Der eine von ihnen war etwasschwärmerisch, viele sagten: poetisch, wie wir es oft sehen bei Deutschen; und Martha hörte ihm immer aufmerksam zu, wenn er seine Ideen über das Leben, über Länder und Menschen aussprach.
Besonders aber bewunderte er die Frauen dieses Landes und oft hörten wir ihn sagen: Durch viele Länder der Erde bin ich gereist; aber unter den Frauen aller Nationen sah ich keine, die so schön waren oder klüger oder edler, als die Frauen dieses Landes.
Wir alle hörten das gerne; denn wir wußten, es war sein Ernst.
Wenn wir ausgingen, so folgte Schwester Martha stets seiner Einladung und ging an seinem Arme. — Schöne Tage vergingen so, und waren wir abends müde vom Vergnügen des Tages, so wünschten wir doch den nächsten Morgen herbei mit seinen neuen Freuden.
An einem Tage waren wir nach einem nahen Walde gegangen. Schattige Kühle wehte uns entgegen und Wohlgeruch; wir hörten dasLispeln der hohen Bäume und das Konzert der kleinen Sänger. Auf dem grünen Teppich gingen wir fröhlich dahin, pflückten hier und da ein Blatt oder eine Beere und hatten bald die Welt außerhalb des Waldes vergessen.
Auch mit Martha war es so. Sie war froh heute, ganz froh; ja, sie war nochheiterer als sonst und sang und sprang mit uns bald hierher, bald dorthin.
Dannlagerten wir uns auf einem freien Platze und hielten unser Mahl, hörten Anekdoten, Geschichten und Rätsel. Wir beendeten das Mahl,erhoben uns, gingen in den Wald, suchten Gräser und Blumen, und so kam es, daß wir uns baldzerstreut hatten.
Ich war mit einer Freundin gegangen; wir hatten seltene Pflanzen gefunden; als wir müde waren, setzten wir uns nieder und lasen aus einem Buche.
Wenige Minuten saßen wir, da hörten wir ein Lachen. Da kommt Martha auch, sagte ich zu meiner Freundin; und richtig! — da kam sie und rannte wie ein Reh; hinter ihr her kam aber ihr Begleiter, der deutsche Herr; er wollte siehaschen, aber er konnte es nicht.
Sie sind schneller, als ich, rief er. Siesäumte eine Minute; er wollte sie fassen; aber schnell war sie wiederentwischt und er hielt nur ein Band in seiner Hand. —Sachte, mein Freund, sachte; so schnell fängt man mich nicht, rief sie und lachte in solch' herzlichem Tone.