Daß meine bäden grußen Gunge ewos in Schild führeten, hat ich schie lang weißkriegt. Wie oft wur mir e Neigrosch oder e Fünfer ogenomme. Allemol hieß, se wollten's fir Weihnachten sparn. De ganzen Kugeln, die se mit Müh un Nut vun de anern Kinern gewonne hatten, wurn verkaaft, zah Stick en ganzen Pfeng, wos de ogeschobten waren, die »wie nei« sechse fürsch Gald. Wenns de Kaufleit e manichsmol esu gewußt hätten, wos do alles gehanelt wur – un die Preis' derbei – die hätten fir Arger ihrn Loden zugemacht! Dann standen de Gunge zun größten Gift von de Dienstmanner an Bahnhuf rim, un 's gelicketen doch e manichsmol, daß se e Packel ze trogn kriegeten, un do war schie wieder e Neigrosch verdient. A Mangeldrehe ginge se, korz, mer kunnt denken, se wollten e Haus kafen, su wursch Gald zesammegeschmissen. Doß se werklich ewos Grußes virhatten, market ich oder an mesten, wie se in Oktober de Kuhnikeln verkafn taten. 's war a e wing Be–trug derbei. De Franzusen, mit de lange Hänguhrn, sei doch ewing teirer wie de anern Hasle. Wos machen die Luderschgunge? Se hänge ihrn guten Haseln Stä an de Uhrn, daß se hänge larne sollten! Dos ho ich oder net zugelossen. – Uner ihrn Bett hatten se en Kasten schtiehe mit en grußen Schloß dra. Kä Mensch wußt, wos se do drine hatten. An jeden Nochmittig, wenn se aus der Schul kame, wur die Kist mit grußer Müh nüber in der Schupp getrogn, un do höretn mer se hammern un saagn. Alle Minuten fahlet mer ewos in meiner Schreibstub, emol 's gruße Lineal, mol de Pappschar. 's Gummiflaschel krieget ich iberhaupt nimmer ze sahe. Brauchet mer in der Wertschaft emol en Nal oder en Hammer, do hieß allemol: »De Gunge hobns!« Emol kam ich derzu, wie se alle bäde von meiner Fraa e paar richtige Schalln kriegeten. Se warn oder ganz ruhig derbei, doraus market ich an besten, doß mei Fraa racht hatt. »Do, sa när har, die Schweinigeln«, saht se, »de ganze Hus voller grüner Farb. Un 's is a noch Oelfarb, die gieht net wieder raus! Do kenne se's mittigs net mit ihrer Bauerei derwarten, daß se e anere Hus aziehe! Nä, geleich in Schulazug giehts lus!« Na, schließlich wur für en Neigrosch Terpentinöl gehult, un die bäden Bossen hobn geriebn, daß ich dacht, se täten Löcher neireibn. Oder de Flack warn raus. Mer wur werklich in ganzen Haus aufstitzig, wos se engtlich baue täten. Drei Wochen vir Weihnachten nahme se ne Schlissel von der Schupp wag. 's änzge war, daß se nu de Kuhln immer rübertrogn mußten; sinst hat allemol kener giehe wolln, oder itze machten sa's von ganz ällä, när, daß niemand anersch in der Schupp kam. Un wos 's Wunerbarschte war: Net e enzigs Mol zanketen se sich; mer sog orndlich, de Hämlichtuerei hielt se zam. Verzehn Tog virn heiling Ohmd, an en Suntig, sahten se: »Voter, derfen mer heit emol ällä giehe?« Ich froget natirlich: »Wu wollt Ihr dä hi?« »Of Schimpfeld«[3], sahten se, »mer nehme oder ne Paul (wos der Klänste war) net miet!« Na, ich dacht, »Willst'n de Fräd net verdarbn« un ließ zu. Natirlich sollten se sich warm aziehe un an Mittig machen, daß se fortkäme, daß der Kläne net erscht weißkriegn sollt. Nu wäß ich net, hatten se in ihrn Stolz ewos gesaht, oder war der Kläne gescheiter wie de Grußen: Geleich noch'n Assen, wie se fort wollten, setzet der Kläne sei Wintermitz auf un ging ne Grußen net von der Huck. Na, ich dacht, wie warn se'n dä lus warn?! Do of emol ging in klen Kammerle ein Gebläk lus, als wenn ener an Spieß stäk. De Grußen hatten 'n Klän dort eingeschlossen un warn auf und dervu. Mich kostet de Ausreißerei en Fünfer, dä ehrer heret dar Kläne net auf ze bläken. Nun warn die dumme Gunge in Filzsocken fort un hatten a de Handsching liegn lossen. Wie ich im sechse emol in der »Gans« ging, e Tippl Bier trinken, kam der Pilzlouis aus Ehrenfriedersdorf. »Du, Deine Gunge ho ich in Schimpfeld bein Löw'ngut aufgelasen, se warn dir wuhl ausgerissen? Na, ich ho se miet ofn Schlietn genommen!