Nach John[9] ist in vielen Orten (Neudorf, Tannenberg, Thum, Wolkenstein, Bärenstein, Schlettau) das Turmsingen üblich. Auch in Schneeberg wird schon früh 4 Uhr vom mächtigen Turm der hochgelegenen Kirche gesungen, wobei die Reihenfolge und Auswahl der Stücke jedes Jahr ein und dieselbe ist.
1. Herr wir singen dir zur Ehre (Melodie: Wachet auf, ruft uns).
2. »Das Ehre«, ein achtstimmiger Chor auf den Text »Ehre sei Gott in der Höhe.«
3. »Das Glückauf!« ein uraltes Bergmannslied von dem Stadtältesten Biel komponiert.
4. Chor: Laut verkündet die Trompete und die Pauke rollt es dir.
5. Choral: Preiset ihn durch Jubellieder (Str. 2 von »Herr, wir singen dir zur Ehre«.)
Schmetternde Trompetenbegleitung verstärkt den feierlichen Eindruck der Gesänge, die von den Chorknaben und freiwilligen Sängern aus der Stadt ausgeführt werden. Beim Verlassen des Turmes schrieb man sich in der Turmwohnung in das dort aufliegende Kantoreibuch ein. Wer 50mal ununterbrochen am Singen teilgenommen hat, erhält eine Pelzmütze und eine Laterne. John berichtet, daß in den 90er Jahren dies letztmalig der Fall war. In anderen Orten singt man einfach einige bekannte Weihnachtslieder oder Choräle vom Turme. In Zwönitz findet das Turmblasen nachts 3 Uhr statt, um 4 Uhr singen die Chorjungen und die Metten nehmen ihren Anfang.
In Geyer wirkt die Stadtkapelle früh 5 Uhr beim Gesang der Choristen mit.
Neben den Christmetten gab es auch noch Berg- und Schulmetten. Nach John (Aberglaube, Sitte und Brauch im Erzgeb.) haben sich die ehemals weitverbreiteten Bergmetten nur auf einzelnen Schneeberger Gruben erhalten. »An einem der Festtage kommen die Bergleute mit Lichtern in der »Hutstube«, wo sonst vor der Einfahrt die Gebete abgehalten werden, zusammen und überreichen dem Obersteiger ein Geschenk. Um 23. Dezember 1907 feierte die Belegschaft (ungefähr 45 Bergleute) des Zinnbergwerkes »Gewerkschaft Alberthütte« in Ehrenfriedersdorf seit etwa 25 Jahren wieder zum ersten Male (so lange hatte der Bergbau geruht) ihre altertümliche Mettenschicht. Von früh 5 Uhr bis zum hellen Tageslicht erglänzte das auf dem Sauberge stehende Triebgebäude, sowie die daneben befindliche Werkschmiede in hellem Lichterglanz. Die Feier dieser Mettenschicht wurde in der Betstube durch Gesang und Gebet abgehalten.«
Die Schulmetten, die z. B. in Buchholz bis in die neueste Zeit hinein abgehalten wurden, nahmen ungefähr folgenden Verlauf. Die Klassen versammelten sich in ihren durch lichterstrahlende Christbäume geschmückten Klassenzimmern. Jedes Kind hatte außerdem ein Lichtlein mitgebracht, das es auf seinen Bankplatz stellte. Eltern und Verwandte wohnten der Feier bei. Mit Gebet, Gesang und einer Ansprache des Lehrers wurde die Zeit ausgefüllt. Oft brachten die größeren Schüler ein kleines Weihnachtsspiel zur Aufführung. In vielen Orten war es üblich, bei dieser Gelegenheit dem Lehrer ein Geschenk zu überweisen. Zuletzt wurde der Christbaumbehang unter die Kinder verteilt. Diese Schulfeiern sind allerdings auch außerhalb unseres Gebirges gang und gäbe, selbst in den Großstädten füllt man den Unterricht am letzten Schultage gern durch eine solche Feier aus.