Ist die dem Lande vorgelagerte Riffmasse passirt, so öffnet sich der von Korallenbänken und Riffen umgebene sichere Hafen von Saluafata, der zu dieser Zeit schon von den deutschen Kriegsschiffen als bester Depotplatz und Gesundheitsstation anerkannt und benutzt wurde. Alle Riffe, von See aus gesehen, scheinen direkt mit dem Lande verbunden zu sein, wenigstens läßt das grünschimmernde Wasser, sobald die ausgedehnten Bänke damit bedeckt sind, solches anfänglich vermuthen, in der That aber bilden diese häufig ein zwar vielfach geformtes, doch getrenntes Ganze für sich, so daß selbst bei der Ebbe es für ein Boot möglich ist, dicht unter Land oder in geringer Entfernung davon innerhalb der Riffe im ruhigen Wasser zu fahren. Selbst die Kriegskanoes der Eingeborenen, 40 und mehr Mann fassend, benutzen nur diese Wasserstraßen, um von Ort zu Ort zu gelangen, obwohl diese sich auch nicht scheuen, mit den leichtgebauten Fahrzeugen auf die offene See hinauszurudern, wenn das Meer ruhig ist und eine Nothwendigkeit dazu vorliegt.

Angebracht scheint es mir hier, gleich über die Entstehung, Fortpflanzung und Bildung der Korallenbänke eine kurze Beschreibung zu geben, weil im Laufe dieser Erzählung vielfach der gefährlichen Korallenbänke wird Erwähnung gethan werden.

Die Koralle, eine Polypenart, siedelt sich am häufigsten in den tropischen Gegenden an, an geschützten Küsten oder auf nicht tiefer als 50 Meter liegendem Meeresgrunde, sind die Bedingungen zur Fortpflanzung günstig, d. h. reichliche Nahrung und eine nicht unter 18° C. sinkende Wassertemperatur vorhanden, so breiten sie sich sehr schnell aus und bilden durch das Absterben der Milliarden kalkhaltiger Thiere allmählich eine feste steinige Masse.

Sie wächst bis zur Ebbegrenze, d. h. bis zum niedrigsten Stande des Meeresspiegels, dann hört aus Mangel an genügender Nahrungszufuhr ihr Wachsthum auf, dafür aber dehnen sie sich nach der offenen See mehr und mehr aus, selbst die schweren, auf solchem Randriff brechenden Wogen hindern die Thierchen nicht am Weiterbau. Lücken, durch sehr schwere Brandung hervorgerufen, füllen sie schnell wieder. Meistens bildet der äußere Rand eines Riffes eine steile Wand, was namentlich der Fall ist, wenn an solchem die Wassertiefe schon beträchtlich ist.

Um es zu verstehen, daß selbst auf abschüssigem Grunde ein Korallenriff an Ausdehnung gewinnen kann, muß man bedenken, wie die Korallenthiere bis zu der Tiefe von 50 Meter immer weiter an gebildeten Bänken fortbauen, so über großen Tiefen frei hängende Massen bilden, die schließlich durch die Gewalt der See oder ihrer eigenen Schwere abbrechen und versinken. Solche abgestürzten Massen aber, im Laufe der Zeiten übereinander gethürmt, geben den Thieren immer neue Ansiedelungspunkte und die Folge ist, daß an vielen Riffen eine steile, senkrechte Wand gefunden wird, die aus einer Tiefe von mehreren hundert Fuß bis zur Oberfläche des Meeres aufragt.

