Der ganze Südseehandel beschränkt sich in der Hauptsache auf Tabak, Seife und Zeug, namentlich für Volksstämme, die erst wenig mit dem weißen Manne in Berührung gekommen sind. So boten auch hier für ein Geringes die Eingebornen Speere, Muscheln und Nüsse feil, vor allem war Tabak der begehrteste Artikel. Im Gegensatze zu den Booten der Samoaner, die solche sich von ganz beträchtlicher Ausdehnung erbauen, sind die Kanoes dieser Niue-Leute nur klein und behende, aber nett mit Muscheln und anderem Zierrath ausgeschmückt, der vornehmlich rings um die Bordwand befestigt ist; auch sind diese Fahrzeuge vorne und hinten überdeckt, um das Einschlagen der See, wenn sie, zum Fischen ausziehend, die Brandung passiren müssen, zu verhindern.
Sehr fischreich sind namentlich die Gestade aller Inseln, und wie ich gelegentlich anführen werde, wissen ihre Bewohner sich mit besonderem Geschick der wohlschmeckenden, fliegenden Fische zu bemächtigen. Auf freier See aber herrscht sehr zahlreich der gefürchtete und gefährliche Hai, ein Zeichen, daß derselbe auch im tiefen Wasser reichlich Nahrung findet, und solche sich nicht nur in Buchten oder in der Nähe des Landes zu suchen braucht.
Auf der Rückreise, die durch Windstillen verzögert ward, fanden wir immer den Hai als treuen Begleiter, und war die See ruhig, die Fahrt des Schiffes gering, so kamen langsam die Haie durch die klare Fluth heran, das Schiff nach Beute umkreisend. Wenn wir einen dieser gefährlichen Gesellen fangen wollten, so wurde die Lockspeise, ein Stück Fleisch, an starker Leine ins Meer geführt, und war der Hai hungrig, besann er sich nicht lange, sondern faßte, sich auf den Rücken legend, gierig zu. War Fleisch und Haken verschluckt, so gab es keine Möglichkeit mehr für ihn, sich zu befreien; von Schmerz gepeinigt, peitschte der Hai mit dem kraftvollen Schwanze die Fluthen und es hatte dann seine Schwierigkeit, das gefangene 8-10 Fuß lange Thier an Deck zu bringen und nicht eher gelang es, bis es erschöpft war und auch der Schwanz fest in einer Schlinge lag. An Deck geschafft, peitschte der Hai die Planken, daß diese erzitterten, und rathsam war es nicht, sich in seine gefährliche Nähe zu wagen. Erst ein Axthieb, der die Schwanzflosse vom Rumpfe trennte, führte die Verblutung herbei und allmählich entfloh das zähe Leben des Thieres.
Auch mit der Schlinge, auf deren Handhabung ich zurückkommen werde, habe ich viele Haifische gefangen, namentlich wenn ich Samoaner als Besatzung an Bord hatte, für die der Hai eine Leckerspeise ist, nahm ich mir dazu die Zeit und fing zuweilen 2-4 Stück hintereinander. Auffällig war mir dabei, daß die Leute immer erst die Leber eines getödteten Haies untersuchten; war diese nach ihrer Ansicht zu groß oder zeigte sie sonst besondere Eigenheiten, so wurde das Thier nicht gegessen, sondern über Bord geworfen. Aber nicht bloß bei den Samoanern, auch bei den benachbarten Insulanern fand ich solche auffällige Untersuchung der Leber des Haifisches. Mitunter wurden eingehende Betrachtungen über die Lage und Länge derselben vorgenommen; entstanden Zweifel und Meinungsverschiedenheiten darüber, so war meist immer der endgültige Beschluß, daß das Thier verworfen wurde.
Fast bin ich jetzt geneigt, da ich nicht dahinter kommen konnte, was solche Untersuchung zu bedeuten habe, anzunehmen, daß ein weitverbreiteter Aberglaube damit in Verbindung gebracht, oder daß der Leber des Haies eine medizinische Eigenschaft zugesprochen wird. Vielleicht auch erkennen die Eingebornen an bestimmten Zeichen, ob das Thier gesund oder krank gewesen ist. In den Fällen, wo ich mir Klarheit darüber zu verschaffen suchte, erreichte ich solche nicht, möglicherweise aus dem Grunde, weil ich nicht der verschiedenen Sprachen mächtig genug war, um die Auseinandersetzung zu verstehen.
