Vor allem ist es die deutsche Factorei, geleitet vom deutschen Konsul Herrn v. Treskow, die sofort ins Auge fällt; auf Pfeilern errichtet, wie alle Tropengebäude hier, war derzeit dieses Haus mit seinem freundlichen Wirth das besuchteste.

Sämmtliche Tonga-Inseln, mit Ausnahme der meist hohen Vulkan-Inseln, sind Korallengebilde, einige sind von großer Ausdehnung, wie die Tonga-tabu und die schon erwähnten Haano und Foua. Diese haben eine fruchtbare Erdschicht und ein reiches Pflanzenleben hat sich darauf entwickelt; neben der stolzen Palme sind Brotfruchtbäume, Papiermaulbeerbäume, die den Bewohnern ihre Bekleidung, Tapa genannt, liefern, Zuckerrohr, Bananen, selbst Baumwollen- und Feigenbäume zu erwähnen.

Die Eingebornen, derselben Rasse wie die Samoaner zugehörig, zeigen mehr Verständniß für Landbau und Fischfang, als diese, freilich können diese Inseln auch nicht mit Samoa einen Vergleich bestehen.

Kein Naturvolk hat so schnell und leicht das Christenthum angenommen wie diese Tonga-Insulaner, rasch gewannen die Missionare großen Einfluß, Schulen und Bildungsanstalten förderten das Werk. Das Volk, bildungsfähig und begabt, hatte bald eigene Lehrer aufzuweisen; oft habe ich eingeborne Missionare von Insel zu Insel gebracht. Da die Kirchen und Schulen immer gut besucht, so ist ein Fortschritt in der Bildung dieses Volkes leicht erklärlich. Was aber leider ernste Besorgniß erwecken kann, ist der Umstand, daß verschiedene Religionssekten mit gleichem Eifer bestrebt sind, unter der nicht zahlreichen Bevölkerung ihren Glauben zu verbreiten. Es ist zu befürchten, daß auf diese Weise Spaltungen im Volke entstehen, die üble Folgen haben können.

Der ehemalige englische Missionar Baker, langjähriger Premierminister des Königs Georg I., entging zwar dem Angriffe einer fanatischen Horde in Nukualofa, seine erwachsene Tochter aber, die die tödtliche Waffe traf, ward ein Krüppel. Soweit ich unterrichtet, war dieser Anschlag eine Ausgeburt wilden Hasses, gerichtet gegen den Vertreter einer großen Kirchengemeinde, den gefürchteten und gehaßten Staatsmann.

Die ganze weitverzweigte Tonga-Gruppe bildet ein einheitliches Reich, das damals von dem alten Könige Georg regirt wurde. Neben unserm ehrwürdigen deutschen Kaiser Wilhelm der älteste Monarch, steht dem Herrscher eine gesetzgebende Versammlung von angesehenen Häuptlingen zur Seite, die auch als Statthalter die verschiedenen zum Reiche gehörenden Inselgruppen verwalten. Sitz der Regierung und Residenz des Königs ist Nukualofa.

Ein Freundschaftsvertrag ist mit dem deutschen Reiche am 1. November 1876 vom Könige Georg abgeschlossen. Trotz des englischen Einflusses hätte wohl erwartet werden können, daß die so erworbenen Vorrechte gewahrt bleiben würden, aber wie in Samoa, so ging auch hier der einst mächtige deutsche Einfluß allmählich verloren, englische Politik wand den Deutschen einen fast sicheren Besitz aus den Händen.

Stolz prangt im Königspalaste zu Nukualofa das Reiterstandbild unseres großen Kaisers in natürlicher Größe, und nicht unbekannt sind diesem Volke dessen Thaten geblieben; auf dieses Bild sah mit Bewunderung jeder Insulaner und pries den großen, mächtigen Herrscher der Deutschen.

Tags zuvor, ehe ich in Tonga-tabu eingelaufen, war der Sohn des Königs Georg, der Thronfolger, gestorben und große, allgemeine Landestrauer herrschte überall. Alle Vornehmen des Volkes, soviel ihrer nur die königlichen Schiffe zu fassen vermochten, waren nach der Insel Ouia, dem Begräbnißplatze der Königsfamilie, abgesegelt. Der deutsche Konsul, dem kein eigenes Schiff zur Verfügung stand, unmöglich aber als Europäer auf den überfüllten kleinen Segelfahrzeugen der Eingebornen die lange Reise unternehmen konnte, beeilte sich sehr, als sich nun doch noch Gelegenheit fand, mit meinem Schiffe die Reise zu machen, das Schiff abzufertigen und nach eintägigem Aufenthalt verließ ich, mit der Familie des Konsuls an Bord, nordwärts steuernd, Tonga-tabu.

Günstiger, frischer Wind konnte es allein möglich machen, am Begräbnißtage Ouia noch zu erreichen. Aber obwohl ich den Weg zu kürzen suchte und durch mir unbekannte Korallenbänke lief, so kam doch erst am Abend des zweiten Tages Ouia in Sicht. Da ich inmitten von Korallenriffen nirgends sicheren Ankerplatz fand, die Insel selbst aber zu weit entfernt war, als daß ich solche gegen Ostwind aufkreuzend, in der Nacht erreichen konnte, so wurde ich gezwungen, die freie See wieder aufzusuchen. In dunkler Nacht die gewaltigen Krater-Inseln Kao (5000 Fuß) und Tasoa (etwa 2500 Fuß), nur durch eine schmale Straße von einander getrennt, als weit sichtbare Punkte im Auge haltend, suchte ich das Schiff in der Nähe der Außenriffe zu halten, um mit Tagesanbruch aufs Neue nach Ouia aufzukreuzen oder wenigstens die südliche Einfahrt durch die Hapai-Gruppe zu gewinnen.