« »Dos werd'n schie gepaßt hobn«, war mei Red, »ich möcht bluß wissen, wos se in Schimpfeld wollten?« »Nu, se war'n wuhl Mannle gekaaft hobn in Löw'ngut, e fei gruß Packel schleppten se miet. Ich will mer när a fir men Winkel e paar neie Bargleit kafen, de alten sei esu voll Inselt getroppt«, saht der Pilzlouis, wos mei Gevatter is. Ich war oder fruh, daß die Gunge reiwarn. Wie ich ehäm kam, war mei Fraa noch ganz außer sich. Kitzeblaa an de Händ un in Gesicht warn se wiederkomme. Se hat se geleich in Bett gesteckt. Der Klänste hat erscht gebläkt, oder se hatten ne en klen Pappjee-Hos mietgebracht, dan hat'r miet ze Bett genomme un hielt'n fest, als wenn 'r ausreißen könnt.

Is schie an de letzten Tog vir Weihnachten mit de Kiner kaum zon Aushalten, da konnt en mit meine bäden Grußen bal de Gall überlafen. An Tog soßen se in der kalten Schupp, un in der Nacht konnten se net schlofen. Ich market ganz genau, daß se noch ewos ofn Harzen hatten; un richtig an Tog virn heiling Ohmd kame se. »Net, Voter«, saht der Gruße, »derfen mir Eich un ne anern (dodermiet menten se mei Fraa, mich, de bäden Klen an de Lotte, wos unere alte, gute Kinerfraa war) morgn Ohmd schie halbsiebn bescheern?« »Erscht bescheern mir Eich, dann bescheert Ihr uns!« setzet der Zwäte derzu, als wenns esu sei müßt. Na, ich hatt nischt dergegn, ich war werklich neigierig, wos nu engtlich hiner darer Hämlichtuerei stok. An heiling Ohmd dorft von viere a niemand mehr in der grußen Stub. Von meiner Fraa hatten se sich noch en ganzen Pack Lichter gebattelt. Se wollt erscht net, se saht, se hätten mit finfen oder sechsen a genung, do verplappret sich oder der Kläne, der Heinrich, un saht: »Ach, do gieht »se« fei net, Mutter!« Ar hatt's kaum raus, do krieget er vun Grußen en tüchting Gungs, un der Gruße, der Fritz saht: »Du alts Schof, werschts schie noch verroten!« Na, meine Fraa war genadig, se gab dos Packel Lichter har. När dos Ugelick mit'n Klänsten! Dar schrier un bläket in en wag, weil er net miet in der grußen Stub dorft; un richtig, mit sen Gebläk setzet er sen Kop dorch, mei Fraa saht: »Do nahmt'n doch miet nei, daß er sei Maul hält!« De Grußen wollten erscht gar net, oder zeletzt blieb'n doch nischt annersch übrig, se mußten ne mietnahme. Oder das Ene wur ausgemacht, bis zor Beschering sollt der Kläne net aus der grußen Stub raus, weil er sinst alles verroten tät. Do war mei Fraa fix derbei, dä do war se doch dan klen Bläkranzen of e paar Stunden lus. In der guten Stub war nu de Arbet zu ken End. Do wur hi- un hargerückt. Endlich kame se raus mit Gesichtern, ich gelab, dar alte Zeppelin hot net anersch ausgesah, wie sei Luftschiff zon erschten Mol richtig ging! Der Klänste wollt a miet raus, oder do hieln se de Tür zu. Erscht passeten dos net, dann war er oder mit en Mol ruhig. Mir wurn nu erscht alle zamgetrommelt. In der klen Stub mußten mer atraten, mei Fraa, ich, de Lotte mit der klen Mahd ofn Arm – a 's Fläschermadel, wos abn gekomme war un sei Schürz zun heiling Christ kriegt hat, mußt miet, dann gings in en richting Fastzug vir in der grußen Stub. De Tür ging auf un – vir uns stand a gruße, schiene Peremet. Ich muß sogn: Die Gunge hatten werklich feine Arbet gemacht. In en grußen Garten, dar racht schie mit Must ausgelegt war, soog mer Schaafle un Herten. In der anern Eck war e schins Schloß, do warn sugar de Fanster aus Seidenpapier un e Lichtel stand derhiner, 's sog werklich schie. Wieder in der anern Eck warn e paar Hersch, die froßen vu en