Was die beste Tageszeit für die Vornahme des Beischlafes anbelangt, so bevorzugen die einen die Zeit unmittelbar nach dem Zubettlegen, wobei dann die ganze Nacht der Erholung dient, die anderen die Zeit unmittelbar nach dem Erwachen, wenn die Gatten völlig ausgeruht und frisch sind. Im letzteren Falle ist es aber ratsam, sich nach Vollendung des Beischlafs noch eine kurze Ruhezeit und ein Schläfchen zu gönnen. Überhaupt wird der Beischlaf am zuträglichsten sein, wenn er in voller Bequemlichkeit und Ungestörtheit, frei von Sorgen oder Gewissensbissen, vollzogen wird. Der eheliche Geschlechtsverkehr ist deshalb viel zuträglicher als der außereheliche. Am zweckmäßigsten ist die Rückenlage der Frau mit gespreizten Schenkeln unter dem Manne. Diese Lage ist schon durch den Bau der Geschlechtsteile als die natürliche vorgezeichnet. Andere Stellungen ermüden stärker. Bei Lage des Mannes unten und der Frau oben sinkt die Gebärmutter zu sehr nach unten, sie wird schädlichen Erschütterungen ausgesetzt und an ihren Bändern gezerrt. Die Frau empfindet dann häufig hinterher Schmerzen, ja, es kann zu Entzündungen im Innern kommen. Jede Künstelei ist überhaupt zu vermeiden, insbesondere die willkürliche Verzögerung der Samenausschleuderung, um die Dauer der Wollustempfindung zu verlängern. Dagegen ist es für die physische und psychische Gesundheit der Frau und für das Glück der Ehe sehr wichtig, daß auch die geschlechtliche Erregung der Frau durch den Eintritt des Orgasmus beim Geschlechtsakt voll befriedigt und gelöst wird.
Man darf nie vergessen, daß die Ehe weder wegen des wirtschaftlichen Nutzens allein noch wegen der seelischen Freuden, die sie mit sich führt, sondern im wesentlichen um des physischen Zweckes willen, behufs regelmäßiger Befriedigung des geschlechtlichen Bedürfnisse geschlossen wird. Dies muß mit Nachdruck betont werden. Die verstiegene Sentimentalität und der fleischlose Intellektualismus sind ebensowenig imstande, eine befriedigende Ordnung in das Verhältnis von Mann und Weib zu bringen, als der brutale Sensualismus. Wohl niemals würden es zwei Menschen auf die Dauer ertragen, in der Weise von Ehegatten miteinander verkettet zu sein, wenn sie nicht dabei die physische Befriedigung ihres Geschlechtstriebes suchen und finden würden. Auch bei solchen Frauen, welche mit noch schlummerndem Geschlechtstriebe in die Ehe eingetreten sind, wird er durch die Ehe notwendigerweise geweckt. Erregung von Wollustempfindungen durch geschlechtliche Handlungen ohne nachfolgende vollständige Befriedigung aber wirkt schädlicher und verstimmt mehr als völlige Enthaltung vom geschlechtlichen Verkehr. Der kluge und rücksichtsvolle Gatte wird sich daher nicht allein um seine eigene Befriedigung kümmern, sondern auch auf die seiner Frau bedacht sein. Mit einer Frau, die nur langsam in höhere Grade geschlechtlicher Erregung gerät, wird er den Beischlaf erst dann beginnen, wenn auch bei ihr starke Erregung eingetreten ist; etwa infolge fortgesetzter Liebkosungen.