Die treuen Begleiter der Haie, die Lotsenfische, schön gezeichnete Thierchen von der Größe eines Makrels, schwimmen gewöhnlich, 2-4 an der Zahl, über dem Hai, sie suchen, wie angenommen wird, für diesen Nahrung auf und kehren stets in dessen sichern Schutz zurück. Ein jeder Hai soll solche Führer haben; indes so häufig ich auch solche gesehen habe, ebenso oft fand ich, namentlich wenn mehrere Haie beisammen, diese ohne ihre Begleiter. So viel ist gewiß, der Hai, mag er noch so hungrig sein, wird sich doch nicht an seinen Wegweisern vergreifen; zum schnellen Schwimmen selbst zu träge, überläßt er vermuthlich es den flinken Fischen, für ihn Nahrung zu suchen. Wohl bekannt ist es den Seeleuten, daß der Pilotenfisch sehr schmackhaft ist, indes nur einmal war es mir möglich, einen solchen mit Mühe zu erlangen, obwohl dieselben längere Zeit noch beim Schiffe verbleiben, nachdem der Hai, den sie begleiteten, weggefangen worden. An Köder beißen die Piloten nicht, höchstens gelingt es ihrer mit dem Elker, d. h. Wurfeisen, habhaft zu werden.
Im Anfang des Jahres 1885 mit der Führung eines der kleineren der Plantagen-Gesellschaft zugehörenden Schiffes betraut, wurde ich beordert, eine Reise durch die gesammte Tonga-Gruppe, den sogenannten Freundschafts-Inseln, zu unternehmen. Im Augenblick der Abreise wäre mir aus Mangel an Raum im kleinen Hafen (Apia) bald die Riffspitze Kap Horn, worunter vier Jahre später das deutsche Kriegsschiff „Eber“ mit seiner braven Besatzung versank, verhängnißvoll geworden. Durch die Strömung wurde das Schiff aus seiner Richtung gedrängt, von der einlaufenden See, gegen welche die Kraft der das Schiff bugsirenden Mannschaft zu schwach war, nach dem Kap hingeworfen und nur ein schnell Hülfe leistendes Boot verhinderte die Katastrophe. Da wir schon zu nahe dem Riff waren, so hätte ein Aufstoß genügt, Ruder und Hintersteven des Schiffes, schwerbeladen wie es war, auf den Korallensteinen zu zertrümmern und aus der gurgelnden Tiefe des hier weit unterhöhlten Riffes hätte es für Schiff und Mannschaft keine Rettung gegeben — aber zufällige Hülfe kam zur rechten Zeit.
Nachdem wir die offene See gewonnen hatten, verlor ich mit umlaufenden Winden, wie sie in dieser Jahreszeit häufig sind, ostwärts steuernd, bald die in dichten Wolkenschleier gehüllte Insel Upolu aus Sicht. Bestrebt, westlich von der Tonga-Gruppe zu laufen und so Tonga-tabu zu erreichen, da der vorherrschend westliche Wind eine schnelle Reise in Aussicht stellte, hatte ich am dritten Tage bereits die Vulkan-Insel Amargura gesichtet, eine namentlich an der Süd- und Südostseite steile Insel mit dem 375 Meter hohen Krater, an dessen Abhängen leichte Rauchwolken hervorquollen, ein Zeichen, daß er nicht ganz erloschen ist. Da sprang mit schweren Gewittern und harten Windböen der Wind südlicher und zwang mich, der zehn Seemeilen südöstlich liegenden 30-40 Meter hohen Insel Toku auszuweichen. Als der Wind immer härter wehte und schließlich bis zum Sturm wuchs, hatte ich noch Zeit, Schutz unter der hohen Insel Vavau zu suchen, ehe das Schiff von der wildlaufenden See zum Beidrehen gezwungen wurde.
Unter dichtgerefften Segeln wurde eine schlimme Nacht verbracht, mit dem neuen Morgen aber brach sich die Gewalt des Sturmes und eine starke Nordwestbrise trieb das Schiff durch die wilde See nach Süden, östlich der Hapai-Gruppe, an den langgestreckten Korallen-Inseln Haano, Foua, Lefuka und Ouia entlang. Die vielen gefährlichen Riffe dieser Gruppe meidend, kam am 7. Tage früh die hohe Vulkan-Insel Eoua in Sicht. Nachdem wir darauf die gleichartige kleine Insel Enaigee erreicht hatten, kreuzte ich die tiefe östliche Einfahrt, welche zwischen der großen Insel Tonga-tabu und den vorgelagerten Korallenpatschen und Inseln hindurchführt, auf und gelangte sicher zum Hafen von Nukualofa.
Im Schmucke immergrüner Palmen liegt die flache, wenige Erhebungen aufweisende Insel langgestreckt vor den Augen des Beobachters. Kultur und fortschreitende Gesittung haben auch hier festen Fuß gefaßt, hoch über die Wipfel der Palmen ragt die Kirche empor; großartig ist der Königspalast; freundlich aber und heimisch erscheinen die vom Strande zurückliegenden europäischen Gebäude und bekunden, daß auch hier eine Stätte regen Handels und Verkehrs geschaffen wurde.