Unbedingt verboten ist der Beischlaf während des Wochenbettes, wenn nicht die Frau, deren innere Geschlechtsteile arg verwundet sind, schwerer Gefahr ausgesetzt werden soll. Auch bei ganz normalem Verlaufe des Wochenbettes soll mindestens vier Wochen damit gewartet werden, und auch dann noch ist weise Beschränkung dringend anzuraten.

Mit Rücksicht auf die Frau wie auf das Kind wäre es eigentlich geboten, der Frau, die geboren hat, eine monatelange Schonzeit zu gewähren. Man muß auf das dringendste fordern, daß jede gesunde Mutter ihr Kind stillt, wenn möglich 8–9 Monate lang. Das Leben des Kindes im ersten Lebensjahre ist in hohem Grade gefährdet, wenn es nicht seine natürliche Nahrung erhält; und die üblen Folgen der künstlichen Fütterung scheinen auch noch in der späteren Lebenszeit nachzuwirken. Die Erfahrung lehrt aber, daß bei sexuell erregbaren Frauen durch Ausübung des Beischlafes, namentlich wenn er häufiger oder stürmisch unter größerer Aufregung erfolgt, die Milchabsonderung frühzeitig zum Stillstand kommen kann oder die Menstruation und damit zugleich die Befruchtungsfähigkeit trotz des Stillgeschäftes wieder eintritt. Für den Säugling wie für die Mutter ist es aber schädlich, wenn es bald zu einer neuen Schwangerschaft kommt; für den Säugling, weil dann die Milchabsonderung bald unzureichend wird und aufhört; für die Mutter, weil die Frauen durch allzu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften überanstrengt werden, rasch verblühen und Neigung zu Krankheiten, insbesondere zu Tuberkulose, bekommen. Bei zu rascher Geburtenfolge werden auch meist schwächliche Kinder geboren. Rascher als etwa alle 2½ Jahre sollten die Schwangerschaften nicht aufeinanderfolgen, wenn die Frau bei voller Kraft und Gesundheit bleiben und einer kräftigen Nachkommenschaft das Leben schenken soll.

6. Kapitel.
Künstliche Verhinderung der Befruchtung.

Die Natur hat uns nicht allein das Verlangen nach Begattung eingepflanzt, sondern auch den Wunsch, Nachkommen zu erzeugen und großzuziehen. Bei der Frau, deren natürliche Lebensaufgabe es ist, Kinder zu tragen und zu gebären, pflegt dieser Wunsch von klein auf überaus lebhaft zu sein. Beim Manne pflegt er erst mit der Zahl der Jahre zu wachsen. Je älter der Kinderlose wird, je mehr seine persönliche Leistungfähigkeit abnimmt, um so mehr überkommt ihn ein Gefühl der Leere, der Entbehrung eines wichtigsten Lebensgutes und zugleich ein Gefühl seiner Überflüssigkeit in der Welt. Eine Ehe ohne Kinder hat ihren Hauptzweck verfehlt. Nur wer Vaterfreuden und Vaterleiden empfunden hat, hat voll ausgelebt, was das Dasein zu bieten vermag.

Ein Volk, dessen Angehörige nicht mehr die Tatkraft und den Lebensmut haben, die Last der Aufzucht von Kindern auf sich zu nehmen, dafür Opfer zu bringen, dafür etwas zu wagen, ein Staat, dessen Bürger die Zahl der Kinder aufs äußerste beschränken, nur um nicht zuviel Sorgen zu haben, nicht zu hart arbeiten zu müssen, um ein schlaffes Wohlleben führen oder um Besitz anhäufen zu können, sind dem Untergange geweiht. Für ein Volk von bequemen Rentnern oder von raffiniert genießenden Intellektuellen und Ästheten ist kein dauernder Platz auf der Erde. Nur derben Völkern, die nicht erst besonderer Reizmittel der Zivilisation und der Kunst bedürfen, um ihres Lebens froh zu werden, die sich kräftig vermehren und fröhlich im Gefühle des Gebrauches ihrer Kräfte für ihre Kinder sich rühren, gehört die Zukunft. Wenn wir Deutsche uns nicht kräftig vermehren, wird uns Rußland mit seiner Volksmasse binnen 100 Jahren erdrücken.

