Bei dem darauf folgenden Mahle fand die Baronin Gelegenheit, zu dem Rentier zu sagen: „Ich finde, daß mit dem Bräutigam während seiner Abwesenheit doch eine Veränderung vorgegangen ist. Er ist freilich unterdessen ein Mann geworden — aber das ist es nicht allein. Er hat in seinem Benehmen etwas Eigenthümliches, was mir sehr gefällt; und ich glaube, man kann sagen, er hat etwas —“ — „Von einem Engländer,“ ergänzte der Freund. — „Allerdings,“ erwiederte die Baronin, „und zwar erinnert er mich an die edelsten, die ich gesehen. Doch — das ist begreiflich!“ — Sie sah mit einem Blick inniger Liebe auf das Brautpaar und setzte hinzu: „Er sieht so unendlich zuverlässig aus! Mein Kind wird glücklich seyn!“ —

Nach einigen Tagen befand sich die junge Frau allein in ihrem Zimmer, mit einer weiblichen Arbeit beschäftigt. Aus einer gewissen Erregung und einem gelegentlichen Horchen nach der Thüre hin konnte man schließen, daß sie jemand erwartete; und so war es. Nach einer Weile kam Arthur und lud sie zu einem Spaziergang ein. Lächelnd erhob sie sich, denn das Ziel desselben war ihr nicht unbekannt. Sie gingen durch den Park, jener Thüre zu, hinter welcher die Anhöhen lagen. Wie anders war jetzt ihre Empfindung, als an jenem Pfingstmontag, wo sie unter der süßen Last einer unausgesprochenen Liebe diesen Weg wandelten! Aber die Erinnerung daran füllte ihre Herzen jetzt mit der reizendsten Empfindung. Von dem Hügel sah ein zierliches Belvedere herab, das erst vor einer halben Stunde der letzte Handwerksmann verlassen hatte, und ein bequemer Steig führte zu ihm hinan. Arthur hatte sein Wort von damals gehalten und Anna dankte mit einem liebevollen Blick. Am Fuße des Hügels angekommen, lächelte die junge Frau; sie ließ den Steig bei Seite und lief mit jugendlicher Leichtigkeit einige Schritte über das Haidegras hin; plötzlich glitschte sie, stieß einen Schrei aus und fiel in die Arme Arthurs, der ihr nachgeeilt war. Herzlich lachend klommen sie Hand in Hand zu dem hübschen kleinen Gebäude empor. Anna rühmte und bewunderte es und beide sahen von ihm schweigend in das Thal hinab, das wieder im Glanz der Abendsonne dalag. Nach einer längeren Pause sagte Arthur mit einem Ausdruck von Laune, durch die er den innern Ernst zu verdecken strebte: „Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle!“ — Und Anna erwiederte: „Wir haben in früher Jugend gewünscht, und der Himmel hat die Gnade gehabt, uns von der Bedingung des Alters zu dispensiren.“ — „Ja,“ sagte Arthur, „er gab uns das Glück in der besten Zeit! Aber das soll uns nicht niederschlagen; wir vertrauen dem Geber und wollen von seinem Geschenk einen Gebrauch machen, durch den wir die Gunst, wenn nicht abverdienen, doch nach Möglichkeit rechtfertigen.“ — Die junge Frau reichte ihm schweigend die Hand.

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