Erschwert wird daher auch das Auffinden der Einfahrt, die zum Hafen von Apia führt; namentlich für einen mit den Verhältnissen und den Strömungen nicht vertrauten Schiffsführer hat die erste Ansegelung etwas Schwieriges. Wohl geben der Apia-Berg, ferner auf diesem und die an dessen Fuße auf dem kleineren Waea-Hügel errichtete Baken und Feuer ein gutes Merkzeichen, doch diese sind nicht immer, wenn Dünste und feuchte Nebel darüber lagern und tiefhängende schwere Regenwolken das Innere der Insel verhüllen, aus größerer Entfernung sichtbar und selbst der Hafenlootse kann sich bei bewegter See auch nicht immer weit aus dem Schutze der Riffe herauswagen, um dem irrenden Schiffe als Wegweiser zu dienen. Dazu kommt, daß der nach Westen setzende Strom ein Schiff leicht über die Peilrichtung der gegebenen Zeichen hinaustreibt, und manchem Führer geht es so wie es auch mir ergangen ist, daß er, gegen schwachen Ostwind kreuzend, weit fortgetrieben wird und er Tage braucht, ehe er die Höhe des Hafens wieder erreicht.

Man bezeichnet auch den durch den im Apia-Hafen mündenden Vaisigano-Fluß gebildeten Wasserfall, der landeinwärts bei dem Dorfe Maniani liegt, als gutes Merkzeichen, da er im Sonnenlichte hell blinkend seine Wasser aus beträchtlicher Höhe abstürzt und auch weit von See aus sichtbar ist; allein da solche Fälle bei günstiger Beleuchtung an der Nordseite der Insel mehrere zu sehen sind, so ist der Vaisigano-Wasserfall kein untrügliches Zeichen. In den Monaten Mai bis November wird man indes hier meistens immer klares Wetter antreffen und es dann nicht schwierig sein, die Einfahrt in den gut geschützten Hafen zu finden.

Es war am 19. November 1884 als wir, schon nach hereingebrochener Dunkelheit, den sicheren Hafen erreichten und ich nach einer Reise von 175 Tagen (der Aufenthalt in Melbourne eingerechnet) das Land betrat, wo für mich eine jahrelange Thätigkeit im Dienste der deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft vorgesehen war. Dem Fremdartigen, das einem in fern entlegenen Ländern entgegentritt, wendet man anfänglich seine ganze Aufmerksamkeit zu; so fühlte man sich auch hier, wo schon die reiche Tropenwelt, die ganze Großartigkeit der Scenerie die Sinne gefangen nahm, versucht, die gewonnenen Eindrücke auf sich wirken zu lassen, und das Wohlgefälligste, was dem Beobachter hier in diesem schönen Erdenparadiese entgegentritt, sind die Bewohner dieses gesegneten Landes selbst.

Stolze, stattliche Gestalten sind die Männer, groß und schlank gebaut, Klugheit und Kraft verrathend, soweit letztere aus dem stolzen Gang und dem wohlgenährten Körper ersichtlich ist. Der Körper ist bis auf den Lendenschurz, den Lava-Lava, den sie gefällig um die Hüften tragen, nackt, die Beine fast bis zum Unterleib tätowirt, stechen die blauen Streifen oder Ringe von der lichtbraunen Farbe des Körpers auffällig ab. Die Frauen sind selten über Mittelgröße, haben hübsche, anmuthige Gestalten, zeigen Sanftmuth und gefälliges Wesen, vor allem, wenn noch Jugendreiz sie schmückt und sie ihre Schönheit durch die duftenden Kinder der hier üppig blühenden Flora zu heben bemüht sind, die sie kranzartig sich in das starke, mähnenartige, schwarze Haar einflechten.