Mit Rücksicht darauf, daß ein erheblicher Bruchteil der Geborenen abstirbt, bevor das Alter der vollen Fortpflanzungsfähigkeit erreicht ist, daß nicht wenige, welche dieses Alter erreichen, doch zur Erzeugung gesunder Kinder untauglich sind, daß viele aus äußeren Gründen an der Eheschließung verhindert werden, müßte jede Ehe zwischen Gesunden heute mindestens vier Kinder tragen, wenn das ganze Volk in gesundem Blühen erhalten werden soll. Die Überhandnahme der willkürlichen Einschränkung der Kinderzahl („Zweikindersystem“, Einkind-, Keinkindehen) muß daher die größte Besorgnis für die Zukunft des deutschen Volkes erwecken. Besonders verhängnisvoll ist die zunehmende Ehelosigkeit, Verspätung der Verehelichung, absichtliche Verhinderung der Befruchtung und unzulängliche Kindererzeugung bei den besser Begabten. (S. o.) Das Ein- und Zweikindersystem ist auch deshalb schädlich, weil sich statistisch herauszustellen scheint, daß das dritte und vierte Kind der Frau im Durchschnitt am kräftigsten und besten geraten. Nebenbei hat das Kleinhalten der Familie auch schlimme Folgen für die Kultur. Die Kinder in solchen kinderarmen Familien werden sehr häufig verzogen, zu anspruchsvollen, beständig auf ihr eigenes Wohlsein bedachten, eigensüchtigen Menschen gemacht. Das Aufziehen von ein oder zwei Kindern vermag die Frau nicht genügend zu beschäftigen. Schon in jungen Jahren, im Vollbesitze ihrer Kräfte hat sie keine ausfüllende Lebensaufgabe mehr und sucht dann — nicht selten auf bedenklichsten Wegen — Zerstreuung oder drängt sich in das Arbeitsgebiet des Mannes, auf dem sie in der Regel doch nur zu stümpern vermag. Sie schwärmt für „soziale Tätigkeit“, weil ihr die natürliche soziale Tätigkeit — die wichtigste und wertvollste von allen! —, die Erfüllung des Mutterberufes, genommen oder verkümmert worden ist.

Es gilt, das richtige Maß der Kindererzeugung zu treffen, denn blindlings darf die Vermehrung auch nicht vor sich gehen. Allerdings bietet vorläufig die Erde noch reichlich Raum für die Vermehrung der Menschheit im ganzen und kann ihr Ertrag an Nahrungsmitteln noch ums Mehrfache gesteigert werden. Wir dürfen auch hoffen, daß der Weltkrieg, der zu unserer Vernichtung führen sollte, uns einen solchen Zuwachs an Siedelungs- und Ackerland verschaffen wird, daß nicht so bald ein Mißverhältnis zwischen der Zahl der zu Nährenden und zu Pflegenden und der Menge der verfügbaren Nahrung, Wohnung und Kleidung entstehen kann. Der Krieg hat leider auch so stark unter den erwerbstätigen Männern aufgeräumt, daß es den Überlebenden nicht an reichlicher Gelegenheit zu lohnender Tätigkeit fehlen wird.

Bei jeder einzelnen Familie lassen sich aber darüber Erfahrungen machen, daß der Haushalt nur so lange gedeiht, als die Zahl der Kinder im richtigen Verhältnisse zur Größe des Einkommen und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern steht, so daß die Kinder genügend ernährt, mit genügender Sorgfalt gewartet, beaufsichtigt und erzogen werden können, während zugleich jedes schädliche Übermaß darin ausgeschlossen bleibt. Sind der Nachkommen zu wenige, dann werden sie leicht verwöhnt, verzärtelt und verzogen; werden der Nachkommen zu viele, dann verkommt alles. Die Frau leidet physisch unter den ungeheuren Zumutungen, welche die gehäuften Schwangerschaften und Säugungen an ihren Körper stellen, und vermag um so weniger die sich stets vermehrende Last des Haushalts zu tragen; die angeborene Kraft und Gesundheit der Kinder nimmt im Mittel vom 8. bis 9. Kinde einer Mutter an merklich ab — auch dann, wenn die Pausen zwischen den einzelnen Geburten lange genug waren —, und die schwächlichen und kränklichen, die um so größerer Sorgfalt bedürften, finden sie nicht mehr. Ordnung und Reinlichkeit sind nicht mehr aufrechtzuerhalten, die Familie verfällt und zerfällt; Krankheit und Laster räumen unter ihr auf.

Die Vernunft gebietet also, nicht mehr Kinder zu erzeugen, als man bei Arbeitslust und frischem Mut und bei einiger Gunst des Schicksals voraussichtlich ernähren und aufziehen können wird. Die Kindererzeugung muß in Schranken gehalten werden, wenn sich der Mensch von dem grausamen Zustande befreien will, der in der unvernünftigen Natur das Gleichgewicht erhält: Massentod neben Massenzeugung!

Es gibt noch andere Gründe, welche einzelne zwingen oder wenigstens zwingen sollten, auf die Erzeugung von Kindern vollständig oder zeitweise zu verzichten. Wir haben schon ausführlich von der Vererbung gesprochen, und wie in manchen Stämmen die erbliche Belastung, die Fehlerhaftigkeit des Keimplasmas derartig ist, daß keine Hoffnung auf Erzielung einer wenigstens ihrer Erscheinung nach (s. [S. 31]) gesunden Generation durch Kreuzung mit gesundem Stamme besteht; eine elende, kranke Nachkommenschaft mit Bestimmtheit oder großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.