Ach Gunther, wiesehne ich mich nach deiner Schwester! Wie oft denke ich an die glücklichen Tage, da ich dich gewann, und da Krimhilde sich mit Siegfriedvermählte. O, laß sie kommen! Laß sie recht bald kommen! — zur nächstenSonnen-Wende!

Und Gunther war schwach genug, ihr zu glauben und zugehorchen. Dreißig Ritter schickte er ab. Diese kamen in drei Wochen nach Norwegen, wo Siegfried und Krimhilde gerade wohnten.

Krimhilde lag auf dem Ruhe-Bette. Da kamen ihre Mädchen in das Zimmer und brachten die freudige Botschaft: Fremde Ritter sind gekommen und sie sehen aus wie Burgunder!

Der starke Siegfried hörte Gunthers Einladung und antwortete, daß er in zwölf Tagen kommen wollte mit seinem Vater Sigismund und mit Krimhilde.

Die Botenkehrten zurück und meldeten, was sie gehört.

Ist Krimhilde noch so schön? war Brunhildens erste Frage.

Sie wird kommen, und du wirst sie sehen, antworteten die Boten, und sie zeigten auch die kostbaren Geschenke, die sie von Siegfried erhalten hatten.

Da sprach Hagen: Siegfried könnte sein ganzes Leben lang geben und würde immer noch reich sein, denn er besitzt den Nibelungen-Schatz. Ich selber möchte den wohl besitzen!

Nun machte man große Vorbereitungen in Worms zum Empfange der Gäste. Gunther ging zu Brunhilde und sprach: Wie einst meine Schwester dich empfing, als du in dieses Land kamst, so will ich, daß du nun Krimhilde empfängst.

Das thue ich gerne, erwiderte sie.