Kopfe hat man das Gefühl, als weiche der Erdboden unter den Füßen, eine Art Gefühllosigkeit macht sich in den Beinen bemerkbar und kaum spürt man die Berührung mit dem Boden. Bei einem Ausfluge zu einem landeinwärts lebenden Europäer, wo in Ermangelung von Bier und anderen Getränken von den gefälligen Samoanern reichlich Kava kredenzt wurde und ich als Neuling schließlich auch Gefallen an dem eigenartigen Getränke fand, dessen Wirkung ich nicht kannte, machte ich auf dem langen Heimwege in dunkler Nacht dann die Erfahrung, daß ein neckischer Kobold sein Spiel mit mir zu treiben versuche.