Je einfacher man in seinen Genüssen bleibt, um so gesünder. Eheleute mögen sich immer vor Augen halten, daß, je mäßiger sie im Genusse sind, um so länger der normale Beischlaf seinen Reiz für sie behält, um so länger die beiderseitige geschlechtliche Gesundheit, besonders die Leistungsfähigkeit des Mannes vorhalten wird, sie um so länger also der ehelichen Genüsse sich erfreuen zu können hoffen dürfen. Eine gewisse zeitliche Regelmäßigkeit im Vollzuge des Beischlafes ist durchaus ratsam. Die ganze Funktion des männlichen Geschlechtsapparates richtet sich dann darauf ein, und der Beischlaf geht dann ohne schädliches Übermaß von Erregung vor sich. Selbstverständlich soll man aber nur dann beischlafen, wenn man sich vollkommen gesund und kräftig fühlt, und nur dann, wenn die Erektion sich von selbst eingestellt hat. Sie zum Zwecke des Beischlafes künstlich herbeizuführen, ist ein Mißbrauch, der sich mit der Zeit an der Gesundheit rächt. In berauschtem Zustande den Beischlaf auszuführen, ist durchaus verwerflich, weil die Gefahr besteht, daß ein in solchem Zustande erzeugtes Kind krank und schwächlich wird. Wer noch Kinder zu erzeugen die Absicht hat, sollte sich überhaupt regelmäßigen oder irgend häufigeren Genusses von alkoholischen Getränken enthalten und auch niemals ausnahmsweise ein Übermaß davon zu sich nehmen. Je besser die Gatten für Gesundheit und Kraft ihres Körpers sorgen, um so gesündere und lebensfrischere Kinder dürfen sie erwarten. Diese Fürsorge für die eigene Gesundheit, die geordnete, vernünftige Lebensführung ist eine der größten und wichtigsten Pflichten derjenigen, welche Kinder in die Welt setzen wollen.
Unmäßigkeit und Unordnung im Geschlechtsverkehre schaden hauptsächlich dem Manne. Die Frau, welche sich beim Beischlafe lediglich duldend verhält, kann in dieser Hinsicht viel mehr vertragen als er. Da die weiblichen Geschlechtsteile stets zum Vollzuge des Beischlafes bereit sind, während beim Manne erst Gliedsteife eingetreten sein muß, kann die Frau beliebig oft hintereinander den Beischlaf an sich vollziehen lassen. Wenn sie nur langsam in Erregung gerät, bleibt sie oft nach dem ersten Beischlafe noch in starker unbefriedigter Erregung und brächte ihr erst der zweite oder dritte Vollzug die volle Höhe des Genusses. Wenn solche Frauen einmal Erfahrung gewonnen und die schamhafte Scheu abgestreift haben, suchen sie mit allen Künsten den Mann möglichst rasch nach dem Beischlaf wieder zu einem neuen zu stacheln. Es gibt Frauen von wahrhaft unersättlicher Begierde, die den Mann buchstäblich bis auf den letzten Tropfen auszusaugen vermögen. Da ihnen Jünglinge mit unabgestumpfter geschlechtlicher Reizbarkeit besonders erwünscht sind, sei der junge Mann vor solchen Frau Potiphars auf der Hut.
Die ersten Folgen der Unmäßigkeit sind Abnahme der Wollustempfindung beim Beischlafe, damit zusammenhängend Verzögerung des Eintrittes der Ejakulation, Verminderung der Kraft, mit welcher der Samen ausgeschleudert wird. Nach dem Beischlafe Gefühl der Verstimmung, der Ermüdung, der Mattigkeit in den Beinen, die länger und länger anhalten, je länger und ärger die Unmäßigkeit fortgetrieben wurde. Als weitere Folgen können auftreten: Druck in der Lendengegend, nervöse Erregbarkeit, Gefühl von Druck im Kopf, von Eingenommensein des Kopfes, gestörter Schlaf, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Lichtscheu, zittriges Gefühl und wirkliches Zittern, Neigung zum Schwitzen. Es kann ferner Herzklopfen eintreten; Muskelschwäche, die sich schon in den schlaffen Mienen, in der schlaffen Haltung des geschlechtlich Ermüdeten und Erschöpften verrät; Unlust zu anhaltender, schwerer Arbeit und Unfähigkeit, sie zu leisten, Gedächtnisschwäche, Neurasthenie und Melancholie. Die Verdauungstätigkeit sinkt, die Ernährung wird schlechter; infolge davon Blutarmut und Schwächung der Widerstandskraft gegen äußere Schädlichkeiten, insbesondere gegen Infektionskeime und unter diesen wieder insbesondere gegen den Tuberkelbazillus. Auch der Geschlechtsapparat selbst funktioniert bald noch schlechter und weist die Erscheinungen der sog. reizbaren Schwäche auf: die Erektionen verlieren an Kraft und Dauer; bei unvollkommener Erektion oder alsbald nach der Einführung des Gliedes in die Scheide tritt die Ejakulation ein, ohne daß die Höhe des Wollustgefühles erreicht wird; die Fähigkeit zum Beischlaf geht damit mehr und mehr verloren; nächtliche Pollutionen treten häufig auf und hinterlassen eine gesteigerte nervöse Erregung und Mattigkeit.
