Mit starrem Blicke, in dem die Todesangst geschrieben, schaute er dem enteilenden Schiffe nach — die nächste Woge bedeckte ihn und wir sahen nichts mehr. Eine Rettungsboje ergreifend und über Bord werfend, das Schiff in den Wind jagend, war das Werk weniger Sekunden — so furchtbar vom starken Winde auch die Segel gepeitscht wurden, das Schiff stand und ging durch den Wind — es mußte der Stelle zutreiben, wo der Steuermann zuletzt gesehen wurde.
Auf den Befehl „ein Ausguck in die Masten“ enterten vier eingeborene Passagiere auf, sie sahen die treibende Rettungsboje, aber nicht mehr den Steuermann. Das nächste war, das an Deck befestigte Boot über Bord zu setzen; ohne Rücksicht wurden die Befestigungen durchschnitten, das Boot nur vorne hoch gehißt, halb über die Verschanzung geschwungen, wurde dieses von der ganzen Besatzung an Deck hochgehoben und im gegebenen Augenblick mit aller Kraft in die unruhige See geworfen; mitunter bei schwerem Seegange die einzige Art ein Boot von der Schiffsseite freizuhalten, ehe es an dieser zerschlagen und unbrauchbar wird. Vier Mann sprangen mit kühnem Satze von der Regeling sogleich hinterher ins Boot, das, sobald die haltende lange Leine losgeworfen war, nach hinten trieb. Die Richtung, wohin die Leute, die in der hohen See nicht um sich sehen konnten — das Boot war bald vom Schiffe aus nur hin und wieder sichtbar, wenn es hoch auf dem Kamm einer Woge tanzte — zu rudern hatten, wurde von den Leuten in den Masten angegeben.
In drei Minuten war das Boot über Bord und bemannt, doch suchte dieses vergeblich in der hohen See hin und her, die Boje wurde gefunden aber der Steuermann war und blieb verschwunden. Wie furchtbar solch' ein Augenblick, weiß nur der, welcher einen Kameraden von seiner Seite in den jähen Tod gerissen sieht und doch nicht helfen, nicht retten kann!
Lange, bis zur schnell hereinbrechenden Dunkelheit, trieb ich mit dem Schiffe umher, dem Boote folgend, das vom Schiffe aus geleitet, immer größere Kreise zog, in der eitlen Hoffnung, es könnte doch noch etwas vom Steuermann gesehen werden, obgleich ich wußte, daß alles längst vorbei war; hatte der Verunglückte mir doch selbst gesagt, er könne nicht schwimmen und wenn auch, in solcher See wäre die Kraft des besten Schwimmers bald erlahmt.
Erst als alles nutzlos war, als die Nacht hereinbrach und die Mannschaft im Boote äußerst ermüdet sein mußte, nahm ich dieses wieder auf und jetzt die nördliche Durchfahrt wegen dort liegender unbekannter Riffe nicht mehr als sicher ansehend, kreuzte ich die ganze Nacht zwischen Boskaven und den gefährlichen Riffen von Niuatobutabu, um den freien Ozean zu gewinnen.
Nach Aussage der Mannschaft wollte der Steuermann, nachdem das Pumpen beendet, nach dem Hinterdeck gehen, das Schiff schwer rollend, habe er jeden Halt auf dem freien Deck verloren und sei, mit voller Wucht gegen die Verschanzung fahrend, über diese hinweggestürzt, eine schnell geworfene Leine ergriff er nicht mehr. So fand er den Seemannstod, im weiten Ozean ein stilles, unbekanntes Grab, die donnernde Woge sang ihm hier sein letztes Schlummerlied. —