Baam, un geleich dernabn e Hund un e Gager. Die Herschle marketen dos oder net, die fraßen ruhig weter. Endlich in der vierten Eck war de Kripp mit der heiling Maria, ne Gosef un ne Christkindel un natirlich die anern Mannle a, die zu ener richting Christgeburt gehörn. Die Hauptsach war oder natirlich de Peremet salber. Fünf Etagen hatten de Saugunge gebaut. De Säul'n hatten se sich fein drehe lossen; un ringsrim, allemol bei jeden Obsatz war e Sträfen Goldpapp, a noch fein mit Bugn geschnieten. De Scheiben vun jeder Etag warn schie grü agestrichen un of jeder war ewos anersch ze sahe. Ganz unten war e Gagd. Do liefen Hosen, Hersch, Reh, Füchs, Gager un Hund – alles dorchenaner – rim. E setts Revier tät ich jeden Gager gönne, do käme se zewingst of ihrn Pacht. – En Obsatz hecher warn de heiling drei Köning mit ihre Kamel un Eseln un Schwarzen ze sahe. In der dritten Etag war e Schwadron blaae bayrische Reiter of klän Holzpfaarle aufmarschiert. Drüber war e richtiger Bargaufzug, von Oebersteiger bis zun Hundsgung, alles wos derzugehert. Ganz drubn endlich war noch emol e Christgeburt, dar klen Scheib wagn de Mannle net größer wie e Fingerglied. Un über der gaazen Sach warn de grußen Peremetenflügeln gespannt, fein mit himmelblaaen Papier un Goldstarnle beklaabt. Alles, wos racht is, e sette schiene Peremett hat ich bal noch net gesah. När an Fahler hot se, dar bei ener Peremet racht störn ka – se ging net imering. Se stand do wie Ochs un rühret sich net. Meine Gunge macheten ganz vernalte Gesichter, se taten mich richtig dauern. När der Klänste hat sich ewing zu seiner Mutter gemacht un war engtlich racht klälaut. »Nu, wos is dä dos?« fing endlich der Fritz a, »virhinst ging se doch wie der Teifel! Hast Du epper drarimgemahrt?« Der Heinrich war abn esu betöppert: »Ich bin doch gar net ehrer reikomme, wie Du!« saht er ganz beleidigt. Ich mänet: »Vielleicht sei de Fliegeln ze schwer, daß de Wärm net reicht!« »Dos ka sei«, saht der Kläne, »ich ho dersch oder oft genung gesaht«, bläket ar ne Grußen a, »Du sollst dünnere Papp nahme! Nu hast de ne Drack!« »Wos«, saht der Gruße, »virhinst ging se ganz orndlich. Wos Du verstiehst, dos weß ich a!« 's wär, weß der Hole, de ganze gelubte Eenigkeet of Stücken gange, wenn ich mich net neigemengt hätt. »Blost emol!« saht ich. De Gunge bliesen, daß'n bal de Backen platzeten, oder de Peremet ging net von der Stell. »Hat'r dä e Gelasel unten uner der Well?« freget ich. »Natürlich«, sahten de Gunge. Dann finge se a, de Peremet mit de Finger an Flügeln fortzestußen – die Peremett rühret sich net. Do machet sich of emol mei Zweter an Klänsten na: »Hast Du eper wos dra gemacht?« Der Kläne fing a gerodnaus ze grinsen. Erscht wollt 'r nischt gemacht hobn, endlich oder gab er zu, er hätt sei Hasel a mietfahrn lossen wolln. Nu gucketen mer noch emol noch – richtig, unner der unersten Scheib war dar kläne Hos aus Pappjee neigezwängt, dan de Grußen aus Schimpfeld mietgebracht hatten. Kaum war dar Hos raus, fing sich aa de Peremet a ze drehe, daß e richtge Lust war. Die Kinner tanzten vir lauter Fräd in der Stub rim, un ich muß sogn, mir wur orndlich lecht, wie se esu schie ging, die Gunge hätten mich doch in der Seel gedauert. Nu gings oder a lus! »Voter, siehst de dan Hersch? Dar kost zwanzig Pfeng in Löwngut.« »Mutter, dort die Marie kost funfzehn Pfeng bein Lahl, die is fein in ruten Kittel, in blaae kost se bluß en Neigrosch! Siehst Du dan König dort? Dan is e Stick Arm waggebrochen, drim hobn mern für drei Neigrosch kriegt, sinst kost'r finfesiebzig Pfeng!« Su in dan Text gings fort, bis endlich meine Fraa saht: »Su, nu gieht ihr mit der Lotte in der Küch, mer wolln eure Beschering a harrichten«.

