Se hobn noch lang hie- un hargeredt, endlich warsch ne Kanter gelunge, ne Paster, dar e guter Maa war, esu weit ze brenge, daß er – oder när üm der Erbauing der Gemeind wagn! – die Sach bis noch de Feiertog verschiebn wollt. –
Der heilige Pfingstmorgn war ragekomme. Der Himmel hatt' e Eisahe gehatt un dan gunge Maadle ze lieb, die ihre schien neue un frischgeplätten weißen Klaadle zon erschten Mol ausführn wollten, sei freindlichst Gesicht rausgesteckt. Schie ehr de Gelock einläuten tat, kam ne Kerchwag rauf äs nochn anern. De Musekanten kame mit ihre Instrumenter un wichting Gesichtern ne Barg rauf, mer sog ne richtig a: heit warn mer euch emol wos Feines virsetzen. Drubn ofn Chor soog mer heut net när de Chorgunge in ihrn schwarzen Manteln, derhiner warn wie gruße Blumesträuß de Maadle aufgepflanzt, un an jeder Verziering von der Orgel hing e blankgewichster Zylinder von de Kantereimanner. Wie's läuten tat, kam aa der Paster mit sen Maadel 's Ding rauf un machet sich nei in der Sakristei.
Der Kanter saß schie of der Orgelbank halb rümgedreht, öb a alle do warn. Allen Leiten war azemarken, daß ewos in der Luft log. När dar, dan dos alles aging, der Zipperschuster, fahlet noch. Erscht, wie der Kanter mitn Virspiel agefange hatt, gings Chortürl e klä Finkel auf, un e Maa drücket sich ewing schichbern rei un stellet sich ganz hinten na, daß mer'n net esu sahe sollt, – der Zipperschuster! Die Manner die dernabn traten, gobn ne e Hand un lachelten alle ewing huhnackig derzu. Der Kanter hatt ne aa gemarkt, er gönnet ne oder ken enzing Blick.
Na, 's ging alles gelatt, bis nochn Gelaabnslied (heit wur der »gruße Gelabn« gesunge) de Kerchnmusik lusging. Alle gobn sich de größte Müh. Der Kanter konnt sich net besinne, daß de Musekanten schie emol esu schie gestrichen un geblosen hätten. De Pastergretel sang mit ihrer klarn Stimm esu racht wie e Engele, un bein Chor war net e enzger falscher Eisatz virgekomme. Nu kam der Zipperschuster mit seiner Arie. Un dos muß ne der Neid lossen, er sang werklich schie, när wie er afing »Schmückt das Fest mit Maien«, do gings über e manichs Gesicht wie e lechts Schmunzeln, gelacht oder wur net, dä dos wußten alle Leut, daß sich dos in der Kerch net gehört.
Nochn Hauptlied stieg der Paster of der Kanzel. Wie er sei stills Gebat gesprochen hatt, soog er mit e paar Blicken über der Gemein hin, war alles do war. Inder erschten Reih' vir der Kanzel soß der Förschter heit in seiner grosgriene Uneform. Un wie ne der Paster sog, do warsch ne, als wenn der Förschter noch ewing huhtuet feixen tät. Dos schlug ne Faß ne Buden aus. Der Paster wußt nu genau, daß er de Maibaamsach net bis noch de Feiertog aufschiebn tät. Er hielt e racht schiene Predigt; oder wie's zun End ging, do hänget er noch e paar Sätz na. »Ja, liebe Gemeinde, »Schmückt das Fest mit Maien!« haben wir heute singen hören. Aber wo steht geschrieben, daß man die Bäume dazu stehlen soll?«
Alle Agn flugn nauf ofn Chor, un der Zipperschuster wur in seiner Eck immer klener. Un nu bracht der alte Paster noch e paar Sätz, wie mer sich doch kränken müßt, daß sugar in der Gemeind sette Sachen virkäme. Wie's oder bei unern alten guten Paster immer war, su warsch aa dohierde: er koant niemand lang bies sei. Un wie de Predigt alle war, do sahten sich alle: »Na, ne Paster seiner Red enoch, werd ne Zipperschuster net derhaufen passiern.«
Noch wie der Kanter 's Nochspiel machet, schlich sich der Zipperschuster noner in der Sakristei, er tat ne Paster im Vergabing bitten. Ar hätts net esu schlimm gemänt, er wär nu emol fürsch Grüne. Un die Singerei egal, von die Maibaamer, hätt'n noch vollst verwerrt gemacht. Nu gäbs doch in der ganzen Gegnd när in Pfarrbüschel Maibaamer, un esu wärsch komme. Der Herr Paster sollts 'n när net übel nahme, 's käm gewieß net wieder vir. Der Paster hoot ne ne Standpunkt orndlich klar gemacht, oder 's End von Lied war doch, daß er von ener Aazeig obsahe wullt.
Niemand war fruher, wie mei Zipperschuster. »Herr Paster«, saht er, »doß Sie net denken, ich will Sie im Ihre Baam brenge, soll meine Miene zwee feine Rutenbasen draus binden, Se warn emol sahe!« Dodermiet machet er naus. Wie er vir der Tür kam, luf er gerod ne Kanter in de Händ. Ar wär garn virbei geloffen, oder er mußt erscht noch ne Kanter sein Sermon ahörn, in wos fir e gruße Verlagnhät er ne gebracht hätt un esu in dan Text fort.
Der Schuster battlet nu a noch ne Kanter im Vergabing und zeletzt saht er: »Herr Kanter, ich will die Baam gar net behalten, meine Miene mog für der Schul e paar Rutenbasen binden!« Domiet machet er su fix wie er kunnt übern Gottesacker wag un dacht när noch für sich: »Zu vier Basen lange oder die Ruten net, do muß ich mer noh en Maibaam huln!«
Sei Roll als Kerchnsänger war oder ausgespielt, aa wie de Kermeßkantat von F. M. Gast aufgeführt warn sollt!