Und als sie vor ihm stand in einem Ring von Helden, und als er mit ihr von einem Ritter sprach, den er für siegewählt, da errötete sie und ihr Herz klopfte gewaltig, denn sie ahnte, daß der Bruder von Siegfried sprach; und da sagte sie leise und verschämt:

Bruder, ich gehorche. Da küßte Siegfried vor allen Rittern seine schöne Braut.

Bald saßen sie bei Tische. Doch Brunhilde schien nicht glücklich zu sein! Warumbiß sie die Lippen zusammen? Warum blickten die Augen baldtrübe, bald zornig?

Ihrgegenüber saß Siegfried undneben ihm Krimhilde, die liebliche Krimhilde! Und Thränen der Eifersucht, der bitteren, wilden Eifersuchtstürzten aus Brunhildens Augen.

Warum weinst du? sprach Gunther zärtlich und besorgt.

Auch du solltest weinen, antwortete schnell Brunhilde, über das Unglück deiner königlichen Schwester, die du erniedrigt und an einen Vasallen vergeben hast.

Später wirst du alleserfahren, sprach Gunther darauf.

Nach der Tafel begannen die Kampf-Spiele. Brunhilde sah die Schilde, die Schwerter, die Lanzen, und die alte Kampf-Lust erwachte wieder in ihr. Und als des Abends Brunhilde ganz allein war mit Gunther, kam er in große Not: sie nahm ihren Gürtel, band Gunthers Hände und Füße,trug ihn zu einem Nagel und hängte ihn an die Wand im Zimmer.

Sein Bitten half nichts, er mußte hängen bleiben bis an den lichten Morgen. Da hatte sieMitleid mit ihm und band ihn wieder los. Gunther kam zu Siegfried und klagte seinLeid.

Da sprach Siegfried: Laß mich wieder mit ihr kämpfen; mir soll sie nicht widerstehen; in meiner Tarn-Kappe werde ich sie besiegen.