ORD. PROFESSOR DER ANATOMIE UND DIRECTOR DES ANATOMISCHEN INSTITUTES
IN BONN.

LEIPZIG,

VERLAG VON WILHELM ENGELMANN.

1863.

Inhalt.

pag.

I.

Einleitung

[1]

II.

Das Protoplasma der Rhizopoden

[10]

Die Erscheinung der Körnchenbewegung. Zusammenhang dieser Bewegung mit der Contractilität

[12]

Unger’s Vergleich der Körnchenbewegung mit den Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen

[13]

Meine darauf bezüglichen Arbeiten

[14]

Versuch, die Pseudopodiensubstanz der Rhizopoden (die sogenannte Sarkode) als Protoplasma zu deuten

[15]

E. Haeckel’s Zustimmung, Reichert’s Opposition

[16]

Beweis, dass entgegen Reichert die Körnchen in den Pseudopodien der Milioliden wirklich existiren

[20]

Fortsetzung dieses Beweises: Einfluss des destillirten Wassers auf die Pseudopodien

[21]

Einfluss anderer Reagentien, der Wärme, der Zerstörung des Thierkörpers auf die Pseudopodien

[22]

Betrachtungen über die Consistenz der Pseudopodiensubstanz

[23]

Was man beim Aneinanderstossen zweier sich begegnender Pseudopodien beobachtet

[24]

Fütterung mit Carmin und anderen fremden Körpern

[26]

Verschiedene Consistenz der Pseudopodien bei verschiedenen Rhizopoden

[28]

Consistenzverschiedenheiten an einer und derselben Pseudopodie. Actinophrys Eichhornii

[29]

Zusammensetzung der Pseudopodien von Actinophrys aus einer hyalinen Axe und körnigen Rinde

[30]

Verhältniss beider Bestandtheile zum Thierkörper

[30]

Verschmelzung der Pseudopodien an der Oberfläche

[31]

Einfluss von Reagentien auf die Pseudopodien von Actinophrys

[32]

Einfluss der Wärme. Beobachtungen über den Eintritt der Wärmestarre bei niedern Thieren

[32]

Zellenartige Körperchen in der Leibessubstanz von Actinophrys

[35]

Vergleich der Pseudopodien von Actinophrys mit denen der Acanthometren und anderer Radiolarien, sowie der Polythalamien

[36]

Einfluss von Reagentien und der Elektricität auf die Pseudopodien der Polythalamien

[37]

III.

Die Bewegungserscheinungen am Protoplasma der Pflanzenzellen, verglichen mit denen an den Pseudopodien der Rhizopoden

[39]

Die Bewegung am Protoplasma der Pflanzenzellen, namentlich der Staubfadenhaare von Tradescantia

[40]

Einfluss von Reagentien auf diese Bewegungen

[42]

Einfluss der Elektricität

[43]

Einfluss höherer Temperaturgrade

[46]

Hindeutung auf das Vorkommen lebender Organismen in heissen Quellen

[49]

Contractilität ist die Ursache der Bewegung

[50]

Brücke’s Ansicht über die Natur der Körnchenbewegung

[51]

Zweifel an der Durchführbarkeit derselben

[54]

In wie weit Consistenzunterschiede zwischen Rinde und Inhalt am Protoplasma bestehen können

[58]

IV.

Schlussbemerkungen

[62]

Resultate

[64]

Nachtrag. Lebende Organismen in heissen Quellen

[67]

I.
Einleitung.

In einem Aufsatze »über Muskelkörperchen und das, was man eine Zelle zu nennen habe«, welcher in dem Archiv für Anatomie, Physiologie etc. herausg. von Reichert und du Bois Reymond Jahrg. 1861 p. 1–27 abgedruckt ist, habe ich nachzuweisen gesucht, dass in die herrschenden Ansichten über die Bestandtheile der Zellen und deren Theilnahme an der Gewebebildung bezüglich des thierischen Organismus sich manche Glaubenssätze eingemischt haben, welche vor einer strengen Kritik nicht Stand halten und deren wir uns entledigen müssen, wenn anders wir die Bahn des Fortschrittes auf dem Gebiete der Gewebelehre mit Erfolg fernerhin betreten wollen.

Ich versuchte zunächst an dem Beispiele der Muskelkörperchen zu zeigen, dass eine befriedigende Beantwortung gewisser in der Histiologie seit längerer Zeit aufgeworfener und discutirter Fragen nur deshalb nicht möglich gewesen, weil die Dogmen der Schleiden-Schwann’schen Zellentheorie die Gemüther allzusehr befangen hielten. Ich zeigte, wie der lange Zeit geführte heftige Streit über die Bedeutung der Muskel- und Bindegewebskörperchen sein Ende finden werde, wenn man es versuchen wollte von den herrschenden Lehren über die nothwendigen Bestandtheile einer Zelle etwas aufzugeben, und dass diese Abänderung vorzugsweise unsere Ansichten über die Zellmembran, über das Verhältniss derselben zum Zelleninhalte und zu den sogenannten Intercellularsubstanzen betreffen müsse. Zugleich deutete ich an, dass dem sogenannten Zelleninhalte, oder besser demjenigen Theile der Zelle, welcher der von H. v. Mohl Protoplasma genannten Substanz entspricht, eine höhere Bedeutung nicht nur für das Zellenleben sondern auch für die Gewebebildung thierischer Organismen zuzuschreiben sei, als man bis dahin anzunehmen pflegte, und gab die Wege an, auf welchen man diese Thätigkeit des Protoplasma besonders augenfällig beobachten könne.