666 m hoch, mit einer künstlichen Ruine, von deren Turm aus man einen ganz prächtigen Blick besonders auf Annaberg und den Pöhlberg genießen kann.

Nun hinab auf steilem Wege zum Frohnauer Hammer.

Dieser älteste Profanbau der ganzen Gegend aus dem Jahre 1470 besitzt noch alle uralten Einrichtungen seines Betriebes. Der Hammer ruht zwar, aber seine Einrichtung bleibt durch den Hammerbund erhalten. Der ehemalige Besitzer Martin erklärt das Werk. Das Herrenhaus stammt aus dem Jahre 1697 und birgt im Erdgeschoß eine erzgebirgische Schankstube, während im Obergeschoß ein kleines Museum untergebracht ist, dessen Hauptsehenswürdigkeit eine meisterlich geschnitzte Weihnachts-Krippe vom Oberwiesenthaler Holzschnitzer Hertelt bildet.

Wir gehen, aus dem Gasthaus tretend, links weiter. Rechts über die Sehmabrücke, an der alten Herrenmühle, dem jetzigen Elektrizitätswerk vorbei, unter der Bahn hindurch, den Frohnauer Kirchsteg, die Frohnauer Gasse hinauf, rechts zur Bergkirche und zum Markt von Annaberg.

Die Hauptstadt des Obererzgebirges gehört zu den schönsten Städten Sachsens. Am Abhange des Pöhlberges, 602 m hoch gelegen mit ca. 20000 Einwohnern. Als Mittelpunkt der erzgebirgischen Posamentenindustrie gilt die Stadt als Hauptplatz für diesen Industriezweig neben Paris.

Die Stadt verdankt ihre Entstehung den reichen Erzfunden, die Herzog Georg den Bärtigen 1496 zur Gründung der Stadt veranlaßten. Ursprünglich »Neustadt am Schreckenberg« genannt, verlieh ihr Kaiser Maximilian im Jahre 1501 Wappen und den jetzigen Namen. Zu Ehren der Schutzheiligen erbaute man 1499 bis 1525 die herrliche St. Annenkirche. Die Glanzperiode des Silberbergbaues fällt in das 16. Jahrhundert. Die in der Annaberger Münze geprägten Engelsgroschen oder Schreckenberger genossen wegen ihres hohen Silbergehaltes allgemeine Wertschätzung. Der Ruf der Stadt zeigt sich in dem ehemals bekannten Worte: »Bist ein reicher Annaberger, hast den Sack voll Schreckenberger«. Beim Niedergang des Silberbergbaues entwickelte sich die Band- und Bortenwirkerei, verbunden mit der von Barbara Uttmann eingeführten Spitzenklöppelei, und erhielt der Stadt ihre Bedeutung. Aus diesen Anfängen entstand die heutige Posamentenindustrie, der sich noch andere Industriezweige, die meist dem Luxus dienen, anschlossen. So ward die Stadt mit den engverbundenen Nachbargemeinden Buchholz und Sehma zur führenden Fabrikstadt des Erzgebirges. Eine Reihe bedeutender Namen sind mit Annaberg verknüpft. Der Rechenmeister Adam Ries lebte 1515–1559 hier als Bergschreiber; Barbara Uttmann, die Wohltäterin des Erzgebirges ward 1514 hier geboren und starb 1575. Christian Friedrich Weiße, der Freund Lessings, als Kinderfreund bekannt und geliebt, ward 1726 hier geboren. Der unter dem Namen Peter Gast bekannt gewordene Komponist und Philosoph wurde als Heinrich Köselitz 1854 in Annaberg geboren und starb 1918 in seiner Vaterstadt. Er war der Freund und Deuter Friedrich Nietzsches und nach dessem Tode Hauptmitarbeiter am Nietzsche-Archiv zu Weimar.

Wir besuchen in Annaberg die Hauptkirche, das Erzgebirgsmuseum und den Friedhof.

Auf dem Markte das Bronzedenkmal der Barbara Uttmann von R. Henze. Nun durch die Große Kirchgasse zum Erzgebirgsmuseum, gegenüber der Hauptkirche, Haus Nr. 16. Es gliedert sich in kulturhistorische und touristische Abteilung. Die erstere enthält geschichtliche, kunstgewerbliche und volkskundliche Altertümer erzgebirgischer Bodenständigkeit, z. B. Kirchen-, Haus- und Zunftgeräte, Waffen, Münzen, Kleidungs- und Schmuckstücke, Bücher, Karten, Handschriften und Bilder. Erzeugnisse der erzgebirgischen Industrie, wie Klöppeleien, Chenille- und Seidenwirkwaren, keramische Erzeugnisse, Zinn, Schnitzwerke, Weihnachtskrippen u. a. m. In der touristischen Abteilung finden sich Bilder, Karten, Führer und Pläne, Erzgebirgsliteratur, Darstellung des Erwerbslebens einzelner Gegenden usw.

Die Hauptkirche kann man nach Anmeldung beim Kirchner, wohnhaft Kleine Kirchgasse 23, besichtigen. Sie ist eine der schönsten Kirchen Sachsens und inbezug auf Reichtum an Kunstdenkmälern aus katholischer Zeit wohl die interessanteste. Der Bau ist eine dreischiffige Hallenkirche mit Querschiff, der Turm ist 76 m hoch. Zwölf achtseitige Pfeiler tragen das Gewölbe. Überaus groß ist die Fülle von prächtigen Skulpturen, Altären, Fenstergemälden usw. Das Lebensalter des Mannes und der Frau ist in köstlich naiven Reliefdarstellungen an den Emporen angebracht. (Siehe die Schwindschen Bilder in der Wartburg.) Der Hauptaltar ist 1522 vom Augsburger Meister Adolf Dowher geschaffen worden. Großartige Orgel.