in Verehrung gewidmet.

Dekoration

Vorwort.

Dies Büchlein will nichts, als eine Unzahl Blüten alterzgebirgischer Volkspoesie, die bisher verstreut oder vergessen waren, zu einem kunstlosen Strauße binden.

Volkslied und Volksdichtung sind lange nicht mehr kaum geduldete und mitleidig belächelte Begriffe im deutschen Kunstleben. Das Volkslied erklingt auf allen Wegen und Stegen, daheim und im Konzertsaal; die Volksdichtung hat verständnisvolle Leser und das Volksbühnenspiel durch Haaß-Berkow begeisterte Hörer und Miterleber gefunden. Die sentimental-süßliche für das Volk zurechtgestutzte Volkskunst ist als falsches Gold erkannt und entwertet worden und mit gediegener Eigenprägung wartet die künstlerische Münze unseres Volkes auf.

Durch alle Gegenden des deutschen Landes braust ein voller Chor zum Preise unseres unverfälschten Volkstums, möge das Stimmlein dieses Buches ihn verstärken helfen!

Geschichtlicher Überblick

»Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging«, so beginnt die lieblichste aller religiösen Erzählungen. Alle Fragen geschichtlicher Kritik und fordernder Dogmatik schweigen bei dieser Weihnachtsgeschichte und selbst der dem Christentum Abgekehrte läßt die heiligen Märlein gern auf sich wirken und feiert selige Kindheitserinnerungen. Wie ein echtes und rechtes Volkslied mutet dieser Bericht von der Geburt des Heilandes an. Das traute hochheilige Paar im dunklen Stalle, wo der Weltenheiland nackt und arm geboren wird. Aus der Tiefe muß er emporsteigen, der sein Volk zur Höhe führen will. Und den armen und verachteten Hirten naht der himmlische Herold und schickt sie zu dem frierenden göttlichen Kinde. Auch der geheimnisvolle Orient muß vertreten sein, darum erscheinen die drei Weisen aus dem Morgenlande, sogar ein wirklicher Neger ist dabei, und stellen ihre reichen Gaben in den Stall. Gegensätze über Gegensätze, wie sie das Volk liebt.

Darum war es der glücklichste Gedanke der altchristlichen Kirche, die volkstümlichste Erzählung der heiligen Schriften in den Mittelpunkt eines Festes zu stellen, das heute noch seinen Zauber auf Gläubige und Ungläubige ausübt.

Seine ganze Liebe hat das Volk von jeher über dieses Fest ausgegossen. Die Volkssitte umgab es mit einem bunten Kranze von volkstümlichen Sitten und Gebräuchen, die es von jedem anderen Feste unterscheiden. Was an künstlerischer Begeisterung und inbrünstiger Liebe im Volke schlummert, von dem Rauschen der Engelsfittige ward es aufgeweckt und auf allen Kunstgebieten entstanden köstliche Werke naivsten Kunstempfindens. Aus ungefügen Holzklötzen formte sich die Gottesmutter mit dem Kinde, um den Kirchen ein festlicher Schmuck zu sein. Der Winkel der Wohnstube bevölkerte sich mit allerlei buntem Schnitzwerk, das die liebliche Erzählung figürlich darstellte. In süßen Liedern und innigen Versen ward das hochheilige Paar gepriesen. Und die aus der Tiefe des Volks schöpfende Kunst fand einen Schacht voll Gold und Edelsteinen, sodaß sie noch heute der Ausbeute froh wird. Die darstellenden Künste, Tonkunst und Dichtkunst haben gleichen Anteil an der Hebung der Schätze. Ja auch die Anfänge der Schauspielkunst berühren sich mit der volkstümlichen Darstellung der Geburtsgeschichte des liebenswertesten aller Menschen.