Die wichtigsten Vorbeugungsmaßregeln, um die Kinder von sexuellen Verirrungen und späterhin von ungezügeltem Geschlechtsgenusse zurückzuhalten, sind Erziehung zu Pflichterfüllung, Selbstbeherrschung und freiwilliger Enthaltung von einzelnen Genüssen überhaupt; ohne diese werden alle anderen wenig helfen.

Ist ein Kind bereits auf das Masturbieren verfallen, so sind alle eben besprochenen Maßregeln um so strenger anzuwenden und das Kind beständig zu überwachen. Namentlich achte man auch darauf, daß es nicht zu lange auf dem Abort verweile. Übertriebene Strenge und harte Bestrafungen sind nicht am Platze. Viel nützlicher ist es, das Kind selbst zu belehren und sein Vertrauen zu gewinnen. Im übrigen lasse man sich durch die übertriebenen Schilderungen, die man nicht selten auch in ärztlichen Schriften aus früherer Zeit findet, nicht allzusehr erschrecken. Wenn die Masturbation nicht exzessiv getrieben wird, tritt geradeso wie nach Übermaß im Beischlaf bei Enthaltsamkeit und passender Lebensweise wieder vollständige Erholung ein. Sehr schwere Gesundheitsstörungen sind überhaupt selten. Wenn man liest, daß infolge von exzessiver Masturbation Geistesstörungen, Krämpfe, Veitstanz und Epilepsie auftreten, so liegt eine Verwechslung von Ursache und Wirkung vor. Das Verhältnis ist vielmehr dies, daß zügellose Masturbation ein Zeichen einer schon bestehenden psychischen Krankhaftigkeit ist, die sich dann später zu den genannten Krankheiten ausbildet.

Eine sehr häufige Erscheinung ist, daß junge Männer, die, nachdem sie gewohnheitsmäßig masturbiert haben, in die Ehe treten, fürs erste nicht fähig sind, den Beischlaf auszuführen. Es ist dies fast immer nur die Folge ihrer Besorgnis, daß sie zum Beischlafe nicht fähig sein werden, da sie in den populären Schriften gelesen haben, daß die Masturbation zur Impotenz führe. Ihre Aufregung hemmt das Zustandekommen der Erektion. In einem solchen Falle heißt es nichts erzwingen wollen und in Geduld die gute Stunde abwarten. Sie kommt ganz bestimmt, und mit dem ersten Gelingen sind alle Schwierigkeiten überwunden.

Die Neigung zur Masturbation erlischt beim gesunden Manne meist sofort, wenn er den normalen Geschlechtsverkehr kennen gelernt hat. Dies ist der Grund dafür, daß masturbierenden jungen Männern häufig der Rat gegeben wird, Prostituierte aufzusuchen. Ich halte dies aber für eine verwerfliche Torheit, da — um von allem anderen zu schweigen — das Masturbieren für den gesunden Geschlechtsreifen eine winzige Schädlichkeit ist verglichen mit den venerischen Krankheiten, die man sich im Verkehr mit Prostituierten früher oder später fast mit Gewißheit holt. Einen Unreifen aber frühzeitig zum Beischlafe mit Prostituierten verlocken hieße erst recht ihn völlig in die Gefahr des Verderbens stürzen.

Ich mußte die Besorgnis wegen der Schädlichkeit des Masturbierens auf das richtige Maß zurückführen, da die beständige Angst und die Verzweiflung des Masturbierenden die Schädlichkeit seines Tuns ganz wesentlich steigert. Der Jüngling möge aber darin keinen Anlaß finden, weniger energisch gegen eine etwa bei ihm vorhandene Neigung dazu anzukämpfen. Denn grade für den Jüngling ist es fast unmöglich, Maß zu halten, wenn er einmal der Verlockung erlegen ist. Und wenn ihm die strotzenden Hoden Beunruhigung schaffen, so möge er stets bedenken, daß von dieser strotzenden Fülle seiner Geschlechtsdrüsen auch das beglückende Gefühl der Lebensfreude und der Jugendkraft, sein Wagemut und seine Tatenkraft abhängen, und daß er sich des größten irdischen Glücken beraubt, wenn er sich durch Gebrauch eines elenden Surrogats bereits abgestumpft hat, bevor er zum ersten Male ein geliebtes Weib umarmt.

In der Anziehung, welche die beiden Geschlechter aufeinander ausüben, liegt der reizvolle Zauber der Jugend. Das geschlechtliche Verlangen zieht uns zu unserem Wohle unwiderstehlich in die menschliche Gemeinschaft. Derjenige, der sich selbst befriedigt, wird leicht zum vereinsamten Sonderling und Selbstling.

8. Kapitel.
Die venerischen Krankheiten und ihre Verhütung.

„Die Wollust der Kreaturen ist gemengt mit Bitterkeit.“ Der Leser dieser Blätter hat bereits die Wahrheit dieses Ausspruches vielfach bestätigt gesehen. Und noch haben wir von den schlimmsten Übeln, die der Geschlechtsverkehr bringen kann, gar nicht eingehender gesprochen.

Es gibt drei ansteckende Krankheiten, die hauptsächlich durch den Geschlechtsverkehr verbreitet werden und daher venerische Krankheiten genannt werden. Es sind diese der weiche Schanker, der Tripper und die Syphilis. Es ist möglich, sich mit allen drei Krankheiten auf einmal anzustecken.

Der weiche Schanker ist unter ihnen die am wenigsten gefährliche, ein Geschwür an den Geschlechtsteilen, beim Manne besonders häufig am Randwulste der Eichel, das bei frühzeitiger geeigneter Behandlung in der Regel bald heilt, ohne schlimme Folgen zu hinterlassen. Doch kann auch diese Krankheit ärger verlaufen. Insbesondere kommt es nicht selten zu Anschwellungen der Vorhaut, die so stark werden können, daß die Vorhaut nicht mehr über die Eichel vor- oder zurückgeschoben werden kann, wodurch äußerst heftige Schmerzen entstehen; ferner zu schmerzhaften und gefährlichen Vereiterungen der Lymphdrüsen in der Leistenbeuge, den sog. Bubonen. Jedes kleinste Geschwürchen, jede kleinste Abschürfung am Gliede darf übrigens schon deshalb nicht leicht genommen werden, weil es sich dabei um syphilitische Ansteckung handeln kann und der Laie dies nicht zu entscheiden vermag.