Su sei mir zu ener Peremet komme un se werd alle Gahr bei uns derhem lusgelossen. Un allemol, wenn se von Buden runergehult werd, is grußer Drasch, daß net eper wieder e Hasel dronergequetscht is. Un wos der kläne Paul is – ar is derweile a gungs Berschel gewurn – dar werd allemol dermiet aufgezugn.


Ne Roscher-Schmied-Paul sei Osterhos'.

Der kläne Paul log hiner der Schmied in Grosgarten uner en alten Bernbaam, de Arm unern Kop, de Knie überenaner – un gucket nauf in blaae Himmel. 's war e Tog, wie er lang net gewasen war. Wenn de Blattle an de Baam ewing weter raus gewasen wärn, hätt' mer denken könne, 's wür bal Pfingsten, wus doch erst of Ustern giehe tat. Nabn dan Gungel log e grußer Bund Maikatzle; der Paul war abn in Wahnerbüschel gewasen un hatt' se gehult. E paar grüne Blattle, die er draußen an der Bach gefunden hatt, logn nabn dan Maikatzelstrauß, er wollt doch sen Kuhnikeln a ewos mietbrenge. De liebe Sonn schien sich orndlich über dos Gungel zu fräe, dä se schien esu hall un warm of seine nacketen Bä, daß'n net friern konnt. Dos Gungel machet oder e ganz arnsthaft Gesicht; mer merket ne richtig aa, daß'n ewos in Kop rimging. 's war oder a werklich net esu efach. Der Paster-Gottfried hatt damorgn in der Schul von Osterhos' derzehlt. Er war tutsicher, daß der Osterhos' jedes Gahr zu de Kiner käm un de schönsten blaae un grüne un gale Eier legn tät. Der Paul hat's net geleich geglaabt; er hatt'n noch net gesah, net emol de Eier. Nu iberleget er hie un har, worim in der Roscherschmied noch kä settiges Viech komme war. 's war emende esu, wie bei maning annern aa, der Osterhos' kam när ze de paar Grußen. Ganz zeletzt fuhl ne noch ewos ei, wos der Paster-Gottfried von de arting Kiner derbei gesaht hatt; – nu, do konnts stimme! Der Paul dacht an esu mannigs, wos er ausgefrassen hatt, un wu mer genau market, daß der Paul net dos war, wos de Leit »artig« nenne. Daß sei Hus egal zerissen war, dodra warn när die alten Storzeln an de Baam und die Spitzen an de Staketzäun schuld. Un überoll liegn e sette Matz Stä rim, daß mersch ken Gung verdenken ka, wenn er emol en anpackt un forthaat. Daß nu e manigsmol e Fanster in Wurf is, – war ka do derfir?! 's Schlachtste is oder dann allemol, wenn mer ohmd ehäm kimmt: de Mutter hoot gor sette harte Händ!! Aa dos is ugeracht vertelt of darer Walt. Der Paster-Gottfried ka lechter ohmd ehämgiehe, dan sei Mutter hoot Händ wie e Flaamkissen; – e richtige Gitt muß dos sei, emol von dar Flack ze kriegn! –

Sette Gedanken wirbleten ne klen Roscher-Gungel dorch sei Krausköppel, un immer blinzlet ar derbei nauf noch der Sonn, die's mit der Halligkät bal zu gut mänet.

»Alte Schlofmitz«, saht of emol jemand nabn dan Gungel, »liegst do un verschläfst de schönste Zeit! Is dos immer dei Mode?«