Ein sorglos glücklich Volk, dem die Natur ihre reichen Schätze ohne Arbeit und Müh in den Schooß wirft, scheinen diese Ureinwohner zu sein. Wohin man den Blick wendet, Früchte beladene Kokospalmen, vereinzelt oder in großen Gruppen, Apfelsinen und Brotfruchtbäume neben der zuckersüßen Banane, der wohlschmeckenden, nahrhaften Yamswurzel, dem Zuckerrohr und der Taroknolle, machen die Hauptbestandtheile der Nahrung der Eingeborenen aus, nur die letzten Arten bedürfen der Anpflanzung und sehr geringer Pflege. Der Palmenbaum, der Milch, Oel und saftigen Kern giebt, Gewebe und wohlschmeckendes Getränk, um Dörfer und Hütten gepflanzt, genügte allein schon den Eingebornen zu sättigen und zu befriedigen. Nicht die Größe des Flächenraumes schätzt dieser deshalb hoch, sondern die Zahl der Palmenbäume, die ihm zu eigen gehören.

Der große Hafen von Apia, durch die vorspringende Matautuspitze und die weitgestreckte schmale Landzunge Mulinun gebildet, durch die weit in See sich erstreckenden Riffe eingeengt und eigentlich erst geschaffen, bietet genügenden Raum und Wassertiefe für eine ganze Anzahl großer Schiffe; der kleinere Hafen hingegen ist etwas beengt, bietet aber für jedes Schiff, wenn solches wegen seines Tiefganges nicht im großen verbleiben muß, eine noch gesichertere Lage. Uebrigens ist der kleine Hafen eigentlich nur der Ankerplatz für die der Plantagen-Gesellschaft zugehörenden Schiffe.

Auffällig und sofort ins Auge fallend sind die großen Bauten der Deutschen Handels-Gesellschaft, vor allem das gefällige Hauptgebäude, das in seiner Ausdehnung nicht bloß die Kontore, sondern auch die Wohnung des derzeitigen Chefs, des Herrn Konsuls Weber, sowie aller im Innern-Dienst Angestellten enthält.

Das Innere des großen Quadrats nimmt ein gefälliger Ziergarten ein, dessen Bäume und Pflanzen viel dazu beitragen, die heiße Schwüle der Abende zu mildern und erfrischende Kühle verbreiten. Alle Häuser der Europäer, aus Holz erbaut, das nach Bedarf von amerikanischen Schiffen eingeführt wird, stehen um einige Fuß über dem Erdboden erhöht meistens auf gemauerten Korallenpfeilern. Es ist dies insofern eine zwingende Nothwendigkeit, als, abgesehen davon, daß während der Regenzeit vom November bis April, die Feuchtigkeit fern gehalten wird, dem zahlreichen Ungeziefer nach Möglichkeit gewehrt werden muß.

Ratten in Unmenge, Ameisen zu Milliarden bürgern sich in den Häusern gar zu gerne ein und namentlich gegen letztere, die durchaus nichts, was eßbar ist, verschonen, kämpft hier der Mensch vergeblich an. Um diese kleinen geschäftigen Thierchen, die unter Dielen, in den Holzfüllungen ihre Heimstätte aufschlagen, nur einigermaßen vom Genießbaren fernzuhalten, müssen Tischbeine, überhaupt alle Gefäße, die Eßbares enthalten, in Wasserbehälter gestellt werden, das ist die einzige Methode, mit einigem Erfolge Speisen, Früchte u. s. w. vor Verderben durch Ameisen zu schützen.

Ein wahres Heer voll Ungeziefer aber beherbergen die Kopraschuppen, jene Gebäude, welche aufgespeicherte Vorräthe an getrockneter Kokosnuß enthalten. Kopra ist der in Stücke geschnittene und an der Sonne getrocknete Kern der Nuß, jenes werthvolle Erzeugniß, das in Europa die feinsten Oele, Seifen, Säuren u. s. w. giebt und jederzeit hoch im Preise steht. In solchen Gebäuden wimmelt es von Ratten, Käfern, Kakerlaken und Ameisen, die hier überreiche Nahrung finden, Tausendfuß und anderes gefährlicheres Gewürm, selbst den Skorpion habe ich zuweilen an anderen Orten bemerkt.