Aber auch Freude, sagte die Mutter, wenn es ein edler und tapferer Ritter ist; und ich hoffe, daß ein solcher einst dich, mein Kind, beglücken soll.
Xanten war dieHauptstadt derNiederlande am Unter-Rhein. Da lebte der König Sigismund mit Siegelinde, seinem königlichen Weibe, und mit Siegfried, seinem Sohne.
Vater, sprach eines Tages Siegfried, — Vater, ich ziehe nach Burgund; ich will Krimhilde mir zum Weibe gewinnen.
Wenn du das willst, sprach der König, dann gehe. Aber wisse, Gunther hat manchen starken Mann. Besonders merke dir Hagen.
Ich will in Freundschaft um Krimhildens Hand bitten; aber was ich im Guten nicht gewinne, das kann ich aucherobern mit meiner starken Hand.
So gehe, sprach der König; doch Siegelinde weinte, als der Sohn sie verließ.
Und nach sechs Tagen kam er nach Worms mit zwölf starken Rittern. Aber König Gunther kannte Siegfried nicht und er ließ Hagen rufen; denn dieser kannte alle Länder und ihre Herren.
Da Hagen an das Fenster ging und hinunter in denSchloßhof und auf die fremden Ritter sah, sprach er: Ich habe diese Ritter niemals gesehen; aber ich denke, der erste ist Siegfried von denNiederlanden. — Ja, derselbe ist es und kein anderer. Er hat einst die starkenRiesen, die Nibelungen, bekämpft und ihnen den größten Schatz der Erde abgenommen, den Nibelungen-Schatz; und vom Zwerge Alberich gewann er dieTarnkappe, die ihn unsichtbar macht, und denLindwurm hat er auch getödtet und sich dann gebadet in desDrachen-Blut[IV-1], so daß er unverwundbar ist. Er ist ein gewaltiger Ritter, und wir müssen ihn freundlich empfangen.
Und Gunther und seine Brüder und Hagen und alle Ritter gingen hinab, Siegfried zu begrüßen.
Nun begannen frohe Tage; Ritter-Spiele wurden gefeiert, und Siegfried siegte immer. Wenn aber die Frauen fragten: Wer ist jener Held, der so schön gewachsen ist und der so reiches Gewand trägt? — dann hörten sie die Antwort: Das ist Siegfried, der Held von den Niederlanden.