Eine langandauernde Lagerung des Kopras, dessen reicher Oelgehalt bedeutende Wärme erzeugt, bringt durch Eintrocknen schon einen Gewichtsverlust mit sich, mehr aber verliert die Güte desselben durch die erwähnten Thierarten. Bei der Verschiffung des Kopras wird natürlich solch lästiges Gewürm mit in das Schiff übergeführt und monatelanges Lagern großer Mengen Kopra in einem Schiffsraume hat zur Folge, daß namentlich Ameisen und Kakerlaken sich einbürgern, gegen deren Vertilgung nordische Kälte nur das einzige durchgreifende Mittel abgiebt.
Die ausgedehnten Bauten der deutschen Factorei und das dazu gehörige Gelände trägt den Namen „Savala“, die langgestreckte Landzunge, auf welcher sich mehrere kleinere Dörfer als „Songi“ und ganz am Ende die Wohnung des derzeitigen Königs „Maliatoa“ befindet, heißt „Mulinuu“. Gebüsch, Palmen und Brotfruchtbäume bedecken diese Landfläche, die im Hintergrunde ein dichter Mangrovensumpf umsäumt, die Brutstätte der lästigen Mosquitos und des zu Zeiten austretenden Malariafiebers.
Das Klima der meerumrauschten Insel ist im Allgemeinen als ein gesundes zu bezeichnen; wie ich aus eigener Erfahrung weiß, hat der Europäer, den tödtliches Fieber befällt, es meist immer selbst verschuldet und zwar dadurch, daß er die in den Zimmern herrschende drückend heiße Luft durch Oeffnen von Thür und Fenstern während des Schlafes in der thaukalten Nacht zu mildern sucht, deren feuchte Luft zwar angenehm den Körper kühlt, aber auch eine verderbliche Einwirkung auf die Gesundheit ausübt. Wenige Monate nach meiner Ankunft (ein längerer Aufenthalt am Lande war mir vorgeschrieben) hatte ich durch solche Unachtsamkeit mir ein schlimmes Fieber zugezogen; zwischen Tod und Leben rang ich lange, bis doch die Natur, unterstützt durch die Kunst der Aerzte, Sieger blieb.
Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen, das bestätigt sich auch hier selbst bei den Eingebornen; unter anderen Krankheiten sei nur die den Körper verunstaltende Elephantiasis angeführt. Häufig tritt diese Krankheit auf, und wenn sie auch im ersten Stadium noch schmerzlos ist, so schleppt doch der Betroffene ein meistens sehr dick angeschwollenes Bein, das ihm äußerst lästig und am Gehen hinderlich ist, herum, selbst langansässige Europäer befällt zuweilen dieses unangenehme Leiden.
Von der äußersten Spitze der Landzunge Mulinuu führt ein bequemer Weg rings um die Bai nach Matautu, der als eine eigentliche Straße aber erst von der deutschen Factorei an zu betrachten ist. Zur Rechten liegen dort einige gefällige Cottages, im Styl englischer Landhäuser erbaut, mit vorliegenden Gärten und dem freien Ausblick auf den Hafen; die Straße selbst wird von hohen Apfelsinenbäumen beschattet, deren kugelrunde noch unreife Früchte den jungen Samoanerknaben als Spielbälle dienen, indem diese sich die fast nackende, lebhafte Schaar mit Geschick zuwirft.
Weiterhin erst im eigentlichen Matafele, wie die Hauptansiedelung der Europäer benannt wird, reihen sich Häuser zu beiden Seiten der Straße, Hotels, Gastwirthschaften und Privatwohnungen, hinter diesen das Samoanerdorf Matafele. Dem Durstigen winkt hier in den geräumigen Wirthschaften ein kühler Trunk, durch künstliches Eis gekühlt; denn Durst, durch die Sonnengluth erzeugt, hat Jedermann, auch stehen neben Versandbier, das ausnahmslos deutsches Erzeugniß ist, Spirituosen, ja die theuersten Sorten edlerer Getränke jedem zur Verfügung, sofern der dafür geforderte hohe Preis nicht den Geldbeutel zu bedenklich leert, da unter einem Sixhenie, d. h. 50 Pfennigen, nichts erhältlich ist, eine Flasche Bier aber schon zwei Mark kostet und Weine noch bedeutend höher im Preise stehen.
An Vergnügungen fehlt es auch nicht, die meisten Wirthe, dazumal vornehmlich Deutsche, haben neben einem Tanzsaal, wo gelegentlich zum Klavier oder Harmonika jeder mit den hübschen Samoanerinnen, die leidenschaftlich dem Tanze und Spiel sich hingeben, tüchtig das Tanzbein schwingen kann, auch für Liebhaber des Kegelsports gute Bahnen eingerichtet, und diese werden von dem zahlreichen Personal der Factorei und sonstigen Deutschen auch tüchtig benutzt.
Damit freilich sind die hauptsächlichsten Vergnügungen lokaler Art erschöpft, Jagdliebhabern bietet sich solches in anderer Weise, da zahlreiche wilde Tauben und Hühner, selbst verwilderte Schweine in den Bergen zu finden sind; auch sonntägliche Reitausflüge nach den Plantagen Vailele, Vaivase, Vaitele, selbst bis nach Molefenua ausgedehnt, finden viele Theilnehmer, besonders aber sind Picknicks mit Damen, den Kindern einiger langansässiger Europäer, und Samoanerinnen, die ihre lichtbraunen Schwestern oftmals noch an Schönheit übertreffen, für die Jüngeren ein beliebtes Vergnügen, zu deren Veranstaltung Ausflüge in die schönsten Orte der Umgebung von Apia gemacht werden.
Hierbei fehlt, was ich gleich erwähnen will, gewöhnlich nicht der bei den Samoanern so beliebte Schweinebraten, und wenn auch sonst der stolze Eingeborne sich nicht herbei läßt, eine Handreichung zu thun, so übernehmen bei solcher Gelegenheit die Aufgeforderten doch gerne das Amt eines Mundschenks und bereiten eigenhändig nach ihrer Weise den köstlich duftenden Braten.
Nach der Anzahl der Theilnehmer wird ein mittelgroßes Schwein vorher geschlachtet, sehr sauber gereinigt und zerschnitten bereit gelegt. In einer Grube, die rings mit Steinen ausgefüllt ist, werden diese durch ein in derselben entzündetes Feuer glühend heiß gemacht, das Schwein in große Bananenblätter fest eingewickelt, wird nach Verlöschen des Feuers dasselbe dann in die Grube gebettet und auch mit ebenso heißen Steinen zugedeckt, worüber dann Erde geschüttet werden muß, um zu verhindern, daß die Hitze entweicht.