Eine eigenthümliche Erscheinung ist ferner, daß an der Mündung von Bächen und Flüssen die Koralle sich nicht ausbreitet, es erklären sich hierdurch die kleineren oder größeren Riffpassagen, die man bei Wallriffen unter Inseln oder Festland immer findet. Der Grund dafür ist, daß den Korallenthieren durch das Süßwasser die benöthigte Nahrung entzogen wird und sie naturgemäß absterben, oder, wo durch brandende See ihnen solche doch noch zugeführt wird, sich nur äußerst langsam ausdehnen. Ebenso werden die Thierchen an der gedeihlichen Fortpflanzung unter Land auch dadurch gehindert, daß, während schon an und für sich das Meer ihnen geringere Nahrung zuführt, die Landwinde vom Ufer vielen feinen Staub abwehen. Dadurch erklärt es sich, wie häufig in der Nähe des Landes die Koralle das Weiterbauen eingestellt hat und Durchfahrten für Boote und Kanoes freigeblieben sind. Orte, wo die Koralle im Meere nicht gedeiht, sich vielleicht überhaupt nicht angesiedelt hat, wie man solchen Vorgang an Inseln beobachten kann — eine Seite derselben ist mit Riffen eingefaßt, die andere nicht — ist fast immer auf eine kältere Meeresströmung zurückzuführen, die unter Küsten oder Inseln hinzieht.

Das ausgedehnte Gebiet des Großen Ozeans, dessen weitverzweigte Inselwelt vielfach heute noch ein Vulkanheerd ist, bringt hin und wieder plötzliche Veränderungen hervor, für Jahrtausende beständig gebliebene Riffe versinken oder heben sich. Tritt solche Verschiebung ein, sinkt z. B. ein Riff unter die Meeresoberfläche, so baut sich die Koralle ungemein schnell auch auf schon erstorbenen Flächen wieder an und führt das Riff zur Meeresoberfläche; hingegen heben sich unter Wasser gebildete Bänke, was zur Folge hat, daß im größeren Umkreise auch der Meeresboden gehoben wird, so nimmt die Koralle am Randriff ihre Arbeit wieder auf, da sie auf einer Tiefenlinie von ungefähr 2000 Meter nicht weiter bauen kann, weil der in solcher Tiefe große Kohlensäuregehalt des Meerwassers einen Weiterbau verhindert.

Was die Bildung der Korallen-Inseln anbetrifft, so entstehen solche nur durch Anhäufung losgelöster Korallenblöcke, die durch schwere Seen bei Stürmen oder Orkanen auf das Riff getragen werden. Ueberwiegt auch am Riffrande das Wachsthum der Koralle den Verlust, welcher durch die unablässig anbrandenden Wogen entsteht, die solche Theile und Theilchen loslösen und auf dem Riffe ebenfalls ablagern, so tragen doch diese dazu bei, schon etwa über Fluthhöhe angehäufte harte Korallenmassen zu verbinden und heftige Winde thun das Ihre, zu Zeiten der Ebbe den leichten Korallenmörtel immer höher aufzuhäufen. Dann fehlt nur noch die Vegetation; angeschwemmte Kokosnuß und Pandanuß finden fruchtbaren Boden; Samen, von Seevögeln oder den Wogen zugetragen, keimen auf der kleinen Fläche, die hierdurch auch immer mehr an Ausdehnung gewinnt, bis im Laufe der Zeiten Inseln von beträchtlichem Umfange entstehen.

Bei der Beschreibung des Marschall-Atolls und anderer werde ich auf deren muthmaßliche Bildung zurückkommen, obgleich die Entstehung der heutigen Inselgruppe auf ganz gleiche Vorgänge zurückzuführen ist.

Sieben Seemeilen weiter westlich von dem, dem Hafen von Saluafata vorgelagerten Riffe — die Küste zeigt auf dieser Strecke nur wenig Korallenbildungen — erhebt sich von der Vailele-Bai erst wieder das massive, von hier die ganze Küste westwärts umfassende Korallenriff. Die brandenden Wogen an denselben mahnen zur Vorsicht, man ist deshalb gewohnt, einen größeren Abstand zu halten, als bei günstigem Winde nöthig wäre, da die Wassertiefe fast überall bis dicht unter das Riff beträchtlich ist.