Die leichteren Störungen des Wohlbefinden gehen übrigens im allgemeinen rasch wieder vorüber, wenn Enthaltsamkeit geübt wird, wenn die Ernährung gut und die ganze sonstige Lebensweise den hygienischen Grundsätzen gemäß ist. Insbesondere erholen sich vollkommen geschlechtsreife junge Männer, die von vornherein gesund und kräftig waren, von den Torheiten der Flitterwochen bald, wenn die Vernunft die Herrschaft wiedererlangt hat. Je länger die Exzesse gedauert haben, je schwächlicher das Individuum von vornherein war, um so schwieriger tritt volle Wiederherstellung ein. Am gefährlichsten wird die geschlechtliche Unmäßigkeit unreifen oder nicht voll erwachsenen Jünglingen, sowie Männern, die sich bereits dem Greisenalter nähern; sind sie etwa von vornherein nicht ganz gesund, so können sie sich dadurch dauerndes Siechtum, ja selbst raschen Tod zuziehen.
Auch in der Ehe kommen Zeiten, in welchen vollständige Enthaltsamkeit geübt werden muß. Sie sind durch Rücksichten auf die Frau und auf die Nachkommenschaft unbedingt gefordert. Zur Zeit der Menstruation darf der Beischlaf nicht ausgeübt werden. Er verbietet sich übrigens für das feinere Empfinden von selbst durch den Zustand der weiblichen Geschlechtsteile. Während der Menstruation ist das Innere der Gebärmutter wund, der ganze Geschlechtsapparat des Weibes gereizt und mit Blut überfüllt. Unter diesen Umständen ist, wie bei allen Wundflächen, die Gefahr vorhanden, daß eine Wundinfektion eintritt, diese dann zu Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Anhänge führt und so die Frau auf die Dauer krank macht. Diese Gefahr wird durch das Einführen des Gliedes in die Scheide sehr gesteigert.[D] Jedenfalls muß der Beischlaf während des Blutabganges unterbleiben; noch besser ist es, ihn auch während der darauffolgenden Woche zu unterlassen, bis die Innenfläche der Gebärmutter wieder vollkommen überhäutet ist.
Bei dieser Gelegenheit sei Ehemännern der Rat erteilt, das Glied durch Waschungen immer reinzuhalten, wobei insbesondere auf die Furche hinter dem Randwulst der Eichel und auf die Falten des Bändchens zu achten ist. Ebenso soll die Frau die äußeren Geschlechtsteile, namentlich die Schamspalte, reinhalten. Sehr empfehlenswert ist es, einige Zeit nach vollzogenem Beischlaf mit Hilfe eines Irrigators und eines Mutterrohres die Scheide mit lauwarmer, reiner Kochsalzlösung (1 Kaffeelöffel Kochsalz auf 1 l Wasser) auszuspülen. Dies darf aber nicht sogleich nach dem Beischlafe geschehen, da sonst die Empfängnis verhindert werden könnte. Der Irrigator und das Mutterrohr müssen reingehalten und durch Waschen mit einer Desinfektionsflüssigkeit, z. B. mit 2 prozentiger Lysollösung (20 ccm Lysol auf 1 l Wasser), vor dem Gebrauche desinfiziert werden. Die Kochsalzlösung soll abgekocht sein. Desinfektionsmittel dürfen ihr aber nicht zugesetzt werden. Ich kenne Fälle, wo die sehnlichst gewünschte Schwängerung infolge solcher fehlerhafter Reinlichkeit ausblieb, aber sofort eintrat, als die „hygienischen“ Ausspülungen ausgesetzt wurden. Durch alle diese Maßregeln wird manchen Erkrankungen, namentlich dem sogenannten weißen Flusse, vorgebeugt, einem Katarrhe der Scheide, der der Frau wie ihrem Ehemann recht lästig werden kann.
Sehr vorsichtig muß man mit dem Beischlafe auch während der Schwangerschaft sein. Er darf nicht zu häufig und nie stürmisch ausgeführt werden. In den ersten Monaten der Schwangerschaft, namentlich bei Erstgeschwängerten, wird er am besten ganz unterlassen. Werden diese Vorschriften nicht beachtet, dann kommt es leicht zu Fehl- und Frühgeburt, durch die nicht allein das Kind verloren geht oder geschädigt wird, sondern auch die Frau dauernden Schaden nehmen kann.