Eine besondere Bedeutung hat die Johannisnacht als Losnacht, in der bei Beobachtung besonderer Gebräuche die Zukunft entschleiert wird. Daß dabei liebende Mädchen und liebeglühende Burschen hauptsächlich interessiert sind, bedarf wohl keines besonderen Nachweises.
Das verliebte Mädchen schläft auf einem Sträußchen, das am Johannistag gebunden ward, und ihm wird in der Nacht der Zukünftige erscheinen. Aus Bärenstein wird ein origineller Brauch berichtet. Das neugierige Mädchen hebt in der Johannisnacht im Garten etwas Rasen ab und legt die Stücke wieder hin. Um Morgen nimmt es eilends die Rasenstücke weg, um zu sehen, ob ein Käfer sich darunter aufhält. Die Farbe dieses Käfers gibt den Stand des künftigen Gatten an. Ist der Käfer grün, so steht ein Förster in Aussicht, trägt er schwarze Farbe, so wird ein Pfarrer der Erwartete sein; es ist bedauerlich, daß ich nicht erfahren konnte, wie diese Farbenskala sich weiter fortsetzt! – Die jungen Burschen binden Blumensträuße, möglichst von verschiedenen Feldrainen, und werfen die Sträußchen von der Straße aus der Geliebten ins Schlafstubenfenster. Gelingt schon der erste Wurf, so findet noch in demselben Jahre die Hochzeit statt, jeder vergebliche Wurf aber schiebt die Vereinigung der Liebenden um ein Jahr hinaus.
In Mildenau steckt man Johannisblumen in den Garten, wessen Pflanze zuerst verdorrt, wird zuerst sterben. Auf die Säuglinge ist der Johannistag auch von Einfluß. Man soll es möglichst so einrichten, die Kinder von diesem Tage an zu entwöhnen, da sie dann gut gedeihen. Gelingt das Experiment, so werden dem Kinde viele Johannisfeste beschieden sein.
Das Wetter zu Johanni ist ebenfalls von besonderer Wirkung für die Zukunft, wie einige Bauernregeln zur Genüge beweisen, z. B.:
Reg'n an Gohannistog,
nasse Ernt mer erwarten mog.
Johannesregn brengt ken Segn.
Vor Gohanne, herscht de,
lob fei kane Gerschte.
Sind viele von diesen Gebräuchen nur noch in vereinzelten Orten anzutreffen, so findet sich der Brauch des »Johannispfennig-Heischens« in den verschiedensten Gegenden unseres Gebirges. Arme Kinder binden sich ein winziges Kränzchen aus Feldblumen, oft aus Gänseblümchen, das auf einen Teller gelegt wird. Damit stellen sie sich an Straßen, hauptsächlich an Promenadenwege, und bitten Vorübergehende um eine kleine Gabe. Ueblich ist in einzelnen Orten, wie z. B. Frohnau und Bernsbach, daß dabei das Verschen gesprochen wird:
Ich bin klä un Du bist groß,
greif in dr Tasch un schenk mr wos!
Dann und wann wird die Straße durch eine quergezogene, mit Blumensträußchen gezierte Schnur gesperrt und der Wanderer muß sich durch eine Gabe loskaufen. Gern geben alle dem liebenswürdigen, kleinen Bettelvolk.